Die Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner trägt auch in Krisenzeiten gern Rot. Oder gerade wegen der Krise? Foto: AFP/ANNEGRET HILSE

Die Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner bevorzugt im Kampf gegen die Epidemie rote Hosenanzüge. Der Stilcheck zu einer raffinierten psychologischen Kriegserklärung.

Stuttgart - Mag sein, dass in Frankreich Rotweine und Kondome gehamstert werden, während bei den deutschen Nachbarn dem nationalen Klischee entsprechend der Klopapiernotstand ausgerufen wird. Doch wenn es um die Klamotten geht, sieht es rechts vom Rhein nicht mehr ganz so peinlich aus, was vor allem an der Garderobe der Bundeslandwirtschaftsministerin liegen dürfte.

Erdbeere oder Koralle?

In der größten Krise wirft sich Julia Klöckner zur Pressekonferenz wie zum Trotze in einen farbenfrohen Hosenanzug, als könnte sie damit die Coronaviren blenden. Die Ministerin sagt angesichts leerer Supermarktregale unfassbare Sätze wie „Es ist genug für alle da“, und der Farbton ihres Sakkos changiert je nach Lichteinfall zwischen Erdbeere, Koralle und einem kräftigen Rosé aus der sonnigen Pfalz. Dazu passen der Lippenstift, das Lachen, die Streifen auf dem hellen Top. Die Kleidung wirkt hier als Muntermacher, die Signalwirkung ist eindeutig: positiv. Wir schaffen das schon irgendwie, lautet die Botschaft der rheinland-pfälzischen CDU-Politikerin und ehemaligen Weinkönigin.

Psychologische Kriegsführung

Ob sich erdbeerrote Hosenanzüge in der psychologischen Kriegsführung bewähren können, muss sich noch zeigen. Immerhin fällt man auf diese Weise angenehm auf. Anders als Frankreichs Staatspräsident Emmanuel Macron, der mit schwarzer Trauerkrawatte um den Hals „Wir sind im Krieg“ raunt. Da hilft dann auch kein Bordeaux mehr.

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