Letzten Donnerstag fand die Beringung der beiden Storchenkinder in Weil der Stadt statt. Die Ringe verraten nicht nur ihr Alter, sondern auch ihre Herkunft.
Nachdem sich seit Jahrzehnten kein Storch mehr für einen Brutplatz in Weil der Stadt entschieden hat, feiern die Keplerstädter dieser Tage nun die Wiederkehr von Freund Adebar. Jetzt stand eine Aktion zur Beringung der beiden Nesthäkchen auf dem Programm. Doch das ist gar kein so einfaches Unterfangen.
„Es war gar nicht leicht herauszufinden, wie hoch der Turm mit dem Nest überhaupt ist“, sagt Sabine Holmgeirsson vom Naturschutzbund (NABU) Weil der Stadt über die Vorbereitungen zur Beringungs-Aktion auf dem historischen Storchenturm. Je höher der Turm, desto größer natürlich der benötigte Hubsteiger. Als dann die E-Mail von der Stadtverwaltung mit der Höhenangabe und Fotos des Hubsteigers hereinflatterte, mit dessen Hilfe der Horst vor drei Jahren montiert worden war, konnte es losgehen.
Mit dem Hubsteige hinauf auf den Storchenturm
Bei strahlendem Sonnenschein brachte Sabine Holmgeirssons Tochter Inga das Fahrzeug, das durch einen Zuschuss von der unteren Naturschutzbehörde des Landratsamts Böblingen bezahlt werden konnte, in Position. Und Sohn Leif bediente die Arbeitsplattform während der Beringung.
Auf der Plattform gen Horst in die Höhe schweben Judith Opitz, die Storchenbeauftragte von Baden-Württemberg, Stefan Bosch, der Fachbeauftragte für Ornithologie beim NABU Baden-Württemberg und Leif Holmgeirsson selbst. Nicht ganz geheuer schien dies dem Papa Storch. Der ergriff erst einmal die Flucht. Und was fortan geschah, beäugten die beiden Elternvögel aus kritischer Distanz über dem Horst kreisend.
Papa und Mama Storch beäugen das Geschehen aus kritischer Distanz
Judith Opitz hob das erste Junge vorsichtig aus dem Nest, das ganz regelungslos dalag. Aber kein Grund zur Beunruhigung: Bei Gefahr fallen Jungstörche bis zur siebten Lebenswoche nämlich in Akinse – einen natürlichen Totstellreflex. Ganz schön schlau und listig: Denn Feinde wie beispielsweise Falken, fressen kein Aas. Doch alles Imitieren half dem kleinen Daunenmatz nichts, behutsam wurde er in ein Tuch gehoben, gewogen und schon war der Teflon-Ring am rechten Fuß des Tieres angebracht: Wär’s ein ungerades Jahr, käme der Ring nach links.
Es gibt kein drittes Küken im Nest
Die Vermutung, dass womöglich ein drittes Küken im Nest säße, konnte nicht bestätigt werden. Auch sonst hat sich nichts Ungewöhnliches wie Müll oder Unrat im Nest befunden, so dass die Aktion bereits nach wenigen Minuten vorüber war.
Durch das Auffinden beringter Tiere können im Laufe der Jahrzehnte Informationen zu Orts- und Partnertreue, Lebensdauer, Zugrouten und Todesursachen von Weißstörchen gesammelt werden. Mit diesen Daten können Storchenbetreuer Gefahren für die Weißstörche ausmachen und entsprechende Schutzmaßnahmen einleiten. Durch seinen Ring identifiziert werden konnte auf diese Weise auch der Weil der Städter Vaterstorch: Storch Leon stammt aus Knittelsheim nahe Landau in der Pfalz. Dort hat er 2020 das Licht der Welt erblickt.
Ein zweiter Horst für den Kirchturm in Merklingen steht in Aussicht
Die beiden Jungen vom Storchenturm bringen aktuell 2660 und 2720 Gramm auf die Waage – sie müssen bis zum Abflug noch an Gewicht zulegen, der dann vermutlich Mitte August erfolgen wird. Kurz darauf ziehen auch die Eltern von dannen, die womöglich nächstes Jahr aber wiederkommen könnten.
Inzwischen gehen immer wieder Meldungen von Storchsichtungen rund um Weil der Stadt beim NABU ein. Daher ist geplant, den Horst der Kirchenburg in Merklingen ebenfalls wieder in Stand zusetzen. Die Chancen sind groß, dass die Elternstörche im nächsten Jahr zurückkommen werden und dadurch eventuell weitere Storchenpaare anziehen könnten.
Ein Name für Mama Storch wird noch gesucht
Gesucht wird derweil noch ein Name für die unberingte Mutterstörchin. Wer Lust hat bei der Namensgebung mitzumachen, kann am 16. Juli auf dem Wochenmarkt beim NABU-Stand Vorschläge abgeben. Auch auf den Social-Media-Kanälen der Stadtverwaltung soll mitabgestimmt werden können.
Mehr über die Knittelsheimer Störche und die neue Beziehung zu Weil der Stadt gibt es unter: www.knittelsheim-storch.de/storch-leon-der-a7p69-hat-nachwuchs-in-weil-der-stadt/ auf der Homepage der dortigen Storchenfreunde.