Am 15. Januar geht für die deutschen Handballer die EM mit der Partie gegen Österreich los. Wir zeigen die Alternativen auf den einzelnen Positionen und geben eine Einschätzung ab.
2016 gewann die Auswahl des Deutschen Handballbundes (DHB) die Europameisterschaft in Polen. Ist zehn Jahre später wieder der EM-Titel drin? Wir beleuchten vor dem Start gegen Österreich an diesem Donnerstag (20.30 Uhr/ARD) den Kader von Bundestrainer Alfred Gislason.
TorAndreas Wolff (34 Jahre/187 Länderspiele/16 Tore) ist der größte Star im deutschen Team und die klare Nummer eins zwischen den Pfosten. In der Bundesliga-Hinrunde präsentierte er sich beim THW Kiel in absoluter EM-Form, nur Magdeburgs Sergey Hernandez weist eine bessere Fangquote auf. Als tadellos-loyaler Teamplayer hält David Späth (23 Jahre/46 Länderspiele/drei Tore) Wolff den Rücken frei. Mit seiner extrovertiert-emotionalen Art kann der Mann von den Rhein-Neckar Löwen das Team mitreißen. Zudem ist er eine Waffe bei Strafwürfen: Was die absoluten Paraden betrifft, ist er Siebenmeter-Killer Nummer eins in der Liga.
Einschätzung: Gemeinsam mit einer stabilen Abwehr hat das Gespann das Zeug dazu, zum größten Trumpf des DHB-Teams zu werden.
Linksaußen Der Stern von Lukas Mertens (29 Jahre/70 Länderspiele/158 Tore) ging bei der EM 2022 auf, seitdem ist er gesetzt. Der Mann vom SC Magdeburg – Spitzname Speedy – besticht durch Tempo beim Gegenstoß und Zuverlässigkeit beim Abschluss. Um Rune Dahmke (32 Jahre/96 Länderspiele/137 Tore) gab es vor der EM die meisten Diskussionen. Rein von der Angriffsleistung her, hätte Tim Freihöfer (Füchse Berlin) die Nominierung verdient gehabt. Doch Gislason sieht in Dahmke, der in den Tests gegen Kroatien nicht zum Einsatz kam, den besseren Abwehrspieler und hält den Europameister von 2016 vor allem fürs Mannschaftsgefüge für enorm wichtig.
Einschätzung: Deutschland ist auf Linksaußen traditionell gut besetzt. Werden die Erwartungen auf dieser Position diesmal nicht erfüllt, würde sich der Bundestrainer angreifbar machen.
Rückraum links Julian Köster (25 Jahre/75 Länderspiele/198 Tore) ist die Nummer eins auf der Königsposition, spielte gegen Kroatien aber häufig auf der Mitte. Der Rechtshänder vom VfL Gummersbach besticht durch viel Tempo in der zweiten Welle und bringt enorme Shooter-Qualitäten mit. Durch die Nominierung der Abwehrspezialisten Matthes Langhoff (Füchse Berlin/23 Jahre/3 Länderspiel/2 Tor) und Tom Kiesler (VfL Gummersbach/24 Jahre/4 Länderspiele/0 Tore) ist Köster hinten nicht mehr ganz so gefordert wie früher und hat dadurch mehr Körner für vorne. Mit Marko Grgic (22 Jahre/31 Länderspiele/91 Tore), der den Sprung vom ThSV Eisenach zur SG Flensburg-Handewitt beeindruckend gemeistert hat, und dem Gummersbacher Miro Schluroff (25 Jahre/8 Länderspiele/20 Tore) hat Gislason Spieler, die noch viel Potenzial haben, aber schon auf einem sehr hohem Level agieren. Speziell Schluroff kann sehr gut auf Halbrechts aushelfen.
Einschätzung: Das DHB-Team ist top besetzt und wird davon profitieren, dass sich Köster stärker auf den Angriff konzentrieren kann.
Mitte Juri Knorr (25 Jahre/83 Länderspiele/319 Tore) wurde bei der WM 2023, bei der EM 2024 und bei Olympia 2024 jeweils ins All-Star-Team gewählt. Auch bei dieser EM dürfte er Dreh- und Angelpunkt im deutschen Angriff sein. Durch seinen Wechsel zum dänischen Topclub Aalborg Handbold ist Knorr weiter gereift, bringt einen Tick mehr Lockerheit mit – und hat auch an Abwehrqualität zugelegt. Zudem steht er längst mehr so sehr im Fokus – als der alleinige Heilsbringer des deutschen Handballs. Kein Nachteil: Mit Nils Lichtlein (Füchse Berlin/23 Jahre/31 Länderspiele/35 Tore) ist der zweite Mann auf der Spielmacherposition ein völlig anderer Spielertyp als Knorr.
Einschätzung: Vieles steht und fällt mit der Konstanz von Knorr. Ist er weiter verlässlich auf Top-Niveau unterwegs, bleibt er mit die wichtigste Waffe des DHB-Teams.
Rückraum rechts Renars Uscins (22 Jahre, 45 Länderspiele, 182 Tore, TSV Hannover-Burgdorf) überragte bei der EM 2024 und wurde bei den Olympischen Spielen 2024 im Viertelfinale gegen Frankreich zum Helden und ins All-Star-Team gewählt. 2025 konnte er an den Höhenflug nicht anknüpfen, eine Phase, die nach einem Riesenlauf für einen jungen Kerl nicht ungewöhnlich ist. Zweiter Mann ist Franz Semper (28 Jahre/30 Länderspiele/61 Tore), der mit dem SC DHfK Leipzig im Abstiegskampf steckt und keine gute Hinrunde spielte. Seine Torquote lag bei bescheidenen 53,85 Prozent.
Einschätzung: Es ist die Position, auf der es am meisten klemmt, wobei Uscins aufsteigende Tendenz zeigt. Rechtshänder Schluroff oder Lichtlein könnten aushelfen.
Rechtsaußen Lukas Zerbe (28 Jahre/47 Länderspiele/105 Tore) geht als Nummer eins ins Turnier. Der Mann vom THW Kiel machte auch in den Tests gegen die Kroaten seinem Ruf als Mister Zuverlässig alle Ehre – nicht zuletzt vom Siebenmeterstrich. Mathis Häseler (23 Jahre/6 Länderspiele/12 Tore) vom VfL Gummersbach, einer der sechs U-21-Weltmeister von 2023 im Kader, besticht durch seine Athletik und machte das Rennen vor etablierten Linkshändern wie Timo Kastening.
Einschätzung: Auf dieser Position gibt es keine Probleme.
Kreis Auf Kapitän Johannes Golla (SG Flensburg-Handewitt/28 Jahre/108 Länderspiele/377 Tore) lastet vorne und hinten weiterhin Verantwortung, doch die Alternativen sind – vor allem in der Deckung – weitaus größer als früher. Jannik Kohlbacher (Rhein-Neckar Löwen/30 Jahre/127 Länderspiele/239 Tore) steht für den Angriff parat, Justus Fischer (22 Jahre/34 Länderspiele/42 Tore) fehlte der TSV Hannover-Burgdorf im Jahresendspurt wegen einer Oberschenkelverletzung, zeigte aber bei der Generalprobe, dass er wieder fit ist.
Einschätzung: Auf dieser Position ist bei der deutschen Mannschaft absolute internationale Klasse vorhanden.