Leon Brandl aus Aichwald will den ehemals beliebten Trollinger wieder in Mode bringen. Der 22-Jährige hat einen Weinberg gekauft und bringt einen Rosé in die Flasche.
Nomen est Omen. Leon Brandl wohnt im Trollingerweg in Aichwald. Die ehemals beliebte Rebsorte ist ein bisschen aus der Mode gekommen. Brandl hat trotzdem einen Weinberg mit Trollinger-Pflanzen gekauft. Als Rosé bringt sie der 22-Jährige in die Flasche. Er trifft damit nicht nur den Geschmack von Familie und Freunden, sondern trägt auch zur Weinkultur seines Heimatorts bei.
Leon Brandl setzt mit einer Rebschere an einem dicken Ast an, schneidet üppig von den zum Teil noch belaubten Reben Zweige ab, sodass am Schluss nur zwei übrig bleiben. „Das ist die Wunschrute, da sollen die Trauben dran wachsen und die andere, die lasse ich als Ersatz, falls meine Außerwählte im Winter platt geht“, erklärt der 22-Jährige.
Leon Brandl bringt sich Bewirtschaftung des Weinbergs selbst bei
Er steht zwischen 700 Reben, die er seit 2023 sein eigen nennt. Es ist strahlend blauer Himmel und Sonnenschein. Perfektes Wetter für den Rückschnitt. Bis März habe er dafür Zeit, erklärt Brandl. Zwergpudel Cooper springt um ihn herum, schaut seinem Herrchen zu, wie er im Weinberg arbeitet, fachmännisch Zweig für Zweig abschneidet.
Das war nicht immer so: Vor einem Jahr ist er noch mit dem Handy dagestanden, hat immer wieder nachgesehen, wie er am besten seinen Weinberg bewirtschaftet, denn in die Wiege gelegt worden ist dem Aichwalder die Winzerei nicht. Seine Eltern sind in der Immobilienbranche tätig, wie auch er im Hauptberuf. Seit drei Jahren ist er selbstständig, seit einem halben Jahr hat er seine eigene Hausverwaltung. „Der Bedarf an einer qualitativen Hausverwaltung ist unheimlich hoch“, sagt er.
Rückgang im Weinabsatz: Brandl kämpft für Aichelbergs Weinberge
Beim Rebensaft ist dies eher nicht der Fall. Ein Blick auf die Statistik des Deutschem Weininstituts klingt ernüchternd: 2024 gingen Absatz und Umsatz deutscher Weine überproportional um fünf beziehungsweise sechs Prozent zurück. Der Anteil einheimischer Gewächse schrumpfte von mehr als 50 auf 41 Prozent. Und so bleiben immer mehr Weinberge unbewirtschaftet, auch in Aichelberg, einem Ortsteil von Aichwald. Für Brandl ein schmerzlicher Zustand: Er ist zwischen Wein und Reben aufgewachsen und möchte das prägende Landschaftsbild seiner Umgebung erhalten helfen.
Nachdem er seinen Traum vom Leben auf Mallorca zugunsten seiner Freundin aus Aichwald aufgegeben hatte – auch dort war er in der Immobilienbranche tätig und liebäugelte mit einem Weinberg –, entschloss er sich, angespornt durch den Gartengrundstückskauf zweier Kumpels, sich in Aichwald auch nach etwas ähnlichem umzusehen. „Und dann habe ich auf Kleinanzeigen.de geguckt und gesehen: Hier gibt’s Weinberge ohne Ende“, sagt er. Kurz entschlossen griff er zu, kaufte einen Viertel Hektar Weinberg in Aichelberg mit 25 Jahre alten Reben, drei Viertel davon Trollinger, ein Viertel Schwarzriesling.
„Es erfüllt meine Seele“ – Brandls Leidenschaft für den Weinbau
3.500 Euro hat er dafür bezahlt. Seitdem werkelt der Hobbywinzer rund 160 Stunden im Jahr im Weinberg, meist am Wochenende. „Es erfüllt meine Seele, morgens um 8 Uhr, in aller Stille, im Sommer bei 30 Grad, mit meinem Hund im Weinberg zu sein“, sagt er. Er liebt es, diesen im Kreislauf der Natur zu bewirtschaften, sagt er. Bis zur Lese mäht er mit einem Mulcher alle drei Wochen den Weinberg, spritzt die Reben, schneidet sie zwei- bis dreimal zurück. Es ist eine Kunst für sich: Die Trauben müssen gleichzeitig genug Licht und Schatten haben. „Wenn ich unten rechts anfange und oben fertig bin, geht es wieder von vorne los. Es ist eine Dauerbeschäftigung“, sagt er.
Bei der Lese helfen Eltern und Freunde. 15 Personen hätte am vorletzten Samstag im September gearbeitet. Es ist im Gegensatz zum Jahr zuvor ein gutes Weinjahr gewesen. Die Reben haben soviel getragen, dass sie nicht alle Trauben abtransportieren konnten, weil sein Auto und das seines Vaters überlastet worden wären. 1800 Kilogramm haben sie in ein Weingut nach Hessigheim gefahren. Dort lagern sie nun rund ein halbes Jahr in seinem eigenen Alufass. 80 Grad Oechsle habe der Trollinger dieses Jahr gehabt, sein erster Jahrgang 69 Grad Oechsle.
Erster Jahrgang aus Aichwalder Weinberg nach kurzem ausverkauft
„Es gibt so einen Spruch: Man sagt immer, 80 Prozent der Qualität von Wein entsteht im Weinberg und nur 20 Prozent kann man noch im Keller beeinflussen“, sagt er. Er lasse ihn für die Farbe ein paar Stunden auf der Maische stehen, damit noch ein paar Gerbstoffe und noch ein paar Farbstoffe hineinkämen, verrät er.
Nach dem Ausbau trennt er und produziert feinherben und trockenen Rosé. Wie genau beide entstehen, bleibt sein Geheimnis. Doch er hat damit den Geschmack getroffen. Seine 1300 Flaschen vom ersten Jahrgang waren bereits nach drei Monaten ausverkauft, erzählt er.
Gründung einer Weinmanufaktur
Vita
Leon Brandl ist in Aichelberg aufgewachsen und hat nach der Schule eine Ausbildung zum Bankkaufmann gemacht. Nachdem er kurze Zeit Filialleiter war, wanderte er für ein halbes Jahr auf seine Trauminsel Mallorca aus, die er seit Kindheitstagen regelmäßig besucht hat. Während des Auswanderungsprozesses lernte er seine Freundin aus Aichwald kennen und kehrte zurück.
Vertrieb
Der erste Brandl-Jahrgang war im Direktverkauf für Familie und Freunde, beim Getränkehändler Geyer in Aichwald und als Hauswein im Gasthaus Linde in Aichschieß erhältlich. Demnächst wird er auch online unter www.weinmanufaktur-leonbrandl.de verkauft.
Finanzen
Schrieb er bei seinem ersten Jahrgang bei 1300 Flaschen Wein eine schwarze Null, möchte Brandl in diesem Jahr Gewinne im mittleren bis hohen vierstelligen Bereich erzielen. Außerdem plant er, sich einen Pick-up anzuschaffen, um die Trauben alle transportieren zu können.