Das Waldenbucher Unternehmen baut Ladeinfrastruktur in Tiefgaragen von Mehrfamilienhäusern. Ihr Ansatz: Nicht in Einzellösungen, sondern Gesamtkonzepten zu denken.
Andreas Etterer steht im Keller eines Mehrparteienhauses in Böblingen und zeigt auf einen weißen Schrank an der Wand. Was von außen unscheinbar aussieht, beinhaltet eine der Spezialitäten seines Unternehmens charge2change: das Management für die Ladeinfrastruktur für E-Autos.
Im Mai feiert das Waldenbucher Unternehmen seinen ersten Geburtstag. Es kümmert sich um die Ladeinfrastruktur für E-Autos vor allem in Mehrparteienhäusern, auf Wunsch kombiniert mit einer PV-Anlage auf dem Dach und einem dynamischen Stromtarif.
Der 38 Jahre alte Etterer ist Geschäftsführender Gesellschafter und als Elektrotechniker vom Fach. Im Jahr 2020 habe er mit einem Einzelunternehmen angefangen, im vergangenen Jahr folgte dann die Gründung von charge2change, das heute 13 Mitarbeiter beschäftigt.
Die Energiewende gestalten
Wie der Name zeigt, steckt hinter der Unternehmensidee auch eine Portion Idealismus. Es geht um eine gelingende Energiewende, mit Blick auf die E-Mobilität um das „Laden zum Wandel“ (charge2change), aber auch darum, die Menschen mit dem Wissen „aufzuladen“, wie dieser Wandel gestaltet werden könnte.
Etterer und sein Team wollen nicht in Einzellösungen denken, sondern Gesamtkonzepte entwerfen. Was damit gemeint ist, wird in der Tiefgarage des Mehrparteienhauses in Böblingen deutlich. An allen Wänden führt ein sogenanntes Flachkabel entlang, von dem aus jeder Stellplatz mit Strom versorgt werden kann.
Noch haben nur wenige Stellplätze tatsächlich eine Steckdose. Aber darum geht es auch nicht, sondern um die grundlegende Infrastruktur, die es erlaubt, bei Bedarf jeden Stellplatz schnell mit einem Ladepunkt nachzurüsten.
Ladepunkte kommunizieren miteinander
Etterer erklärt, dass es häufig noch anders herum laufe: Dass nach und nach einzelne Wallboxen installiert würden, die aber nicht – wie hier – miteinander verbunden sind. Das Problem sei dann aber: Wenn nicht alle Ladepunkte gemeinsam geregelt werden, kann es passieren, dass sie zusammen zu viel Strom ziehen. Dann überlastet das Netz und der Strom fällt aus. Das Unternehmen setze deshalb ein Lademanagement ein, bei dem die Ladepunkte, auch neue, voneinander „wissen“, und das regelt, wie viel Leistung jede Box ziehen darf.
Wer die Kunden sind
Die Idee erscheint sinnvoll, doch das Interesse an ihrem Angebot schwanke, sagt Etterer, und sei auch abhängig von politischen Förderprogrammen. So hätten sie beispielsweise den Wegfall der E-Autoförderung gemerkt. Kunden sind laut Etterer fast ausschließlich Wohnungseigentümergemeinschaften. „Wir schauen uns Häuser im Gesamtkontext an“, betont der 38-Jährige.
Dazu zählt beispielsweise, wie der Strombedarf aussieht und ob eine PV-Anlage sinnvoll sein könnte. Das Gesamtkonzept des Unternehmens sieht im Idealfall eine PV-Anlage auf dem Dach, die Ladeinfrastruktur für E-Autos im Keller und einen dynamischen Stromtarif vor.
Das Lademanagement könne dann auf Wunsch dafür sorgen, dass die Autos bevorzugt mit Strom von der PV-Anlage geladen werden oder nur dann laden, wenn der dynamische Strompreis gerade besonders niedrig ist, sagt Etterer. „Wir haben in dem Sinn kein eigenes Produkt, sondern bedienen uns an dem, was auf dem Markt vorhanden ist und führen das zusammen“, bringt er die Unternehmensidee auf den Punkt.