Die Parkplätze auf dem Kaelble-Areal in Backnang sind langfristig vermietet, das könnte die schnelle Bebauung torpedieren. Foto: Stadt Backnang

Der Riva-Chef Püttmer plant(e) auf dem Backnanger Kaelble-Areal ein Parkhochhaus, ein Museum, ein Hotel, eine Hochschule und Wohnungen. Nun hat er eine makabere Todesanzeige geschaltet. Der Abschied vom Projekt?

Backnang - Tod einer Vision“ – diese Überschrift trägt eine Traueranzeige, die jüngst von der Backnanger Firma Riva in der Lokalzeitung geschaltet worden ist. Es geht um ein (Lokal)Politikum: die Bebauung des Kaelble-Areals, eines rund sechs Hektar großen Geländes in der Innenstadt, das Riva gehört. Die Stadt und der Investor kabbeln sich seit mehr als einem Jahr, jetzt eskaliert der Streit – mal wieder.

In der Anzeige wird von „einer stadtplanerischen Vision mit Wahrzeichen, Kunsthalle, Wohnungen und Piazza-Atmosphäre“ gesprochen, „erdacht, um Backnang zu bereichern“. Doch nun werde das ambitionierte Projekt „gehüllt in ein Leichentuch aus Rathauspapier“. Püttmer wollte (oder will er noch immer?) unter anderem ein Parkhochhaus, ein Museum, eine Mehrzweckhalle mit 1000 Zuschauerplätzen, eine Hochschule, Büros, ein Hotel und viele Wohnungen – angeblich rund 300 – bauen lassen. Der deutsch-amerikanische Stararchitekt Helmut Jahn hat das neue Stadtquartier entworfen (wir berichteten).

Riva will keine Stellung beziehen

Viele Backnanger sagen, die Anzeige, die vom Lokalblatt direkt neben den „echten“ Traueranzeigen platziert worden ist, sei makaber. Und die Kommunalpolitiker spekulieren, ob sich der Riva-Firmenchef mit der Anzeige nun von dem Projekt verabschiedet hat. Ein Riva-Sprecher hat jetzt auf Anfrage unserer Zeitung wenig zur Aufklärung des Sachverhalts beigetragen, er sagt, dass „uns zum jetzigen Zeitpunkt eine Stellungnahme nicht möglich ist“.

Zu der Traueranzeige gehört eine Illustration, die imposante Gebäude zeigt, unter anderem ein Hochhaus mit spiegelnder Fassade, ein Riesenrad und Grünflächen. Manch ein Betrachter könnte auf die Idee kommen, dieses Stadtquartier sei für eine Metropole geplant worden, womöglich für Frankfurt oder für London.

Stefan Setzer, der Baudezernent der Stadt Backnang, sagt sinngemäß: Püttmer zäume das Pferd von hinten auf. Bis dato sei kaum etwas geklärt. Die Stadt habe lediglich „ein schönes Bild, aber keine umsetzbaren Pläne“ bekommen. Eine wichtige Frage sei zum Beispiel diese: Sind die Firmen, die zurzeit rund 800 ebenerdige Stellplätze auf dem Gelände preiswert angemietet hätten, überhaupt bereit deutlich mehr Geld für die neuen Plätze im geplanten Parkhochhaus zu bezahlen und so das Baufeld freizugeben? Püttmer hat der „Backnanger Kreiszeitung“ kürzlich gesagt, die Firmen – etwa Tesat – bezahlten zurzeit 12,50 Euro je Monat und Mitarbeiterstellplatz, künftig würden 30, maximal 40 Euro fällig. Laut Setzer laufen die Mietverträge für die derzeitigen Parkplätze bis 2020, die Backnanger Firmen hätten die Option, noch mal fünf Jahre dranzuhängen.

Realisierung des Projekts könnte 430 Millionen Euro kosten

Eine Tesat-Sprecherin erklärt zu den angemieteten Stellplätzen: „Einer Kostenerhöhung um das Drei- bis Vierfache stehen wir kritisch gegenüber.“ Ferner plane Püttmer das Riesenrad und einige der Wohnhäuser auf einem Areal, das Tesat gehöre. Püttmer, beziehungsweise die Firma Riva, hätten sich bis dato nicht gemeldet und nachgefragt, ob dieses Grundstück überhaupt zur Verfügung steht, sprich, verkauft werden könnte.

Setzer sagt, der Architekt Jahn habe bei einer Stippvisite in Backnang wissen lassen, dass der Bau aller geplanten Projekte auf dem Kaelble-Areal grob geschätzt 500 Millionen Dollar (rund 430 Millionen Euro) kosten dürfte. Diese Summe, sagt der Baudezernent, „hört Herr Püttmer aber nicht so gerne“. Warum? Womöglich weil selbst die finanzkräftige Firma Riva ein derart kostspieliges Projekt nicht stemmen könnte? Antworten auf diese und alle anderen Fragen gibt es zurzeit nicht.

Der Firmensprecher erklärt sinngemäß lediglich: Er habe leider keine Neuigkeiten zu vermelden und beantwortet auch nicht die Frage, weshalb die Anzeige kürzlich geschaltet worden ist, obgleich – so Setzer – seit längerem ein Gesprächstermin vereinbart worden sei. Am Donnerstag, 12. Juli, träfen sich Vertreter der Firma Riva, der Stadt Backnang und des Landratsamts. Bei dieser Zusammenkunft sollen unter anderem Fragen zu den Altlasten im Boden und zum Hochwasserschutz auf dem Areal an der Murr erörtert werden. Setzer und auch viele Stadträte würden nach der Klärung aller offenen Fragen gerne einen städtebaulichen Wettbewerb für das Kaelble-Areal ausschreiben. Sollte Püttmer aber darauf beharren, dass seine Pläne eins zu eins umgesetzt werden, dann bekomme er vermutlich kein Okay, so der Baudezernent.

Was also passiert, wenn sich die Stadt und Hermann Püttmer nicht einigen können? Der streitbare Firmenchef hat diese Frage im Interview mit der Lokalzeitung beantwortet: „Dann werde ich dort Winterweizen anpflanzen. Oder Mais. Das können die Stadträte dann entscheiden.“

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: