Wie kann ein Lehrer einer Klasse voller Schüler mit individuellen Bedürfnissen, Stärken und Schwächen gerecht werden? Ein junges Unternehmen aus Esslingen arbeitet an einer Lösung.
Manche Schüler sind gut in Mathe, andere in Deutsch oder Biologie. Manche haben einen Migrationshintergrund und müssen Deutsch erst noch lernen und wieder andere haben Lernbeeinträchtigungen wie ADHS oder Dyslexie. Alle sitzen zusammen in einer Klasse und müssen auf denselben Wissensstand gebracht werden. Und nur ein Lehrer oder eine Lehrerin soll das im jeweiligen Fach bewerkstelligen? Es ist das bekannte Problem der sogenannten heterogenen Schulklassen. Eine schwierige Aufgabe, bei der doch immer wieder Schüler auf der Strecke bleiben. Der Esslinger Elias Perez will das ändern.
Perez und sein Co-Gründer Teoman Köse wollen dieses Problem mithilfe von künstlicher Intelligenz lösen. Sie haben zusammen das Start-up Skulio gegründet. Aber woran genau arbeiten die beiden, um die Heterogenität in Schulklassen in den Griff zu bekommen? „Wir entwickeln eine KI-Lösung zum schnellen Erstellen von differenzierten Unterrichtsmaterialien“, erklärt Perez. Konkret bedeute das: Sie entwickeln ein Programm, mit dem Lehrer schnell Lernblätter und Tests erstellen können, die unterschiedliche Hilfestellungen bieten und so jeden Schüler mitnehmen sollen. So kann bei einem Nichtmuttersprachler das Arbeitsblatt zusätzlich eine Übersetzung beinhalten oder die Aufgaben werden in einfacheres Deutsch übersetzt.
In zwei Minuten passgenaue Arbeitsblätter erstellen
Dabei kommt der 24-jährige Perez, der inzwischen in Köln lebt und arbeitet, gar nicht aus dem Bildungsbereich, sondern hat Management studiert und Teoman Köse ist aus dem IT-Bereich. „Die Idee ist in einem Seminar an der Uni entstanden“, erzählt Perez. Er habe nach Märkten gesucht, die ihn interessieren. „Für mich ist der Bildungsbereich der wichtigste und quasi die Grundlage für fast alles. Und dieser Markt hat viele Probleme, die noch nicht gelöst sind – beispielsweise die Überlastung der Lehrkräfte“, sagt er.
Das Skulio-Programm, an dem man mit der Unterstützung von Pädagogen arbeite, sei kein KI-Chatprogramm wie ChatGPT, sondern der Lehrer oder die Lehrerin fülle Schritt für Schritt Eingabefelder aus. Zu viel wolle er vor der Markteinführung aber nicht verraten. „Das Ausfüllen dauert pro Arbeitsblatt etwa zwei bis fünf Minuten“, sagt Perez. Aber was ist mit sogenannten KI-Halluzinationen, bei der die Software in Ermangelung einer passenden Antwort Ergebnisse einfach erfindet? Die KI sei laut Perez zu Lernzwecken mit Unterrichtsmaterialien gespeist worden. Und der letzte prüfende Blick, ob alles seine Richtigkeit hat, obliege natürlich trotzdem dem Lehrer oder der Lehrerin. Die Software diene nur der Unterstützung bei der Unterrichtsvorbereitung.
Sechsstellige Fördersumme für Esslinger Gründer
Mit ihrer Idee konnten die beiden Gründer sich im Rahmen des „EXIST-Programms“ für Gründerinnen und Gründer des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie bereits eine sechsstellige Fördersumme sichern. Den genauen Betrag dürfe Perez nicht nennen.
„Ein Stückweit leidet auch das Privatleben.“
Elias Perez über die Arbeitsbelastung als junger Gründer
Ist das nicht ganz schön viel Druck für den mit 24 Jahren noch recht jungen Geschäftsmann und seinen 23-jährigen Co-Founder Teoman Köse? „Man lernt mit Druck umzugehen“, sagt Perez. „Und eine relativ hohe Risikobereitschaft muss man als Gründer ohnehin mitbringen.“ Man habe halt nicht um 16 Uhr Feierabend und sei eigentlich immer mit dem Kopf bei der Arbeit. „Die Belastung ist schon da. Ich arbeite in der Woche 60 Stunden plus auf jeden Fall“, sagt der 24-Jährige. „Ein Stück weit leidet auch das Privatleben. Aber wir versuchen regelmäßig Sport zu machen und was mit Freunden zu unternehmen. Es liegt letztlich an einem selbst, wie man versucht, es zu handhaben.“
Im Frühjahr kommenden Jahres soll es dann losgehen. „Wir sind derzeit im Gespräch mit 30 bis 50 Schulen, die konkret Interesse haben“, sagt Perez. Und die Erwartungen und Ziele sind hoch: „Wir wollen bundesweit und langfristig auch international expandieren.“ Aber erst einmal kommt die Markteinführung: Denn vorerst bleibt abzuwarten, ob die Software von Schulen und Lehrkräften angenommen wird.