An der Nähmaschine fühlt sie sich wohl – aber Maggie Reimann schneidert nicht nur Kostüme fürs Theater. Foto: Eibner-Pressefoto/Andreas Ulmer

Es ist der Traum vieler: Klamotten selbst schneidern. Die 27-Jährige macht das längst – nun lernt sie, wie sie aus Schauspielern Schafe macht. Ihre eigene Mode ist auch „filmreif“.

Die Magie eines Theaterstücks lebt nicht nur von der Geschichte oder den Schauspielern. Auch die Kostüme tragen einen großen Teil zur Bühnenatmosphäre bei. Das Staatstheaters Stuttgart arbeitet deshalb mit einer spezialisierten Theaterschneiderei zusammen. Dort macht Maggie Reimann derzeit eine Ausbildung zur Damenschneiderin. Aber das ist längst nicht alles, was es über diese junge Frau zu sagen gibt. Sie lebt nicht nur einen Traum vieler.

 

Zu diesem Job gelangt ist die Maichingerin durch Zufall und Glück. Das Nähen gehört schon seit Jahren zu ihren Leidenschaften. Aber nicht nur. „Ich mag eigentlich alles, was mit Handarbeit zu tun hat“, erzählt sie. „Nähen, sticken, häkeln, basteln.“ Unter anderem näht sich Maggie Reimann schon seit ihrer Schulzeit ihre Klamotten selbst.

Als sie sich überlegte, was sie werden will – half tatsächlich eine Beratung Arbeitsamt. Die Experten machten die 27-Jährige auf eine Ausbildung zur Damenschneiderin aufmerksam. Das Besondere: Die Ausbildung wurde vom Staatstheater Stuttgart angeboten. „Ich dachte, das probier‘ ich mal.“

Maggie Reimann reichte aber keine klassische, schriftliche Bewerbung ein. „Ich habe meine selbstgenähten Klamotten fotografiert und ein Video gedreht“, erzählt sie. Diese kreative Bewerbung überzeugte die Ausbildungsschneiderei – Maggie Reimann bekam am Ende die Stelle.

Den Zylinder hat die 27-Jährige selbst gemacht. Foto: Eibner-Pressefoto/Andreas Ulmer

Mittlerweile befindet sie sich im dritten Lehrjahr – und hat ihre Entscheidung nicht eine Sekunde bereut. „Ich wollte mein Hobby eigentlich nie zum Beruf machen, aus Angst, dass es mir dann keinen Spaß mehr macht“, gibt sie zu bedenken. Aber diese Sorge nahm ihr sozusagen das Erleben: „Aber ich liebe alles an dieser Arbeit.“

Aktuell lernt Maggie Reimann vor allem, wie man Alltagskleidung näht. Im ersten Lehrjahr durfte sie einen Rock schneidern. Im zweiten Jahr eine Hose mit Bügelfalte und Schlag. Sie weiß, wie man Kragen verarbeitet und Stoffe so bügelt, dass sie in Form bleiben. Oder wie man den Stoff durch sogenannte Wattestopferei in Form bringt. „Wir lernen sehr viel Handarbeit“, so Maggie Reimann. „Einmal im Monat gibt es aber Werkstattunterricht, wo wir mit Maschinen arbeiten dürfen.“

Inspiriert von den Habsburgern und Kaiserin Elisabeth: Maggie Reimans eigene Mode. Foto: Eibner-Pressefoto/Andreas Ulmer

Immer wieder bekommen aber auch die Azubis Aufträge aus dem Staatstheater oder aus der Staatsoper JOiN; die „Junge Oper im Nord“. Maggie Reimann hat inzwischen schon an mehreren Kostümen mitgearbeitet. „Es ist aber selten, dass ein Kostüm wirklich zu 100 Prozent von einem selbst kommt“, erklärt sie. „Meist arbeitet man daran, und später macht dann jemand anders weiter.“

Die Ideen für die Kostüme kommen übrigens nicht aus der Schneiderei, sondern von den Kostümdesignern. Diese legen den Schneidern ihre Skizzen und Fotografien vor, nach denen die Kostüme gestaltet werden sollen. „Wir kriegen außerdem eine Liste mit Infos, wie das Stück heißt und was die Rolle verkörpern soll“, erklärt Maggie Reimann.

Zu den kuriosesten Kostümen, an denen sie bisher mitarbeiten durfte, gehörten Schafskostüme für das Stück „Die Farm der Tiere.“ Hier trugen die Männer und Frauen Kleider mit Reifröcken aus elastischen Metallstangen. An diesen Reifröcken wurden mit Klettstreifen „Stoffbobbel“ befestigt. „Die Schafe sollten nämlich in einer Szene geschoren werden“, schmunzelt Maggie Reimann. „Und so konnte man diese Bobbel einfach abreißen.“

Obwohl Maggie Reimann früher gar keinen großen Bezug zum Theater hatte, ist sie inzwischen voll in dieser Welt angekommen. „Das ist schon so ein eigener Kosmos“, sagt sie. „Da arbeiten sehr positiv spezielle Menschen, die alle in ihrer eigenen Welt leben und ihren eigenen Stil haben.“ Sie selbst passe da gut rein – denn auch Maggie Reimanns Stil ist sehr außergewöhnlich. Bei ihrer eigenen Kleidung orientiert sie sich am Stil der Habsburger und der österreichischen Königin Elisabeth. Glockenröcke, große Puffärmel, lange Mäntel, Hüte. Zu ihrem Repertoire gehört sogar ein Zylinder, den Maggie Reimann im Hutladen Sutterer in Aachern unter der Anleitung eines Kollegen selbst angefertigt hat. „Ich finde die Sachen aus dieser Zeit einfach wunderschön anzuschauen“, sagt sie. „Kaufen kann man all das nicht – also mach ich es eben selbst.“