Amanda Knox, heute 36, ist inzwischen Journalistin Foto: LaPresse/Massimo Paolone

An diesem Mittwoch soll das jahrelange Justizdrama um den Mord an der britischen Studentin Meredith Kercher endlich ein Ende finden.

Es soll das letzte Mal sein, dass Amanda Knox in Italien vor einem Gericht steht. Als 20-Jährige war die US-Amerikanerin 2007 wegen Mordes an der Studentin Meredith Kercher zu 26 Jahren Haft verurteilt worden. Die Geschichte des „Engels mit den Eisaugen“, wie die italienische Presse die Frau nannte, wurde zu einem Justizskandal, der sich über Jahre hinzog. Jetzt könnte dieser endgültig ein Ende finden.

 

Rückblick: Am 2. November 2007 wurde die britische Studentin Meredith Kercher in Perugia tot in ihrem Zimmer gefunden. Eine ihrer drei Mitbewohnerinnen war Amanda Knox, Studentin aus Seattle. Knox und ihr damaliger Freund Raffaele Sollecito standen schnell unter Mordverdacht. In den Medien war von aus dem Ruder gelaufenen Sexspielen die Rede. Außerdem geriet Diya Lumumba, der Chef von Knox, die in einer Bar arbeitete, in den Fokus der Ermittler. Knox soll während eines Verhörs gestanden haben, dass sie am Tatort war – und dabei auch Lumumba schwer belastet haben.

Die DNA-Spuren am Tatort passten nicht

Bereits am 6. November 2007 erklärte die Polizei: Der Fall ist gelöst. Amanda Knox galt von da an als die kaltblütige Mörderin und wurde mit Sollecito und Lumumba angeklagt. Die DNA-Spuren am Tatort passten zu keinem der Verdächtigen. Dafür wurden Fingerabdrücke gefunden, die von einem polizeibekannten Einbrecher stammten: Rudy Guede. Er wurde zu 30 Jahren Haft verurteilt, die später auf 16 reduziert wurden. Im November 2021 wurde Guede wegen guter Führung aus der Haft entlassen.

Lumumba wurde nach zwei Wochen Haft freigelassen, er hatte ein Alibi. Knox und ihr Freund blieben im Gefängnis und wurden 2009 ebenfalls wegen des Mordes an Meredith Kercher verurteilt. Nach insgesamt vier Jahren im Gefängnis kam Knox 2011 frei – das Urteil war aufgehoben worden. Sie kehrte in die USA zurück. In Abwesenheit wurde sie in Italien erneut verurteilt, erst 2015 sprach das höchste Gericht die junge Frau endgültig frei. Nicht aus Mangel an Beweisen, sondern weil sie, so das Gericht, die Tat nicht begangen hat. Das Kassationsgericht in Rom sprach von Mängeln im Verfahren und massiven Fehlern bei den Ermittlungen.

Dennoch: Die Geschichte wird wohl erst jetzt ihr Ende finden. Knox war noch in einem anderen Verfahren verurteilt worden. Und dieses Urteil ist bis heute rechtskräftig. Drei Jahre Haft waren ihr auferlegt worden – wegen Verleumdung. Vor dem Gericht in Florenz geht es nun darum, auch dieses Urteil für nichtig zu erklären.

Knox hatte ihren Chef Lumumba beschuldigt, den Mord an Meredith begangen zu haben. Knox sagt, sie habe unter Stress und Schock gestanden, als sie Lumumba beschuldigt habe. Die Polizei habe sie unter Druck gesetzt, auch sei ihr kein Anwalt zur Seite gestanden.

Italien musste an Knox 18 000 Euro zahlen

Gegen das Urteil hat Knox Klage vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte eingereicht und recht bekommen. Italien wurde verurteilt und musste an Knox 18 000 Euro zahlen. Das Oberste Gericht in Italien folgte dem Urteil und sprach Knox auch in diesem Fall frei – verfügte aber auch, dass dieser neu verhandelt werden müsse.

Zum Auftakt dieses Prozesses am 10. April war Amanda Knox nicht nach Italien gekommen. Sie hatte sich von Anwälten vertreten lassen. Zur Urteilsverkündung an diesem Mittwoch wird sie in Florenz erwartet. Knox hat sich nach ihrem Freispruch und den vier Jahren Haft ein neues Leben aufgebaut – als Journalistin.

Laut Medienberichten arbeitet Knox aktuell mit Monica Lewinsky, der Ex-Affäre von Bill Clinton, an einer Serie über erzwungene Geständnisse. Das Finale ihrer Story an diesem Mittwoch dürfte darin eine nicht unerhebliche Rolle spielen.