Heiko Blocher macht Kaffee, wie er ihn selbst am liebsten trinkt. Foto: Max Kovalenko

Heiko Blocher macht Kaffee, wie er ihn selbst am liebsten trinkt. Deshalb hat er die Firma Schwarzmahler gegründet.

Stuttgart - Viel kann Heiko Blocher (35) von Kaffee erzählen, von Sorten, Zubereitungsarten, Wasserdruck, Mahlstärke und der perfekten Crema, dem Schaum auf dem Espresso. Und wenn man ihm so zuhört, möchte man auf der Stelle einen ­Kaffee trinken. Blocher trinkt gern Kaffee. Seit vielen Jahren. Damit ist er nicht allein: Kaffee ist das Lieblingsgetränk der Deutschen. 2013 hat jeder Bürger im Schnitt 165 Liter Kaffee getrunken. Zum Vergleich: Wasser lag bei 140 Litern, Bier bei 107 ­Litern.

Blocher geht es um mehr als bloß Kaffee. Es geht ihm um die Zubereitungsart, die Maschinen und natürlich die Bohnen. Das sind die drei elementaren Bestandteile, die den Geschmack beeinflussen. Mit seiner Leidenschaft ging es langsam los. Zuerst hat er sich besseren Kaffee im Supermarkt gekauft, dann in kleineren Röstereien und Privatröstereien nach der perfekten Bohne gesucht. Nur: „Das Produkt, das ich gern haben wollte, gab es auf dem deutschen Markt nicht.“

Also ließ er selbst rösten. 2011 hat er die Firma Schwarzmahler gegründet. Vor drei Monaten kam sein Sohn auf die Welt. Jetzt ist er Unternehmer in Teilzeit, Diplom-Sozialpädagoge in Elternzeit. „Kaffee und Kind, das funktioniert sehr gut nebeneinander“, sagt Blocher und wiegt seinen Sohn im Arm.

Kaffee aus Ecuador

Blocher importiert seinen Kaffee direkt aus Südamerika von demokratisch organisierten Kooperativen, die meisten liegen in Ecuador. Geröstet werden die Bohnen nach Blochers Vorgaben in Hamburg. Dass Kaffee nicht gleich Kaffee ist, kapiert man schnell, wenn man sich mit Blocher unterhält. „Der Fehler liegt oft hinter der Maschine“, sagt Blocher und meint damit den Menschen, der den Kaffee zubereitet. In Lokalen, wo meist mit einem Siebträgerautomaten und einer Mühle gearbeitet wird, kann viel falsch gemacht werden. Der Mahlgrad müsse passen, sagt Blocher. Und weiter: „Schon ein kleiner Wetterumschwung hat darauf Einfluss, wie die Bohnen gemahlen werden müssen.“

Blocher wiegt seine Bohnen aufs Gramm genau ab. „Der Mahlgrad hängt davon ab, wie lange Wasser mit dem Kaffee in Berührung kommt“, erklärt er. Blocher mahlt immer frisch. Denn schon 15 Minuten reichen aus, und die gemahlenen Bohnen haben 50 Prozent ihres Aromas verloren. Die 23 Gramm gemahlener Kaffee für einen doppelten Espresso werden gebrüht. Mit 91,2 Grad kommt er aus der Maschine. Sein Espresso „Pechschwarz“ tröpfelt in die vorgewärmte Tasse. Das Ergebnis schmeckt schokoladig und zartbitter. Auf dem Schild in seiner Küche steht „Never stand between me and my coffee“, was so viel heißt: „Stelle dich nie zwischen mich und meinen Kaffee“. „Die Crema ist besonders wichtig“, sagt Blocher. Der Zucker, den man auf seinen Kaffee streut, bleibt für wenige Sekunden auf der Crema liegen. Ein gutes Zeichen. Blocher selbst sagt: „Ich erkenne beim ersten Tropfen, der aus der Maschine kommt, ob der Kaffee schmeckt oder nicht.“

Schwarzmahler-Kaffee kann man nur im Internet bestellen

Kaufen kann man die schwarzen Bohnen im Internet. Blocher hat nur Lagerräume in Stuttgart. Aber keinen Laden, in dem er selbst hinter der Theke Kaffee brüht und sein Anliegen weiterträgt. Es geht ihm ums Produkt und dessen Wertschätzung. Darum, dass jeder vom Kaffeebauer in Südamerika bis zum Röster in Hamburg ordentlich bezahlt wird. „Ich möchte aber nicht als Samariter dastehen“, sagt Blocher.

Blocher verschickt seinen Kaffee an Kunden quer durch die Republik. Rund 200 Kilo kommen da zusammen, die er in alten Schuhkartons verpackt. Alles im Sinne der Nachhaltigkeit. Günstig ist sein Kaffee nicht: Ein Kilo kostet zwischen 22 und 23 Euro. Doch ­Blocher relativiert: „Ein gutes Produkt hat seinen Preis.“ Und er gerät in Rage, wenn er darüber nachdenkt, wie viel Geld die ­Menschen für Kaffee-Kapseln ausgeben.

Blocher macht mit Schwarzmahler nur das, auf was er Lust hat. „Ich entscheide selbst, welche Gastronomen meinen Kaffee bekommen“, sagt Blocher. Er selbst ist seit 18 Jahren Vegetarier, spielt in einer Hardcore-Punk-Band. Das ist Musik, in der es oft um mehr als nur Musik geht. Es geht um eine Haltung im Leben. Diese Haltung hat ­Blocher auf seinen Kaffee übertragen.

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