Jetzt ist Zeit für die Kartoffelernte: Den Traktor ist Christian Alber früher auf Papas Schoß gefahren, jetzt fährt er schon lange selbst. Foto: Fritzsche

Was machen eigentlich Landwirte in den Sommerferien, wenn alle anderen in den Urlaub fahren? Christian Alber aus Filderstadt-Sielmingen erzählt, wie er und seine Familie die Sommerferien auf dem Hof verbringen.

Urlaub ist im Sommer nicht drin. Das schickt Christian Alber gleich voraus. „Vielleicht mal spontan ein Wochenende, wenn man sich abspricht.“ Aber eigentlich nicht, denn: „Wir ernten so gut wie jeden Tag. Wir pflanzen und säen jede Woche etwas. Wir verkaufen jede Woche, und wir haben Kunden, die wir jede Woche beliefern.“ Heißt also: Es gibt mehr als genug zu tun für die Albers und ihre Mitarbeiter. Jedes Paar Hände, das nicht mit anpacken kann, fehlt.

 

Die Albers aus dem Filderstädter Ortsteil Sielmingen bauen im Familienbetrieb 40 verschiedene Kulturen an, die sie als Direktvermarkter weiter verkaufen. Derzeit werden Kartoffeln geerntet. In der dunklen, kühlen Lagerhalle warten die großen Kisten aus Holzlatten darauf, befüllt zu werden. Auf den Feldern ist der Traktor unterwegs, hinten drauf sitzen Christian Albers Eltern und ein Mitarbeiter. Sie nehmen die Kartoffeln in Empfang, die die Erntemaschine nach oben befördert. „Nach den Kartoffeln kommt das Wintergemüse“, erzählt Christian Alber. „Zuckerhut, Kraut, danach das Wurzelgemüse, also Karotten und Sellerie.“

„Uns war auf den Feldern nie langweilig“

Erst Ende September werde es wieder etwas ruhiger, erst dann fahren Albers Eltern ein paar Tage in den Urlaub. Und wie sieht es mit ihm selbst aus? „Mir fehlt gerade der Urlaub nicht“, sagt der 20-Jährige. „Ich bin im vergangenen Januar in den Betrieb eingestiegen – in diesem ersten Jahr will ich bei allem dabei sein und alles mitbekommen.“ Zwar habe er schon immer im Betrieb der Familie mitgearbeitet. Jetzt aber, da er ganz offiziell mit eingestiegen ist, „ist es schon noch einmal anders. Man übernimmt Verantwortung, trifft Entscheidungen, man plant und organisiert.“

Der Urlaub, erzählt er weiter, habe ihm und seinen Brüdern aber auch sonst nie gefehlt. „Als wir Kinder waren, sind meine Eltern manchmal kurz vor der Kartoffelernte mit uns ein paar Tage weggefahren.“ Was die Mitschüler erzählten, von mehrwöchigen Strandurlauben am Meer, das hat er nie vermisst. „Die haben immer erzählt, wie es ihnen sonst zuhause langweilig war, weil sie nicht wussten, was sie machen sollten. Wir waren dagegen jeden Tag draußen auf den Feldern, auf dem Hof. Mir und meinen Geschwistern war in den Ferien nie langweilig.“

Es ist eine große Begeisterung für sein Tun zu spüren, wenn Christian Alber erzählt. Für ihn bestand nie Zweifel, dass er in den Familienbetrieb einsteigen will. „Mein Opa hat immer gesagt: Bist du dir sicher, Christian? Aber ich war mir sicher.“

Der Sommer und die Erntezeit seien eine spannende Zeit, „weil man sieht, was man das ganze Jahr gemacht hat, was dabei herauskommt.“ Allerdings: „Da kann ich nichts mehr reißen, da ist ja schon alles im Boden.“ Ganz anders verhält es sich mit der Zeit um Pfingsten – auch eine typische Urlaubszeit, für Christian Alber aber die spannendste Zeit im Jahr: „Da kommen die meisten Kulturen in den Boden. Das sind entscheidende Wochen. Wenn das Wetter gut ist und wir richtig gut säen können, dann wird das was.“

Auch im Winter gibt es viel zu tun

Zwar hat Christian Alber kein Problem, auf den Sommerurlaub zu verzichten. Ein paar Tage Skifahren im Winter seien „aber durchaus schön“. Das sei eigentlich auch gut möglich – natürlich nach Absprachen mit der Familie. Denn: „Wie mein Opa sagt: Ein Winter wie früher ist nicht mehr.“ Das soll heißen: Heute gibt es auch Aufgaben für die Landwirte, die im Winter erledigt werden wollen, auch längst nach der Ernte im Spätsommer und Herbst. „Wir ziehen Ackersalat im Gewächshaus“, berichtet der 20-Jährige. „Ab Januar richten wir die Felder für die neue Aussaat her. Und im Februar fangen wir an zu pflanzen.“ Dann beginnt auch schon der Frühling, und auf den Felder fängt es an auszutreiben.

„Ich finde es faszinierend, wie das funktioniert“, sagt Christian Alber. „Ich lege ein kleines Samenkorn in die Erde, dann wächst daraus etwas und irgendwann ist daraus eine große Karotte geworden. Und ich kann einiges tun, damit das gut klappt.“

Landwirte fahren selten in den Urlaub

Ausbildung
Christian Alber hat seine Ausbildung zum Gemüsegärtner 2023 abgeschlossen. Im Januar 2024 ist er in den Familienbetrieb eingestiegen, der „Gemüsetraktor Alber“ heißt. Drei Generationen der Familie arbeiten im Betrieb mit.

Umfrage
Laut einer Umfrage des Statistikportals Statista 2018 waren 34 Prozent der befragten Landwirte einmal im Jahr im Urlaub, und genau so viele, ebenfalls 34 Prozent, sagten, sie waren kein einziges Mal im Urlaub. 21 Prozent waren zweimal im Urlaub, sieben Prozent dreimal. Über die Länge des genommenen Urlaubs ist nichts bekannt.