Vor fünf Jahren wurden die ersten Gerüste am Eingang des Stuttgarter Zoos gestellt. Nun glänzt der historische Pavillon wieder. Die Kosten für die Verjüngungskur sind explodiert.
Die jahrelange und aufwendige Verjüngungskur des historischen Pavillons der Wilhelma ist beendet. Finanzstaatssekretärin Gisela Splett hat den restaurierten Eingangspavillon wiedereröffnet. Der ehemalige Aussichts- und heutige Eingangspavillons sei ist ein besonderes Kulturdenkmal, heißt es.
Pavillion in der Wilhelma: Ursprünglich waren 1,8 Millionen Euro veranschlagt
Und das hat auch seinen Preis. Ursprünglich waren 1,8 Millionen Euro geplant, nun wurden rund fünf Millionen Euro investiert – ein Plus von etwa 178 Prozent. „Bei den durchgeführten Arbeiten handelt es sich nicht um eine klassische Baumaßnahme, sondern um die Wiederherstellung eines Gesamtkunstwerks“, so das Finanzministerium. Der Bund habe hiervon 900.000 Euro durch eine Zuwendung der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien übernommen.
Zur Kostensteigerung erklärt das Finanzministerium außerdem: Im August 2020 sei die Sanierung des Eingangspavillons mit rund 1,8 Millionen Euro aufgrund des mangelhaften Zustands der gusseisernen Bauteile veranschlagt gewesen. Im Verlauf der Planungen stellten sich jedoch unvorhersehbare zusätzliche Leistungen heraus, wie es heißt. Diese hätten zu Kostenanpassungen und auch einer längeren Bauzeit geführt hätten. So seien beispielsweise wissenschaftliche Voruntersuchungen in Zusammenarbeit mit der Materialprüfanstalt (MPA Stuttgart) erforderlich gewesen.
„Im restaurierten Eingangspavillon der Wilhelma wird Geschichte lebendig. Der Pavillon ist ein wahres Schmuckstück und verbindet Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Dieses schöne Projekt zeigt, dass wir unsere historischen Gebäude dauerhaft bewahren“, sagte Splett. Auch Wilhelma-Direktor Thomas Kölpin erklärte bei der Eröffnung, dass er sich freue, dass der Pavillon wieder in seinem alten Glanz erstrahle und erstmals die Besucher auch sein Inneres bewundern könnten.
Aus Kassenhäuschen wird Service-Center
Fünf Jahre war das Eingangsportal wegen der Sanierungsarbeiten am Pavillon, der einst zum ehemaligen Lustschloss La Wilhelma gehörte, nicht anzuschauen. In den letzten Jahrzehnten diente es als Kassenhäuschen.
Jetzt erstrahlt es in neuem Glanz und hat eine andere Funktion: Das Gebäude soll künftig ein Service-Center werden mit Theke und Arbeitsplätzen für zwei Mitarbeiter. Besucher sollen dort Informationen über die Wilhelma bekommen, auch beispielsweise, wie und wo sie dort Geburtstage oder Hochzeiten feiern können. Es soll dort aber keine Kasse installiert werden.
Pavillon von 1843 für König Wilhelm I. gebaut
Der Eingangspavillon, der sich direkt am Haupteingang der Wilhelma an der Neckartalstraße bei der Stadtbahn-Haltestelle ‚Wilhelma’, befindet, wurde Mitte des 19. Jahrhunderts gebaut. Geplant wurde der Pavillon 1843 von Karl Ludwig Zahnth im Auftrag von König Wilhelm I., der einen überdachten Weg bis zum Wilhelma-Theater wollte. Das Gebäude ist eines der frühesten Beispiele von Eisenkonstruktionen in der (Garten-)Architektur Europas. Es besteht aus Natursteinmauerwerk und einer gusseisernen Vordachkonstruktion.
Bei der aufwendigen Sanierung und Restaurierung wurde das Bauwerk so grundlegend wie noch nie erneuert: So wurde die komplette Gusseisenkonstruktion abgebaut, in der Werkstatt instandgesetzt, neu beschichtet und wieder aufgebaut. Die Kupferdeckung wurde erneuert und wieder eingebaut.
Die Wandmalereien im Innen- und Außenbereich sowie der Sandstein wurden gereinigt, konserviert und restauriert und zeigen wieder ihre volle, beeindruckende Farbenpracht. Der Natursteinbelag wurde teilweise neu gemacht, der Bodenbelag im Innenraum neu eingebaut, die Fenster und die Tür erneuert. Der Pavillon bekam zudem eine neue Heiz- und Lüftungstechnik.
Erste Öffnung für die Öffentlichkeit noch unklar
Wann das neue Service-Center offen ist, ist den Angaben zufolge noch unklar. Derzeit wird noch Personal gesucht. Der Pavillon wird erst dann der Öffentlichkeit zugänglich sein, wenn das Service-Center personell besetzt ist.