Thomas Weber (links) und James Geier singen am Lagerfeuer. Foto: Horst Rudel

Am Donnerstag feiert auf der Theaterwiese vor dem Kabirinett am Spiegelberger Waldrand ein neues Stück Premiere – rund um ein Lagerfeuer, mit neuen Erkenntnissen, alten Bekannten, Gitarre und Gesang.

Spiegelberg - Was ist schon normal?“ Wenn Thomas Weber über die Durchschnittsfrau oder den Durchschnittsmann philosophiert, wird nichts ausgespart. Von Alter und Gewicht über Auto-PS bis zur Anzahl der an einem Tag gesprochenen Worte – bis zu 23 000 bei Frauen, 4000 bis 12 000 bei Männern – reichen die Erkenntnisse, die der Theatermime für sein neues Stück beim Statistischen Landesamt recherchiert hat. Die durchschnittliche Dauer eines durchschnittlichen Geschlechtsakts? „Vier Minuten – eventuelle Standing Ovations und Applaus nicht einberechnet.“

James Geier greift in die Schokoladensaiten

Doch nicht immer geht es bei dem Open-Air-Stück, das auf der hochgradig idyllisch gelegenen Wiese am Ortsrand von Spiegelberg-Großhöchberg aufgeführt wird, so lehrreich zu. Denn Weber hat sich vor allem eines vorgenommen: gemütlich Feierabend zu machen – beziehungsweise „Fireabend“, wie er das Stück genannt hat, weil es rund um ein Lagerfeuer aufgeführt wird. Dort sitzt und sinniert er und wird dabei von James Geier begleitet. Der Stuttgarter Musiker ist viele Jahre Teil des Comedy-Trios „Backblech“ gewesen, jetzt spielt er in verschiedenen Bands. Bei Thomas Weber, den er bei einem Gastauftritt zusammen mit Cherry Gehring in dessen kleinem aber feinem Theater Kabirinett kennengelernt hat, greift er nun diesen Sommer in die „Schokoladensaiten“ seiner Gitarre. Und singt Songs, die das Volk schon von anderen Lagerfeuern kennen dürfte: „Countryroad“ oder „Knockin’ on heavens door“, von dem Weber einst geglaubt hat, dass es „Nackig on heavens door“ heiße. Nicht immer hält sich das Duo an den Originaltext, aus „Volare“ etwa wird in Zusammenfassung der Erkenntnisse über die Durchschnittsbürger „Normale, allerernste Sahne“. Mitsingen ist immer und ausdrücklich erwünscht.

Natürlich tauchen im Verlaufe des Abends auf der Theaterwiese, der inklusive Bewirtung auf mindestens zwei Stunden angesetzt ist, alte Bekannte auf, die erfahrene Kabirinett-Gäste schon in anderen Zusammenhängen aus früheren Stücken kennen: Fräulein Brigitte, mit schwäbischer Betonung auf der ersten Silbe, zum Beispiel. Sie hat – unter anderem über die Frauenzeitschrift Brigitte – herausgefunden, dass sie wohl schon seit Jahren unter einer Nahrungsmittelunverträglichkeit leidet. Nachdem auch der Umstieg auf Kräuter- statt Schwarztee am Morgen nicht das erhoffte Wohlbefinden gebracht hat, trinkt sie zum Frühstück nun eben einen Liter Bier. „Und das verträgt sie sehr gut“, erzählt Weber, „nur an der Sozialverträglichkeit muss sie noch ein bisschen arbeiten.“

Schleichers-Otto hat Hundehalter-Tourette

Natürlich seien Nachbarn wie Fräulein Brigitte oder der Schleichers-Otto, der seit neuestem Symptome von Hundehalter-Tourette zeigt, die pure, völlig aus der Luft gegriffene Fiktion, betont Weber: „Ähnlichkeiten mit real existierenden Personen sind rein zufällig und nicht beabsichtigt.“ Dennoch haben die Charaktere ein in Webers Stücken immer wieder fortgeschriebenes Eigenleben entwickelt.

Insgesamt hat der Schauspieler und Theatermacher, der das Kabirinett bereits im 17. Jahr bespielt, für seinen Lagerfeuer-Plot 40 DIN-A-4-Seiten verfasst. „Durchaus pointiert durchgeschrieben und zum Auswendiglernen“, wie er betont. Aber sklavisch dran halten wird er sich wahrscheinlich nicht. Ein Stück entwickle sich von Vorstellung zu Vorstellung, zumal das Publikum ganz bewusst immer wieder mit in die Aufführung eingebunden wird, erklärt Thomas Weber.

„Ich rate meinen Gästen immer: Schaut euch die Premiere an und dann kommt nach zehn, zwölf Aufführungen wieder“, sagt Weber. „Dann ist es meist ein ganz neues Stück.“ Die Premiere ist am kommenden Donnerstag.

Ein kleines, aber feines Theater

Kabirinett
Die „Probierbühne“ in Spiegelberg-Großhöchberg, Kleinhöchberger Weg 1, ist im Jahr 2000 eröffnet worden. Ein Jahr später folgte der Umzug ins eigens erbaute Theaterhaus. Thomas Weber, 1974 in Stuttgart geboren und in Asperg aufgewachsen, absolviert nach eigenen Angaben jährlich rund 120 Auftritte im eigenen sowie in fremden Häusern.

Fireabend
Das neue Open-Air-Stück feiert am Donnerstag, 13. Juli, Premiere und ist dann immer freitags und samstags bis einschließlich 19. August zu sehen, Beginn ist jeweils um 20 Uhr. Der Eintrittspreis von 32 Euro, ermäßigt 24, umfasst eine Mahlzeit vom Lagerfeuer und ein Getränk. Telefonische Auskünfte und Kartenvorbestellung unter 0 71 94/91 11 40 oder auf der Homepage des Kabirinett.

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