Ralph Hönicke in Kafkas „Prozess“ Foto: Pfeiffer

Für die Landesbühne Esslingen inszeniert Alexander Müller-Elmau eine Bühnenbearbeitung von Franz Kafkas „Prozess“. Jeder kann Opfer dieses alptraumhaften und grotesken Justizsystems werden, so die Botschaft dieser Inszenierung.

Esslingen – Es scheint wie ein Albtraum: Der Prokurist Josef K. erhält zu seinem 30. Geburtstag Besuch von einer Gruppe undurchsichtiger Männer, die ihn grundlos verhaften. Nun hofft er auf einen fairen Prozess, verirrt sich dabei aber heillos in ein groteskes Justizsystem. Am Samstagabend hat die Württembergische Landesbühne Esslingen Franz Kafkas Klassiker „Der Prozess“ in der Inszenierung von Alexander Müller-Elmau aufgeführt.

Bei Kafka finden sich die Kanzleien auf Dachböden ärmlicher Mietshäuser. In Esslingen besteht das Bühnenbild, das der Regisseur gestaltet hat, aus vielen Türen und Klappen, was ein reges Kommen und Gehen ermöglicht. Ralph Hönicke interpretiert Josef K. rational, dann zunehmend fassungslos bis gereizt. Er versucht über untergeordnete Personen wie kleine Advokaten und die Gespielinnen subalternen Justizpersonals Einfluss auf den Prozess zu erlangen.

Doch keiner kommt weiter in der undurchschaubaren Hierarchie der k. u. k. Verwaltung – und schon gar nicht nach oben. Dabei stehen Schuhpaare und große Leitern parat, die als Stolperfallen die Ausweglosigkeit noch unterstreichen. Dieses Spiel kann K. nicht gewinnen, geht es hier doch um Grundsätzlicheres – wie den mystischen Weg zum Tod, Einsicht in die Psyche oder Erkenntnis schlechthin. Interpreten haben Bände darüber geschrieben. K. räumt anderen auch zu viel Macht über sich ein.

Die Inszenierung von Alexander Müller-Elmau lässt allem Raum und hält zuverlässig die Balance zwischen Beklemmung und Komik. Manchmal schreien die Figuren lauthals: „Ich.“ Jedermann könnte K. sein, das ist die beunruhigende Aussage des Abends. Machtspiele und Repression durchziehen die ganze Gesellschaft. Das theatralische Element des Prosatextes arbeitet Müllner-Elmau auch heraus, indem er Applaus und Klatschen in Reaktion auf K. einspielt. Während der Parabel „Vor dem Gesetz“ unterhält sich K. mit einer Stimme aus dem Off. Was bewirkt K.s Theater? Nicht viel, „alte untergeordnete Schauspieler“ sind es, die am Schluss über ihn richten.

Weitere Aufführungen: 27. 1.; 19. 2.; 1., 3., 18. 3. Karten: 07 11 / 35 12 30 44.

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