Pups-Bücher und Toilettenwitze kommen bei Kindern sehr gut an. Doch es ist eine Phase, die wieder aufhört. Tut sie doch, oder?
Eigentlich spucken Drachen Feuer, klar. Es sei denn, sie haben ein kleines Problem – und ppptt – genau, pupsen stattdessen gewaltig. Knatterdrache Furzipups jedenfalls kann nicht anders – und die Kinder, welche die Bücher in die Hände bekommen, können auch nicht anders, als wieder und wieder den Button auf dem Buchdeckel drücken, der, hihihihi, so wunderschöne Furz-Geräusche von sich gibt.
Autor Kai Lüftner kann sich den Erfolg seiner Furzipups-Bücher selbst nicht so recht erklären. „Eigentlich wollte ich die Kinder einfach nur da abholen, wo sie ihren Humor haben“, sagt er. Und gegen Ende der Kindergarten- und Anfang der Grundschulzeit ist das nun mal der Fäkalbereich. Da braucht man bloß Pipi oder Popo zu sagen und schon wälzen sich Kinder eine halbe Stunde lachend auf dem Boden. Aber warum eigentlich?
Regeln brechen
„Dieser Toilettenhumor ist typisch für die humorvolle Entwicklung von Vorschulkindern, weil er soziale Regeln bricht und Grenzen austestet“, sagt Mirella Manfredi, die als Entwicklungspsychologin an der Universität Zürich arbeitet. In diesem Alter haben Kinder bereits gemerkt, dass es Tabuwörter gibt, die man eigentlich nicht lauthals durch den Bus brüllt. Was aber passiert, wenn man es doch mal ausprobiert?
Kai Lüftner hat selbst zwei Kinder. Beides Söhne. Auch die bringt er gern mal mit Pups-Geräuschen zum Lachen. Und vielleicht ist es deshalb doch kein Zufall, dass ausgerechnet Furzipups so erfolgreich wurde und er in den Folge-Büchern inzwischen auch noch Freunde wie Hicks-Huhn und Rülps-Rüssel gefunden hat. Denn Jungs scheinen für Fäkalhumor nochmals zugänglicher zu sein als Mädchen. Das bestätigt auch Mirella Manfredi.
Jungs witzeln, Mädchen lachen
„Ab dem Ende des Vorschulalters beginnen sich Unterschiede im Humor von Jungen und Mädchen abzuzeichnen. Mehrere Studien haben gezeigt, dass Jungs selbst mehr Witze, alberne Reime, Späße, Toilettenhumor und Possen machen, während Mädchen häufiger lachen“, sagt Mirella Manfredi.
Woran das liegt, darüber kann die Psychologin nur mutmaßen. „Der soziale Kontext, insbesondere die Geschlechterstereotypen, scheinen die Entwicklung des Humors auf jeden Fall zu beeinflussen.“ Eines dieser Klischees ist: Männer sind witziger als Frauen. Und weil Jungs mit diesem Klischee aufwachsen, probieren sie sich auch eher selbst im Witze-Machen aus. Und wenn das Kindergarten-Publikum auf Pups-Kacka-Popo steht, dann wird es eben auch damit bedient.
Die gute Nachricht für alle genervten Eltern: Auch der Fäkalhumor ist nur eine Phase, die sich mit zunehmenden kognitiven Fähigkeiten auswächst. „Im Alter von etwa sieben Jahren sind Kinder zum Beispiel in der Lage, die verschiedenen Formen von Mehrdeutigkeit in der Sprache zu erkennen, und beginnen, doppelt gemeinte Wörter zu verstehen und dann darüber zu lachen“, sagt Mirella Manfredi. Ab diesem Alter werden dann Witze erzählt wie: „Was ist ein Keks unter einem Baum? Ein schattiges Plätzchen!“ Da fällt es dann auch den Eltern wieder leichter, mitzulachen.
Toilettenhumor ist unvermeidlich
Bis es aber so weit ist, kommen sie an Büchern wie „Knatterdrache Furzipups“, „Räuber Donnerpups“, „König Pups“ oder „Mein Kacka, dein Kacka“ wohl nicht vorbei. „Der Toilettenhumor ist Teil der gesunden kognitiven Entwicklung des Kindes und deshalb sollten Eltern ihn auch nicht tadeln oder stark unterdrücken“, sagt Mirella Manfredi. Lesen Eltern mit den Kindern zusammen solche Bücher und lachen gemeinsam darüber, würden sie auch eine wichtige emotionale Verbindung herstellen.
Nach dem Vorlesen aber kommt auf die Eltern eine heikle Aufgabe zu. Das erfordert Fingerspitzengefühl: Denn was im Buch eben noch witzig war, hat am Familienesstisch nichts zu suchen. „Eltern sind dafür verantwortlich, ihren Kindern gewisse soziale Normen beizubringen. Dazu gehört auch festzulegen, wann man über solche Themen spricht und wann eben nicht“, sagt Mirella Manfredi. Nur so kann dem Kind dann mal in einem unpassenden Moment ein Fäkalwort herausrutschen. Und das ist ja dann erst so richtig witzig. Hihihihi.