Eine Einbruchsserie in Schönaich geht auf das Konto von Jugendlichen und Heranwachsenden. Vor dem Richter in Böblingen gestehen sie.
Langeweile, Alkohol und jede Menge Drogen: Es war eine toxische Mischung, die im Herbst und Winter vergangenen Jahres zu einer Einbruchsserie mit sechs Geschädigten in Schönaich führte – bis drei Verdächtige in flagranti erwischt und große Teile des Diebesgutes sichergestellt werden konnten.
Der Jüngste war mit 17 der Rädelesführer
Vor dem Böblinger Amtsgericht räumten die jugendlichen und heranwachsenden Angeklagten mit ausländischen Wurzeln am Donnerstag alle ihnen zur Last gelegten Taten vollumfänglich ein. Der Jüngste des Trios bleibt auch unter Aufrechnung vorheriger Straftaten in Haft, die beiden anderen kommen vorläufig auf freiem Fuß – gegen Bewährungsauflagen: Vor allem ihre Schul- und Arbeitsbiografien müssen sie in geordnetere Bahnen lenken.
Schwierige Biographien zwischen Flucht und Adoption
17, 18 und 20 Jahre alt waren die drei aus Rumänien, Syrien und Brasilien stammenden jungen Männer mit Biografien zwischen Pflegefamilie, Flucht und Adoption zum Tatzeitpunkt. Die Jugendgerichtshilfe machte auch bei den beiden älteren zum Teil „massive Reifeverzögerungen“ aus, die auch bei ihnen für eine Anwendung des Jugendstrafrechts sprächen. Beim jüngsten und ältesten Täter konstatierte das Gericht schädliche Neigungen bis hin zur erhöhten kriminellen Energie. Auf Nachfrage von Richter Ralf Rose, wie sie sich ihr weiteres Leben vorstellten, blieb vor allem der Ältere, seit einiger Zeit obdachlos, eher wortkarg. Einzig der Mittlere des Trios kann einen Schulabschluss nachweisen, arbeitet im betreuten Wohnen gut mit und strebt nach verschiedenen Gelegenheitsjobs ernsthaft einen Ausbildungsplatz an. Freiwillige Drogentests blieben bei ihm zuletzt ohne Befund.
Mit brachialer Gewalt eine Kiosktür eingetreten
Ganz anders im Tatzeitraum September bis Dezember 2021. Es begann mit Einbruchsversuchen im Schönaicher Jugendhaus UrWerk, wo die Täter zwar nicht erfolgreich waren, aber einigen Sachschaden anrichteten. 300 Euro Beute machten sie hingegen bei einem Autohaus. Im Dezember setzten sie, nach eigenen Angaben angetrunken und unter Drogeneinfluss stehend, ihre Diebestour bei einem Kiosk in der Bahnhofstraße fort. Mit brachialer Gewalt wurde eine Glastür eingetreten, die bis heute aufgrund Lieferschwierigkeiten noch nicht wieder adäquat ersetzt werden konnte.
Auf mehr als 10 000 Euro bezifferte der als Zeuge geladene Betreiber den Gesamtschaden einschließlich entwendeter Zigaretten und Wasserpfeifen. Zwar habe die Versicherung den Betrag erstattet, doch müsse er jeden Cent hart verdienen. Eine Aussage, die erst den ältesten der drei Täter und dann kleinlaut auch die beiden anderen zu spontanen Entschuldigungen veranlasste.
Schuhspuren und Fingerabdrücke führen zum Rädelesführer
Aufgeflogen ist das Trio nach drei weiteren Einbrüchen in der Vorweihnachtszeit bei zwei Schnellimbissen und einem Friseursalon. Durch Fingerabdrücke und Schuhspuren vom ersten Einbruchsort war die Polizei bereits auf der Spur des jüngsten, der schon sechsmal vorher straffällig geworden war. Noch in der Nacht erfolgte eine polizeiliche Durchsuchung in dessen Schönaicher Unterkunft einer Jugendsozialhilfeeinrichtung. Fündig wurden die Ermittler dort im Garten, wo sie unter anderem die aufgebrochenen Geldkassen und Sporttaschen mit Diebesgut sicherstellen konnten.
Alle Jugendhilfeangebote ausgeschöpft
Zweieinhalb Jahre Haft forderte die Staatsanwaltschaft für den als Rädelsführer identifizierten Jüngsten, zwei Jahre gab’s als Urteil. Ohne Bewährung: Weil er, bei dem mittlerweile alle Jugendhilfeangebote ausgeschöpft sind, erst kürzlich aus einer geschlossenen Jugendeinrichtung ausgebrochen war und seitdem wieder in U-Haft sitzt.
Der Mittlere muss 500 Euro Geldstrafe berappen; er steht ein Jahr lang unter strenger Beobachtung und wird an die Suchthilfe überstellt. Der Älteste erhielt die geforderten zehn Monate auf Bewährung zusammen mit 80 betreuten Arbeitsstunden. Die Bewährungsstrafe steht unter der Auflage, Schul- oder Arbeitsnachweise beizubringen sowie regelmäßige negative Drogentests.