Der Kika-Moderator Juri Tetzlaff gestaltet Konzerte in Fellbach und Winnenden. Foto: Yvonne Corbiere

KiKA-Moderator Juri Tetzlaff spricht vor seinen Konzerten in Fellbach und Winnenden über seine TV-Karriere und den Besuch von Prinzessin Kate bei einem seiner Kinderkonzerte.

Seinem lausbübischen Charme kann irgendwie keiner widerstehen. Juri Tetzlaff ist bekannt durch zahlreiche Auftritte im Kinderkanal. Neben seiner TV-Tätigkeit versucht der mittlerweile 53-jährige gebürtige Karlsruher, der in einem sehr musikalischen Elternhaus aufwuchs, Menschen allen Alters für klassische Musik zu begeistern. Dass ihm das gelingt, hat der Mannheimer Morgen schon 2007 bilanziert: „Die eineinhalb Stunden Kinderkonzert sind wie am Schnürchen abgelaufen, das ist einem jungen Mann mit pädagogischen Zauberkräften zu verdanken“. Kurz vor Tetzlaffs Gastspielen in Reutlingen, Stuttgart, Fellbach und Winnenden (Rems-Murr-Kreis) erwischen wir ihn fürs Telefoninterview in einem Hamburger Café.

 

Guten Tag Herr Tetzlaff, Sie kennen mich nicht, aber ich kenne Sie schon lange, so seit knapp zwei Jahrzehnten. Sie wissen sicher, warum?

Na klar, das liegt auf der Hand, wegen meiner KiKA-Aktivitäten. Früher kamen meist Kinder und haben gesagt: Ich kenne dich aus dem Fernsehen. Mittlerweile sind es oft Eltern mit Kind auf dem Arm, und dann sagen die Muttis: Ja, ich hab dich auch schon damals im KiKA geguckt wie heute mein Kleiner. Da merke ich, dass ich das schon eine ganze Weile mache.

Sie sind immer noch im KiKA aktiv?

Ja, wir haben im vergangenen Jahr 20 Jahre „Baumhaus“ gefeiert, und es ist jetzt mein 28. Jahr beim KiKA. Ich war Gründungsmoderator des Kinderkanals, habe 1997 die erste Sendung moderiert, in zwei Jahren kann ich dann Jubiläum feiern.

Wobei, ursprünglich war doch eigentlich die Schauspielerei Ihre Leidenschaft, Sie waren in der Schule in der Theater AG.

Es stimmt, ich habe es immer geliebt, auf der Bühne zu stehen, und bin auf jeden Fall ein Bühnenmensch. Aber nach der Schule wollte ich eigentlich was Seriöses machen, wollte in die Werbung. Ich komme aus einem Künstlerhaushalt, meine Eltern sind Musiker, und eigentlich hatte ich die Sehnsucht, was Solides, was Sicheres, was Ernsthaftes zu machen. Ich habe kleine Umwege genommen, aber ich bin dann eben doch in einem künstlerischen Beruf gelandet.

Wobei, fernsehsüchtig waren Sie als Kind wohl nicht – Sie hatten ja nicht mal einen Fernseher in der Familie daheim?

Es stimmt, bei uns war Fernsehen ziemlich reglementiert. Und bis heute ist das Fernsehen gucken gar nicht so meine Leidenschaft. Ich bin ein großer Freund des Fernsehenmachens: Das Medium an sich, mit Bildern, mit Film und Ton arbeiten, das ist meine absolute Faszination und meine Begeisterung. Und natürlich die Bühne. Ich liebe es, Menschen zu berühren, Emotionen zu wecken.

„Ich sehe natürlich die Herausforderungen und Gefahren der digitalen Welt, ich bin ja auch Vater von zwei Töchtern.“

Juri Tetzlaff, TV-Moderator und Medienprofi

Ihr Medienmagazin „Trickboxx“ hatte das Ziel, „den Menschen die Medienwelt näher zu bringen“, so Ihre Erklärung seinerzeit. Was sagen Sie denn dazu, dass immer weniger Kinder draußen sind und fast nur noch mit krummem Rücken in der S-Bahn oder in der Schule sitzen und ausschließlich aufs Handy schauen?

Ich sehe natürlich die Herausforderung und die Gefahren der digitalen Welt, ich bin ja auch Vater von zwei Töchtern. Es stimmt, früher haben wir mit der Trickboxx die Medienwelt erklärt, und heute versuche ich, die Begeisterung zu wecken für die Welt abseits der Medien, etwa für die Welt der Bühne, wo man sich einfach mal eine Stunde auf eine Geschichte, auf Musik einlässt, ohne dass man wegschweifen kann, auf etwas, was eben nicht digital funktioniert, sondern ur-analog ist.

Sie haben es schon erwähnt, Ihre Eltern waren Musiker: Cello und Querflöte waren zu Hause wahrscheinlich dauerhaft zu hören, die klassische Musik wurde Ihnen in die Wiege gelegt, wie häufig zu lesen ist. Wie ist es denn mit Ihren eigenen instrumentalen Fähigkeiten – Klavierstunden ohne Ende?

Also, ich hatte schon Klavierunterricht, aber ich war von der Musik meiner Eltern, muss ich ehrlich sagen, eher ein bisschen genervt und war nicht so ein Klassik-Freund. Erst so mit um die 30 bin ich zur Klassik gekommen, als Kollegen von meinen Eltern mich gefragt haben, ob ich vielleicht mal ein Konzert moderieren möchte. Erst habe ich gezögert und dachte, eigentlich sehe ich mich mehr beim Fernsehen. Aber dann dachte ich, ach, wäre doch schön, noch mal in diese Welt meiner Eltern einzutauchen. Aber wenn ich es selbst gestalten kann, dann möchte ich es so machen, wie ich es mir als Kind gewünscht hätte. Also nicht nur still dasitzen und zuhören, sondern mitmachen und spannende Geschichten und Abenteuer erleben. Und das hat mich angespornt, dass ich mir immer überlege, wie kann ich diese Musik, die öfter als sperrig empfunden wird, so rüberbringen, dass auch Leute, die heute in der digitalen Welt aufwachsen, begeistert sind.

Wobei, mal ganz banal gefragt: Ein Konzert würde doch auch ohne Zwischentexte funktionieren – wo ist der Mehrwert?

Man kann durch eine Bilderausstellung, man kann durch eine Burgruine oder durch den Wald gehen und alles erst mal unkommentiert genießen. Aber ich erinnere mich an Waldspaziergänge mit einem Förster, der mir die Augen geöffnet hat für die Bäume, die Lebewesen, für die Zusammenhänge, dann war das immer noch spannender. Wenn man im Museum ist und einer einem erzählt, was es mit diesen Bildern auf sich hat, mit den Künstlern, den Biografien – wenn man das etwas angereichert bekommt, dann wird es noch viel spannender. Oder wenn mir ein Mathematik-Professor oder ein Kfz-Mechaniker oder ein Bäcker seine Begeisterung vermittelt, wenn der mir die Augen öffnet für seine Perspektive auf die Dinge, dann schmeckt das Brötchen besser, dann sieht man sein Auto mit anderen Augen.

In Fellbach moderieren Sie nun ein „Weihnachtskonzert für die ganze Familie“.

Das ist tatsächlich die Herausforderung, da es als Familienkonzert Jung und Alt ansprechen soll, es wird also ein Mehrgenerationen-Programm. Das wird ein Potpourri mit Hits der Klassik rund ums Thema Weihnachten. Ich liebe Tschaikowski, der „Nussknacker“ ist so eine schöne Musik, dann haben wir die „Zuckerfee“ – großartig. Und „Drei Nüsse für Aschenbrödel“ ist jedes Jahr ein absoluter Hit. Die Filmmusik berührt mich, wenn ich sie höre, da werden Kindheitserinnerungen wach, und ich glaube, das ist für viele was ganz Besonderes, das live zu hören.

Die Württembergische Philharmonie Reutlingen gestaltet das Weihnachtskonzert für die ganze Familie am 17. und 18. Dezember in Fellbach. Foto: Reiner Pfisterer/Archiv

Das Kulturamt Fellbach prognostiziert: „Und zum Schluss sind bei ,Oh du fröhliche’ alle zum Mitsingen eingeladen“. Da werden Sie das Publikum noch richtig animieren und motivieren, damit jede und jeder mitmacht?

Auf jeden Fall, das wird bestimmt ein Gänsehautmoment, ein wunderschöner Ausklang des Abends und eine schöne Einstimmung auf Weihnachten; wir sind dann ja auf der Weihnachtszielgerade.

Meist kennt man Sie in legerem Look, auf einem Foto der Oper Leipzig sind Sie aber seriös im Anzug und mit Fliege am Hals zu sehen. Ist dies das passende Outfit auch für die Konzertmoderationen in Fellbach?

An den Abenden wird es eher schick. Auf jeden Fall trage ich einen schwarzen Anzug oder einen Smoking. Für einen solchen Anlass auf der Bühne putze ich mich gerne mal raus.

Herzogin Kate am 21. Juli 2017 in Hamburg in der Elbphilharmonie auf der Bühne nach dem Kinderkonzert mit Moderator Juri Tetzlaff (rechts) Foto: dpa-Pool

Schick waren Sie auch vor acht Jahren gekleidet, als plötzlich Prinzessin Kate neben Ihnen auf der Bühne in Hamburg auftauchte. Wie kam es denn zu einer solchen Begegnung, die nur wenigen Menschen in Deutschland vergönnt ist?

Das britische Königspaar war 2017 auf großer Deutschlandreise und wollte auch in die Elbphilharmonie. Ich wurde gebeten, ein Konzertprogramm für Kinder zu moderieren, und habe natürlich sehr gerne zugesagt. Ich habe damals nicht geahnt, worauf ich mich da einlasse. Die britische Botschaft rief mehrmals an und wollte einen minutengenau getakteten Ablauf des Konzerts. Es gab eine lange Liste von „Do’s and Dont’s“. Es war einfach wahnsinnig aufregend, und ich habe in meinem ganzen Leben nie so einen Presserummel erlebt. Es war wirklich spektakulär und unvergesslich.

Und ist die Aufregung dann noch mal eine andere – selbst für einen Profi wie Sie es sind?

Vor diesem Konzert war ich tatsächlich aufgeregter als sonst. Vor allem das Timing hat mir Kopfzerbrechen bereitet. Ich bin jemand, der gerne gut vorbereitet ist und trotzdem der Improvisation Raum gibt. Das ging in dem Fall nicht. Aber es hat alles super geklappt und schließlich hat sogar Kate den Taktstock in die Hand genommen und das Orchester dirigiert. Das waren natürlich super Bilder, und die Presse war begeistert.

Gebürtiger Badener

KiKA-Gründungsmoderator
Der am 13. Juli 1972 in Karlsruhe geborene Juri Tetzlaff hat in Berlin an der Universität der Künste Gesellschafts- und Wirtschaftskommunikation studiert. Seit dem ersten Sendetag am 1. Januar 1997 gehört er zum festen Moderatorenstamm des Kinderkanals.

Konzertmoderationen
Gleich mehrfach ist er binnen weniger Tage in der Region Stuttgart zu Gast. Am Mittwoch, 17., und Donnerstag, 18. Dezember, moderiert er das Weihnachtskonzert für die ganze Familie mit der Württembergischen Philharmonie Reutlingen in der Fellbacher Schwabenlandhalle; Beginn um 19 Uhr. Jeweils an beiden Tagen moderiert er am späteren Nachmittag (17 Uhr) das Konzert „Hänsel und Gretel“ mit den Stuttgarter Philharmonikern im Gustav-Siegle-Haus Stuttgart – das heißt, Tetzlaff muss ganz schön Tempo vorlegen, um rechtzeitig nach Fellbach zu kommen.

Karneval der Tiere
Am Sonntag, 21. Dezember, beginnt um 15 Uhr in der Hermann-Schwab-Halle Winnenden „Karneval der Tiere“ mit Juri Tetzlaff und den Süddeutschen Bläsersolisten von ProFive.