Die Junge Bühne Sindelfingen eröffnet am 24. Juni die Biennale mit der Rockoper „Die schwarze Mühle“. Das Projekt stellt alle bisherigen Produktionen des Theaterensembles in den Schatten.
Die diesjährige Biennale Sindelfingen wird rocken. So viel ist jetzt schon klar. Der Grund dafür ist das neueste Projekt der Jungen Bühne Sindelfingen. Das vor fünf Jahren gegründete Theaterensemble inszeniert den Urstoff der Krabat-Sage in Form einer Rockoper. „Die schwarze Mühle“ wird dabei wohl alle bisherigen Produktionen der Truppe in den Schatten stellen.
Insgesamt 104 Mitwirkende, geschätzte Produktionskosten von rund 230 000 Euro, ungezählte geleistete (und noch zu leistende) Arbeitsstunden, zwei Chöre, eine Rockband, ein Tanzensemble, ein voll animiertes Bühnenbild und ein international erfolgreicher Metal-Keyboarder als musikalisches Mastermind – das sind die Eckdaten dieses bisher größten Projekts der Jungen Bühne.
Fasziniert vom „sorbischen Faust“
Die kreativen Köpfe dahinter sind Ensemble-Chef Ingo Sika, der Opernsänger Daniel Fix sowie der Aidlinger Profi-Musiker und Produzent Oliver Palotai. „Die Idee liegt schon zehn Jahre zurück“, erzählt Sika, wie er im Jahr 2013 auf den Krabat-Liederzyklus des bekannten Gothic-Rock-Sängers Alexander Spreng aufmerksam wurde. Fasziniert von dieser Version nahm sich der hauptberuflich als Zahnarzt tätige Regisseur und Schauspieler vor, den auch als „sorbischen Faust“ bezeichneten Stoff in einer eigenen Fassung auf die Bühne zu bringen.
Die Idee reifte weiter in seinem Kopf. Im Jahr 2017 gewann er Oliver Palotai, den Keyboarder der Symphonic-Metal-Band Kamelot, für sein Vorhaben. „Aber als wir dann loslegen wollten, bremste uns die Pandemie aus“, erzählt Sika, der selbst schon in Metalbands gesungen hat. Im letzten Sommer wurden die Pläne konkret, seit Februar läuft die heiße Probenphase.
Szenenbild in Form von düsteren Animationen
Um der Inszenierung noch eine weitere Dimension hinzuzufügen, holte Sika einen ehemaligen Bandkollegen an Bord, der als Künstler in Berlin lebt und arbeitet. Es ist der in Deufringen aufgewachsene Andy Märker, der für das Szenenbild Animationen in düsterer Scherenschnitt-Optik gestaltet hat.
Daniel Fix kümmert sich um die Solo-Stimmen und die beiden Chöre, von denen einer auf und der andere abseits der Bühne eingesetzt wird. Der ehemalige Aurelius-Sängerknabe hatte bisher nur wenig Berührung mit den teils animalisch anmutenden Stilmitteln des Metal-Gesangs. Amüsiert berichtet er, wie Bennet Weber, der den jungen Krabat spielt, ihm bei einer Probe sein „Growling“ vorführte, eine kehlig-knurrende Gesangstechnik, wie sie zum Beispiel beim Death Metal vorkommt. „Das ist schon beeindruckend, was da für Töne aus diesem Schlacks rauskommen“, grinst Daniel Fix.
Ingo Sika: Inszenierung ist ausdrücklich kein Musical
„Die schwarze Mühle“ sei ausdrücklich kein Musical, sondern eine Rockoper, betont Sika, der in dem Stück den dunklen Meister spielt. „Ich bin wirklich schon gespannt, wie das vom Publikum angenommen wird“, sagt der Sindelfinger. Hier treffen Symphonic- und Gothic-Rock auf mittelalterliche Einflüsse. Dazwischen mischen sich auch sanftere Balladenklänge.
Eine Kostprobe zu einem der insgesamt 13 Songs (die auch als CD erhältlich sein werden), gab es bei einem Pressetermin zu hören. Hier war erstmals das Video zum Song „Gesang der Schwäne“ zu sehen. Als Gastsängerin ist darin Oliver Palotais Frau Simone Simons zu sehen, die in der Metal-Szene als Sängerin der Band Epica bekannt ist.
Da die Junge Bühne mit ihrem Förderantrag auf Landesmittel keinen Erfolg hatte, fehlt die ursprünglich angedachte Orchesterbegleitung. „Also habe ich die Orchesterpassagen alleine in meinem Aidlinger Studio aufgenommen“, sagt Palotai. Diese werden jetzt bei den Aufführungen als sogenannte „Backtracks“ zur Live-Musik eingespielt.
Ohne ehrenamtlichen Einsatz müssten Tickets 100 Euro kosten
Bei dem Pressetermin sind Vertreter der Kulturstiftung der Kreissparkasse und der Altdorfer Mühle dabei, die das Projekt finanziell beziehungsweise mit eigens dafür kreierten Müslis und Brotbackmischungen unterstützen. Im Gespräch mit den Machern wird deutlich, warum dieses Mammutprojekt ohne Fördergelder nicht zu stemmen wäre. 200 000 Euro schießt die Stadt Sindelfingen zu, den Restbetrag von rund 30 000 muss das Ensemble selbst stemmen.
Eine dreiviertel Million Euro würde die Produktion laut Ingo Sika kosten, wenn man den vielen Helfern auch nur einen Mindestlohn bezahlen würde. Nur mit dem ehrenamtlichen Einsatz so vieler Beteiligter sei es möglich, dass die Junge Bühne sich überhaupt an ein Projekt dieser Größenordnung wagen kann. „Die Tickets müssten sonst 100 Euro kosten“, rechnet Ingo Sika vor, warum der Eintrittspreis mit bis zu 30 Euro tatsächlich eher moderat angesetzt sei.