Zwei Langohren bringen im neuen Stück der Esslinger Jungen WLB auf dem „Planet der Hasen“ das Thema Klimawandel für Kids ab acht Jahren überaus pfiffig auf die Bühne.
Die Hasen wackeln mit ihren Puschelschwänzchen, rümpfen die Schnäuzchen, schnüffeln, schnuppern und mümmeln mit ihren Hasenzähnen. So weit, so Hase. Aber die beiden Langohren, die im neuen Stück „Planet der Hasen“ der Esslinger Jungen WLB jede Menge Schabernack treiben, tragen obendrein schnieke Anzüge und pflegen ein Luxusleben zwischen Pool und Pediküre mit 4D-Unterwasser-Videospielen, Marmeladenbrot-Streich-Roboter und Gummibärchen satt. Alles „krass“ und „cool“ also.
Bis die beiden Mümmelmänner eines Tages erkennen, dass ihr Planet dieses Hasen-Schlaraffenland so nicht mehr unbegrenzt aushält: Genau zehn Tage haben Hase 1 und Hase 2 noch, bevor der Planet explodieren wird. Wie konfrontiert man Kinder ab acht Jahren mit hochkomplexen Themen wie ungezügeltem Konsumverhalten, Überkommerzialisierung, globaler Ungerechtigkeit und weltweit gefährdeter Natur, mit Klimawandel, Nachhaltigkeit und Umweltschutz?
Können zwei Hasen die Welt retten?
Tina Müllers Theaterstück „Planet der Hasen“, das nun an der Jungen WLB gespielt wird, schafft das auf eine beeindruckende Art und Weise: Ohne Schreckensbilder, ohne Drohendes und Beklemmendes, dafür mit überbordender Fantasie, kunterbunt, spielerisch und lustig und ganz nah dran am kindlichen Leben.
Der Countdown für den Planeten der Hasen läuft. Gemeinsam machen sich die beiden Tiere Gedanken. Sie überlegen sich unterschiedliche Strategien und entwickeln erste Lösungsansätze, wie sich die drohende Katastrophe vielleicht doch noch abwenden lässt. Dabei wird die ganze Bandbreite der Positionen in der aktuellen Debatte um den Klimaschutz gestreift: Einfach-Weiter-So! Oder das Schicksal ignorieren, indem man die Augen vor der Realität verschließt – und sich im Garten eingräbt. Da wird mit geknickten Hasenohren auf das vermeintlich Unausweichliche gewartet. Und da wird versucht, panisch mit dem Fahrstuhl ins Weltall abzuhauen. Hase 1 und Hase 2 spitzen die Löffel und kommen ins Philosophieren über das „Alles-Haben-Wollen“, die Schuld an dem ganzen Schlamassel und die Frage, was es eigentlich für ein gutes (Hasen-)Leben überhaupt braucht. Wenn zwei Hasen alleine nichts ausrichten können, könnten sie ja vielleicht eine Maschine erfinden, die alle Probleme dieser Welt auf einmal löst. Sie könnten aber auch die große Gier, „dieses schreckliche, grausame Ungeheuer, das den Planeten frisst“, besiegen. Und vor allem könnten sie „nicht mehr mithoppeln“, sondern sich mit anderen Tieren zusammentun, gemeinsam stark sein und die Welt retten.
Improvisationsfreudige Hauptdarsteller
Tina Müllers kluger Theatertext mit seiner klaren und durchaus plakativen Botschaft wird nicht umsonst immer wieder sowohl an Profi- wie auch an Amateurtheatern auf die Bühne gebracht. Regisseurin Laura Tetzlaff, Leiterin der Jungen WLB, hat ihn pointiert und auf den Punkt, ausgesprochen pfiffig, einfallsreich und unterhaltsam in Szene gesetzt. Dazu tragen auch das aufs Liebevollste ausgestattete Bühnenbild von Katharina Müller mit einem grandiosen Kuscheltier-Jackett, Winkehasen und zu Hasenohren gefalteten Badetüchern sowie die kurzen Songs und der „Hasen-Hasen“-Jingle von Timo Willecke bei. Die beiden Hasendarsteller, Felix Albers und Daniel Großkämper, sind ausgesprochen spiel- und improvisationsfreudig auf der Bühne unterwegs und machen in ihrem turbulenten Auftritt sehr deutlich, dass nicht nur Hase 1 und Hase 2, sondern auch jedes Kind etwas tun kann, damit auch in Zukunft ein gutes Leben nicht nur auf dem Planeten der Hasen, sondern auch auf diesem möglich ist. Man muss nur wollen.
Weitere Vorstellungen von „Planet der Hasen“ gibt es am 28. März, 11. April, 10. Mai und 4. Juli in der Jungen WLB.