Probleme im Auto-Geschäft lassen den Mercedes-Chef über das Rüstungs-Business nachdenken. Das kann sinnvoll sein, kommentiert Christian Gottschalk.
Es war einmal ein Mann, der hatte eine Vision. Aus einem der größten deutschen Automobilkonzerne sollte ein gigantischer Gemischtwarenladen werden. Weil das despektierlich klingt, hieß es bei Daimler damals offiziell „integrierter Technologiekonzern“. Der sollte auch im Bereich der Rüstungsproduktion Spitze sein.
Reuters Ideen werden für Mercedes wieder aktuell
Der Mann hieß Edzard Reuter, und scheiterte ziemlich umfassend mit diesem Plan, vor allem in dem Bereich der Satelliten, Kampfflieger und Militärkommunikation. Sein direkter Nachfolger Jürgen Schrempp wollte Aktionäre Erfolgen im Kerngeschäft beglücken.
Drei Dekaden nach seinem Abgang von der Konzernspitze hapert es dort aber – und Reuters Ideen werden wieder aktuell. Ola Källenius, sein aktueller Nachfolger, denkt zumindest darüber nach, erneut ins Rüstungsgeschäft einzusteigen.
Autogeschäft von Mercedes lahmt – Hilft Rüstung aus der Krise?
Den Mercedes-Chef bringt das immer schwächer werdende Auto-Business auf diese Gedanken. Das war bei Reuter nicht viel anders. Also: alles schon mal dagewesen? Das trifft es nicht ganz. Zu Reuters Zeiten war Rüstung eher ein Geschäft mit negativem Image – der kalte Krieg schien überwunden. Das hat sich radikal geändert.
Europa und insbesondere Deutschland müssen sich selbst verteidigen können und aus amerikanischer Abhängigkeit befreien, fordert heute die Politik. Das ist ein legitimer Anspruch. Die aktive Mitarbeit eines großen Konzerns wie Mercedes kann dabei beiden Seiten nützen. Allerdings sind die Interessen nicht immer deckungsgleich.