Die Stuttgarterin Sophia Füsslin (33) hat sich mit der Gründung ihrer eigenen Marke Oh Malou einen Traum verwirklicht. Im September hatte sie ihre erste Pop-up-Fläche im Breuninger in Stuttgart. Foto: privat

Im Stuttgarter Süden hat Sophia Füsslin (33) ihre Brand „Oh Malou“ aufgebaut. Wir haben mit ihr darüber gesprochen, was es bedeutet, als junge Frau eine Marke zu gründen.

Schon immer war es ihr großer Traum eine eigene Marke zu gründen, erzählt Sophia Füsslin. 2022 hat sich die gebürtige Stuttgarterin diesen endlich erfüllt – allerdings nicht ohne Hürden.

 

Als sie den Schritt wagt, arbeitet sie noch Vollzeit. Eigentlich ist sie gelernte technische Kommunikationsassistentin, doch nach dem Studium führt sie ihr Weg erstmal in die Finanzbranche. „Ich bin ein sehr sicherheitsbedürftiger Mensch“, sagt sie. Ihren sicheren Job aufzugeben, kam für die Stuttgarterin bisher nicht infrage.

Um trotzdem mehr Zeit für ihr „Baby“, wie sie „Oh Malou“ nennt, fing sie an, ihre Arbeitsstunden zu reduzieren. Aktuell arbeitet sie 80 Prozent als Angestellte – und in ihrer Freizeit 100 Prozent für ihren Traum. Denn: Ihre Marke ist eine One-Woman-Show. Sophia macht alles: Produktentwicklung, Design, Vertrieb, Online-Shop, Social Media und vieles mehr. Beigebracht hat sie sich das alles selbst. Auf diese Weise hat sie bereits mehrere Kollektionen herausgebracht, viele Kundinnen und Kunden glücklich gemacht und sogar im September einen Pop-up-Store im Breuninger realisiert.

Female Founder: Gründen als Frau

Dass Sophia das alles ohne Hilfe von außen auf die Beine gestellt hat, ist nicht selbstverständlich. Verschiedene Studien, wie etwa der Female Founders Monitor zeigen: Gerade Frauen stehen bei der Gründung vor besonderen Herausforderungen: Sie erhalten schon in Schule, Studium und Beruf seltener unternehmerische Förderung. Außerdem ist es für sie oft schwieriger Netzwerke aufzubauen und Finanzierungen zu finden, weil die bestehenden Netzwerke männlich dominiert sind. Mangelnde Vorbilder und das Wegfallen von Elternzeit sind ebenfalls Gründe, wieso sich weniger Frauen für die Gründung eines eigenen Unternehmens oder die Selbstständigkeit entscheiden. Sophia hat sich davon nicht abhalten lassen und mit viel Leidenschaft und Ausdauer ihre Marke auf die Beine gestellt.

Vom Modegeschäft in Frankreich zu Accessoires in Stuttgart

Doch Sophias unternehmerische Ader kommt nicht von ungefähr: In den 1920er Jahren führte ihre Uroma ein kleines Modegeschäft in einer ländlichen Region Frankreichs. Leider hat Sophia sie nie kennengelernt, doch die Geschichte, wie sie regelmäßig mit dem Zug nach Paris reiste, um neue Ware auszuwählen, erzählt Sophias Oma, 96 Jahre alt, noch heute. Diese Familiengeschichte wurde ihr so lebendig nahegebracht, dass sie ihre Liebe zu Frankreich nachhaltig prägte. Das Erbe führt Sophia nun in Stuttgart weiter: Mit modernen Accessoires statt Mode. Besonders prägend für die Stuttgarterin seien zwei Monate in Paris gewesen, in denen sie viel Inspiration für „Oh Malou“ sammeln konnte.

Denn auch bei ihren Designs beruft sich Sophia auf ihre Wurzeln und zieht ihre Inspiration aus dem französischen Lebensgefühl: mühelos chic und zeitlos elegant. Ein Zitronenbaum in Südfrankreich oder ein Lavendelfeld in der Provence inspirieren sie zu neuen Schmuckstücken. Die Accessoires von „Oh Malou“ sollen sich genauso anfühlen: leicht und unkompliziert, gepaart mit jugendlichen Designs und gelegentlichen Farbakzenten. Neben dem Online-Shop findet man ihre Produkte in ausgewählten Concept Stores, Friseur- und Beauty-Salons sowie Cafés und Hotels, etwa im Kesselgut in der Innenstadt, im Café WYLD in Stuttgart-West, im Ciao.Masi Bistro im Heusteigviertel oder bei ROMI&JULI in Degerloch.

Langfristiges Denken erfordert Nachhaltigkeit

Seit den 20er Jahren hat sich vieles geändert: Der Weg vom ersten Entwurf bis zum fertigen Produkt sei heute deutlich komplizierter als eine Zugfahrt nach Paris, erzählt die 33-Jährige. Noch produziert „Oh Malou“ nicht vollständig in Europa, da die Haarspangen zum Beispiel aus Asien stammen. Doch Sophia setze alles daran, langfristig nachhaltiger und regionaler zu arbeiten. Schon jetzt bestehen ihre Haarspangen aus Bio-Acetat, einem umweltfreundlicheren Kunststoff, der aus nachwachsender Zellulose besteht und robuster und langlebiger ist als herkömmlicher Kunststoff. Ihre Verpackungen sind ECO-zertifiziert und werden in Schweden produziert. Der Schmuck wird aus Edelstahl oder Sterling Silber gefertigt und teilweise vergoldet.

Die Haaraccessoires von Oh Malou sollen unkomplizierte und schicke Frisuren möglich machen. Foto: OH MALOU

Die harte Realität der Selbstständigkeit

Auf ihrem Weg von der Kommunikationsassistentin zur Unternehmerin hat Sophia viel gelernt, manchmal auch auf die harte Tour. „Auf Social Media wird oft ein unrealistisches Bild von Gründung und Selbstständigkeit vermittelt“, sagt sie. Die Realität sei viel komplexer. Sie erzählt von einem Labeling-Fiasko, bei dem sie in kürzester Zeit hunderte Scrunchies von Hand etikettieren musste, oder von vergangenen Problemen mit Herstellern, die ihre Standards nicht einhalten wollten. Trotz aller Herausforderungen ist sie dankbar für jede Erfahrung. Genau deshalb möchte sie anderen Mut machen, die denselben Weg gehe wollen.

Der Schlüssel zum Erfolg

Ein paar Tipps gibt Sophia direkt mit: „Wichtig ist, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren und die eigene Messlatte nicht zu hoch zu setzen.“ Schließlich könne man sich als Einzelperson nicht mit großen Konzernen vergleichen. Ebenso entscheidend sei es, im eigenen Tempo zu arbeiten, besonders dann, wenn man das Herzensprojekt neben einer Festanstellung aufbaut. Grundsätzlich lohne es sich nicht, ständig nach links und rechts zu schauen. Statt sich mit anderen Marken zu vergleichen, solle man lieber seinen eigenen Weg gehen. „Es wird immer Menschen geben, denen nicht gefällt, was man tut. Das darf man nicht persönlich nehmen.“ Und ihr wichtigster Rat: An sich selbst glauben, gerade als junge Frau. Denn Sophia ist sich sicher: „Wenn man nicht selbst von dem überzeugt ist, was man tut, kann man nicht erfolgreich sein.“

Für die Zukunft plant Sophia, ihr Wissen weiterzugeben und ein umfassendes Coaching-Programm für Gründerinnen und Gründer auf die Beine zu stellen. Außerdem ist am 29. Novemeber ein weiterer Pop-Up Store im Breuninger Stuttgart geplant, bei dem man ihre Produkte und sie persönlich kennenlernen kann.

Oh Malou Pop-Up, Breuninger, Marktstr. 1-3, Stuttgart-Stadtmitte, 29.11., 10-20 Uhr