Das Intercontinental-Hotel in Kabul nach dem Anschlag im Juni 2011 (Archivbild) Foto: dpa

Der zweite schwere Angriff in Kabul gleich zu Jahresanfang trifft ein großes Hotel. Spezialkräfte kämpfen mit mehreren Angreifern. Gleichzeitig versuchen sie, Gäste zu retten.

Kabul - Vier bewaffnete Männer haben ein großes Hotel in der afghanischen Hauptstadt Kabul angegriffen und sich in dem Gebäude Schießereien mit Spezialeinheiten geliefert. Ein Sprecher des Innenministeriums, Nasrat Rahimi, sagte am späten Samstagabend (Ortszeit), die Männer seien um kurz nach 21.00 Uhr (Ortszeit) in das Hotel eingedrungen. Aus dem Gebäude waren Schüsse zu hören. Ein Angreifer wurde nach Angaben des Innenministeriums getötet. Zu möglichen Opfern unter den Hotelgästen und dem Personal gab es zunächst keine Angaben.

Ein anderer Innenministeriumssprecher, Nadschib Danisch, sagte: „Ein Terrorangriff auf das Hotel Intercontinental ist im Gang, Sicherheitskräfte haben die Gegend abgesperrt.“ Mehrere Gäste seien in Sicherheit gebracht worden. Sicherheitskräfte hätten die unteren Stockwerke gesichert und seien dabei, die oberen nach den Angreifern zu durchsuchen. Der Sender Tolo TV hatte unter Berufung auf Polizeiquellen gemeldet, die Angreifer hätten einige Menschen getötet und andere als Geiseln genommen.

Das Haus war auch bei internationalen Gästen sehr beliebt

Offensichtlich seien die Angreifer von der Rückseite aus durch die Küche in das Hotel eingedrungen, sagte Danisch. Es sei zu der Zeit keine Veranstaltung im Gang gewesen. Es seien Gäste im Hotel gewesen, aber wieviele und ob unter ihnen Ausländer seien, könne er noch nicht sagen.

Vor der Verschlechterung der Sicherheitslage in Afghanistan war das Haus auch bei internationalen Gästen sehr beliebt. Ihre Zahl hat aber abgenommen. Der Sender 1TV meldete, im Hotel habe an dem Tag eine Konferenz afghanischer Computerexperten stattgefunden. Rund hundert Menschen hätten teilgenommen, offensichtlich auch Regierungsbeamte.

Das Innenministerium erklärte, die Angreifer hätten in der Küche Feuer gelegt und sich im vierten und fünften Stückwerk verschanzt. Zunächst habe man nur Schusswechsel, aber nicht die Detonation von Sprengstoffwesten gehört. Der Sender Tolo TV zitierte allerdings Anwohner, die sagten, sie hätten zwei Explosionen gehört.

Die Sicherheitslage in der afghanischen Hauptstadt hat sich stark verschlechtert

Das Hotel, das schwer bewacht auf einem bewaldeten Hügel an einer großen Straße liegt, war bereits 2011 einmal Ziel eines Angriffs. Die radikalislamischen Taliban hatten damals neun Attentäter losgeschickt, die es schafften, mehrere Sicherheitsposten zu überwinden. Sie rannten die Hotelflure auf und ab und schossen in Zimmer. Etwa ein Dutzend Gäste, Hotelangestellte und Sicherheitskräfte wurden getötet. Die neun Angreifer konnten erst nach mehreren Stunden unschädlich gemacht werden.

Die Sicherheitslage in der afghanischen Hauptstadt hat sich seit Ende der Nato-Kampfmission im Dezember 2014 stark verschlechtert. 2017 gab es dort mehr als 20 schwere Anschläge der Taliban und der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) mit insgesamt mehr als 500 Toten. Bei dem ersten Anschlag im neuen Jahr auf einen Sicherheitsposten in einem Wohn- und Geschäftsviertel waren Anfang Januar mindestens 20 Menschen getötet und 30 verletzt worden.

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