Die TV-Serien-Debütantin: Julia Roberts in Sam Esmails Psychothriller „Homecoming“ Foto: Amazon Prime Video

Julia Roberts gibt in Sam Esmails Psychothriller „Homecoming“ ihren Einstand als TV-Seriendarstellerin. Das Protokoll einer Begegnung mit einem seltsamen Paar.

London - Ein bisschen ist das wie in dem Film „Notting Hill“. Eigentlich wurde der Redakteur nur nach London geschickt, um zu berichten, welche Serien Amazon in nächster Zeit plant, doch plötzlich sitzt er Julia Roberts und Sam Esmail gegenüber, die zusammen das Seriendrama „Homecoming“ gedreht haben, das von Freitag, 2. November, an bei Amazon Prime Video verfügbar ist.

Herr ­Esmail, was haben die Serie „Homecoming“ und die Serie „Mr. Robot“ gemeinsam – ­abgesehen natürlich davon, dass Sie hinter beiden stecken?

Roberts: Da bleibt aber nicht viel übrig, wenn man Sam abzieht.

Esmail: Mir war anfangs gar nicht klar, dass es Gemeinsamkeiten gibt, habe dann aber gemerkt, dass es in beiden Serien um Menschen geht, die beginnen, ihre Realität infrage zu stellen, um Menschen, die ein bisschen den Boden unter den Füßen verlieren. Und in beiden Serien geht es um Paranoia. Ich glaube, diese Paranoia, die ich darstelle, ist sehr prägend für unsere Zeit. Das hat natürlich auch mit der technologischen Aufrüstung unseres Alltags zu tun.

Frau Roberts, Sie spielen  . . .  

Roberts: Eigentlich wäre es mir ja lieber, wenn Sam das ganze Reden übernehmen könnte. Er ist so verdammt schlau.

Dann die Frage an Sie, Herr Esmail. Julia Roberts spielt in „Homecoming“ eine Frau, die bei einem Projekt zur Wiedereingliederung von Soldaten arbeitet. Der Zuschauer weiß anfangs aber sehr wenig über das Projekt und diese Frau. Welche Vorgaben haben Sie Julia Roberts für die Darstellung der Heidi Bergman gegeben?

Esmail: Julia Roberts leitet man am besten an, indem man einen großen Bogen um sie macht. Nein, wirklich: Man muss ihr nicht sagen, was sie tun soll. Wir haben uns vor den Szenen immer nur unterhalten. Dann hat sie einfach gemacht, was sie macht, und es war immer großartig.

Roberts: Dazu muss ich jetzt doch etwas sagen: Sam ist so präzise. Wenn er mir etwas erklärt, habe ich immer das Gefühl, ich weiß ganz genau, worauf er hinaus will. Er ist so verdammt schlau. Aber das habe ich ja schon gesagt.

Frau Roberts, Sie haben sich ziemlich viel Zeit für Ihr Seriendebüt gelassen. Gibt es einen großen Unterschied zwischen dem Drehen eines Kinofilms und einer TV-Serie?

Roberts: Das kann ich nicht wirklich sagen. Ich glaube nicht, dass ich in einer typischen Serie mitgespielt habe. Die Erfahrung war aber jedenfalls sehr intensiv. Es kam mir eher wie ein langer Film vor, in dem ich viel Zeit bekam, meine Figur zu entwickeln, aber auch viel Zeit mit dem Aufsetzen von Perücken verbracht habe. Was ich aber gelernt habe ist: Fernsehen ist nichts für Menschen mit schwachen Nerven.

Aktuelle TV-Serien sind voller komplexer Charaktere. Glauben Sie, dass davon besonders Frauen profitieren, weil sie im Fernsehen nun anspruchsvollere und vielschichtigere Rollen spielen dürfen als im Kino?

Roberts: Da fragen Sie die Falsche. Ich kenne mich mit Serien nicht besonders gut aus,

Schauen Sie privat keine Serien?

Roberts: Dazu habe ich gar keine Zeit. Ich habe schließlich drei Kinder. Da bin ich oft zu geschafft, um mich noch auf komplexe Geschichten einzulassen. Ich schaue im Fernsehen meistens das, was mir mein Mann vorschlägt.

Können Sie trotzdem eine Serie empfehlen?

Roberts: Hm, mir fällt gerade gar keine ein . . .

Esmail: Aber du magst doch diese britische Dramedy-Serie „Fleabag“!

Roberts: Stimmt! „Fleabag“ ist so großartig, eine tolle Serie. Die habe ich wirklich verschlungen.

Ich habe bisher nur die erste Episode von „Homecoming“ gesehen, aber . . .

Roberts: Wie bitte? Verlassen Sie sofort den Raum!

Entschuldigung, aber mehr gab es vorab nicht zu sehen.

Roberts: Ach so. Okay, Sie dürfen bleiben.

Also: Die erste Episode von „Homecoming“ ist nur 30 Minuten lang. Das ist ein eher ungewöhnlich kurzes Format für ein Seriendrama. Was ist der Grund dafür?

Esmail: So genau weiß ich das auch nicht. Es hat wahrscheinlich einfach nur damit zu tun, dass die Episoden des Podcasts von Eli Horowitz und Micah Bloomberg, auf dem die Serie beruht, auch immer 30 Minuten lang waren.

Ihre Serie hat einen ganz eigentümlichen 1970er-Jahre-Look und wirkt wie eine Hommage an Thriller von damals. Auch was den Soundtrack angeht.

Esmail: Stimmt, statt neue Musik komponieren zu lassen, haben wir einfach Stücke aus Filmklassikern von Alfred Hitchcock, Brian de Palma und Alan J. Pakula lizensiert und verwendet.

Sissy Spacek, die in „Homecoming“ ­Heidi Bergmans Mutter spielt, wurde durch de Palmas „Carrie“ berühmt . . .

Esmail: Und in einer der Szenen mit Sissy Spacek haben wir prompt Musik aus „Carrie“ verwendet.

Roberts: Ist das nicht toll: Sissy Spacek. Es hat schon etwas Einschüchterndes, gemeinsam mit ihr vor der Kamera zu stehen.

Wirklich? Ich hätte eher behauptet, mit Ihnen in einem Raum zu sein, hat etwas Einschüchterndes.

Roberts: Ach, das sagen Sie jetzt nur so.

Amazon, der Superstar und der Nerd

Event Bei einem Showcase in London hat Amazon Prime Video seine aktuellen Serienpläne vorgestellt – etwa die zweite Staffel von „The Marvelous Mrs. Maisel“ und neue Serien wie „Beat“ und „Homecoming“. Im Rahmen des Events fanden auch sogenannte Round Table statt, bei denen kleinere Journalistengruppen Fragen an die Serienmacher und -darsteller stellen konnten. Beim 8-Minuten-Interview mit Roberts und Esmail war man überraschenderweise nur zu dritt.

Personen Julia Roberts (51) wurde durch den Film „Pretty Woman“ (1990) berühmt. Für ihre Rolle in dem Drama „Erin Brockovich“ (2000) bekam sie einen Oscar. Sam Esmail (41) ist Drehbuchautor und Regisseur und gilt als Nerd. Für Aufsehen sorgte er mit seiner Serie „Mr. Robot“.

Serie „Homecoming“ ist von Freitag, 2. November, an bei Amazon Prime Video verfügbar – zunächst nur in der Originalfassung mit deutschen Untertiteln.

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: