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Trockenheit, ein milder Winter und die bereits warmen Temperaturen sind ideale Startbedingungen für frühe Schwarmflüge von Borkenkäfern. Das Forstministerium ruft deshalb die Waldbesitzer zu erhöhter Wachsamkeit und mehr Kontrollen in den Fichtenwäldern auf.

Freiburg/Stuttgart - Die Warnung ist schon rausgegangen: Das Forstministerium hat alle Waldbesitzer zu verstärkter Wachsamkeit und mehr Kontrolle aufgerufen, denn es drohe in diesem Jahr eine Borkenkäferplage. Sobald die Temperaturen tagsüber mindestens 16 Grad erreichen und sich der Boden erwärmt, werden Jungkäfer ausschwärmen und Brutbäume suchen. Betroffen sind vor allem Fichten, die bereits vorgeschädigt oder krank sind. Auf 34 Prozent der Waldflächen im Südwesten stehen diese Nadelbäume.

Ein Befall von Fichtenwäldern lasse sich bei intensiver Überwachung bereits früh erkennen – durch Bohrmehl am Boden. Dieses entstehe, wenn sich die Käfer durch die Rinde bohrten, erklärt Thomas Deines, der Sprecher der staatlichen Forstverwaltung Forst BW. Befallene Bäume müssten rasch gefällt und aus dem Wald geholt werden. Die im Augenblick hohe Gefahr ist eine Folge der großen Trockenheit und der Hitze im vergangenen Sommer. Sie haben zu einer rasanten Vermehrung des Borkenkäfers mit bis zu drei Generationen geführt.

Der Nachwuchs des sogenannten Buchdruckers (Ips typographus), der die Fichten befällt, konnte sich dank der milden Temperaturen bis in den Dezember hinein weiterentwickeln, und zwar bis zum Stadium des Jungkäfers. Die Käfer sind im Winter überlebensfähiger als Puppen oder Larven. In diesem milden Winter hat es laut einer Untersuchung der Forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt (FVA) Baden-Württemberg nahezu keine Verluste gegeben. In Brutbäumen habe man bei Stichproben Mitte Februar nahezu nur „vitale Jungkäfer“ gefunden.

Besonders stark vom trocken-heißen Sommer hat laut der FVA ein weiterer, häufig unterschätzter Fichtenschädling profitiert. Der Kupferstecher, eine andere Borkenkäferart, habe sich ebenfalls massenhaft vermehrt. Die Meldungen über Schadflächen im öffentlichen Wald hätten sich gegenüber dem Vorjahr verzehnfacht.

Erhöhte Wachsamkeit wird Waldbesitzern in den Landkreisen Karlsruhe, Rhein-Neckar-Kreis und Emmendingen empfohlen. Dort haben Trockenheit und Dürre die Fichten enorm geschwächt. Ideale Brutstätten in geschädigten Fichten und Sturmholz finden die Borkenkäfer zudem in den Regionen Südschwarzwald und Oberschwaben. In Oberschwaben hatte Ende März des vergangenen Jahres der Sturm Niklas große Schäden angerichtet. Eine Schneise der Verwüstung zog Mitte Mai dann ein Tornado im Hochschwarzwald. In diesen Regionen sollte das Sturmholz rasch aus den Wäldern geholt werden, rät die FVA in Freiburg.

Die intensive Überwachung in den Fichtenwäldern werde in den nächsten Wochen die Hauptaufgabe der Revierförster sein. Die Lage sei so angespannt, dass das Land sogar Waldarbeiter der Landratsämter zur Käferkontrolle einsetzen wolle. Die Kosten für den Einsatz im Staatsdienst würden erstattet. Das sei jetzt per Erlass geregelt worden. „Wir sind vorbereitet“, sagt der Sprecher des Staatsforstes.

Das betreffe auch die zügige Verarbeitung des Käferholzes. Es gebe entsprechende Verträge mit Forstarbeitern und Sägewerken, dieses Holz vorrangig zu verarbeiten, das gesunde Stammholz dagegen könne bei Bedarf gelagert werden. Die Staatsförster stehen besonders unter Druck, denn die staatlichen Wälder sind inzwischen nach einem internationalen Standard, dem FSC-Siegel (Forest Stewardship Council), für eine nachhaltige Bewirtschaftung zertifiziert. Damit darf im Staatsforst auch kein Insektizid mehr gegen den Borkenkäfer eingesetzt werden.

Auch die Privatwaldbesitzer seien zu mehr Kontrolle und raschem Handeln aufgefordert, sagt Thomas Deines und verweist auf das Motto „Eigentum verpflichtet“. Sowohl die FVA als auch die Forst BW informieren die Privatwaldbesitzer über die drohende Borkenkäfergefahr und geben Hinweise zur Vorbeugung und Bekämpfung. Sollten Kleinwaldbesitzer trotz der Aufforderung untätig bleiben und somit den Fichtenschädlingen eine ungestörte Ausbreitung ermöglichen, droht eine sogenannte Ersatzvornahme. „Wir schlagen dann die Bäume ein und lassen diese verarbeiten – auf Kosten des Eigentümers“, sagt Thomas Deines.

Ob es im Südwesten tatsächlich zu einer Borkenkäferplage komme, hängt auch vom Wetter ab. Sollten die kommenden Monate nass und kühl werden, verringere sich die Gefahr, sagt der Forstsprecher. Es gebe daher in seiner Behörde keine Katastrophenstimmung, aber „eine angespannte Situation, die viel Kontrolle und rasches Handeln“ erfordere.


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