Mathias Richling Foto: Renitenztheater

„Mathias Richling – Richling und 2084“ heißt das neue Programm des Kabarettisten, der vom 10. bis 17. November im Renitenztheater auftritt. Ein Interview.

Als erstklassiger Parodist ist Mathias Richling seit Ende der achtziger Jahre eine feste Größe in der deutschen Kabarettszene. Mit glänzenden Parodien kritisiert er das Zeitgeschehen. Richling verbindet Wissen, Komik und Kritik auch in seinem neuen Programm „Mathias Richling – Richling und 2084“. Vom 10. bis 17. November tritt er damit im Renitenztheater auf.

Herr Richling, mit 2084 spielen Sie auf George Orwells Anti-Utopie „1984“ an. Der Roman stand 2017 in den USA auf der Bestsellerliste . . .

Wir erinnern uns an Orwells „1984“ und erkennen, dass er unserer Zeit mit seiner Prognose vom super-kontrollierenden Staat weit hinterherhinkt. Das Programm, das wie immer Günter Verdin inszeniert hat, ist keine direkte Vorschau auf 2084, aber eine Anregung weiterzudenken, wie es sein könnte, wenn wir so weitermachen.

Welche Themen aus „1984“ greifen Sie auf? Televisoren? Hasswoche? Die Feindbilder schürende Politik zur Ablenkung von den wahren Problemen?

Orwells Roman ist Pflichtlektüre für jeden politisch interessierten Menschen. Für den Kabarettisten ist es eine dankbare Aufgabe, „1984“ im Jetzt zu spiegeln und im Zerrbild schon 2084 zu erahnen. Alle Themen, die Sie ansprechen, kommen vor, etwa die Eigenprostitution in den medialen Netzwerken. Dazu Fiktionales wie die Regierungserklärung einer ewigen Kanzlerin im Jahr 2084.

Freut Sie als Kabarettist, dass unsere Gesellschaft Ihnen so viel Stoff bietet?

Ich müsste Masochist sein, um mich darüber zu freuen. Von den politischen Entwicklungen sind wir ja alle betroffen. Im Moment erschreckt mich, dass wir eine völlige Verkennung politischer Verantwortlichkeit haben. Leute wie Helmut Schmidt oder Winfried Kretschmann hatten und haben ein Selbstverständnis, dass sie die ersten Diener des Staates sind. Wir haben nun das Gefühl: Wir als Volk sind die Diener, wir haben falsch gewählt und müssen zu Kreuze kriechen, weil die Volksparteien es nicht schaffen, mit dem Wählerauftrag etwas anzufangen. Dabei ist das Volk der Souverän!

Auf welche Parodien darf man sich diesmal freuen?

„Freuen“ Sie sich auf ein politisches Halloween mit Wahnsinnsgestalten wie Trump, Putin und Erdogan, und als Erholung zwischendurch vielleicht von der Leyen oder die Queen, die uns den Brexit erklärt. Und natürlich viele andere wie Merkel, Kretschmann, Strobl – und als Halluzination eine Brandrede von Luther gegen die geistige Selbstverstümmelung im Netz.

Was muss ein Mensch haben, damit Sie ihn gut parodieren können?

Die Zahl der Charakterköpfe in der Politik hat stark abgenommen im Verhältnis zu den Politikern, die im Bundestag nur ihren Stuhl verwalten. Merkel und Seehofer sind gute Typen für die Karikatur, wie ich sie betreibe. Ich imitiere die Personen ja nicht nur, sondern denke sie weiter, was sowohl den Habitus als auch ihr Programm betrifft. Unter diesem Gesichtspunkt hat sich etwa Olaf Scholz noch nicht für eine Parodie bei mir profilieren können. Im Ländle bin ich Kretschmann dankbar für sein zur Überzeichnung einladendes Profil. Und natürlich Thomas Strobl. Im Dialog sind die beiden unschlagbar, die Fortsetzung von Häberle und Pfleiderer.

Was darf Satire?

Satire darf Menschen in ihrer Amtsanmaßung gnadenlos bloßstellen. Wenn jene, über die man spricht, unsere Würde nicht beachten, kann auch ich weniger Rücksicht nehmen. Wobei ich finde, dass es Grenzen gibt. Sich nur zu beschimpfen, ist sinnlos.

Mathias Richling: 10. bis 17. November, 20 Uhr, Renitenztheater, Tickets unter 07 11 / 29 70 75

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