Benjamin Schmidt nimmt die Post immer gleich für zwei Stellen im Haus mit. Seinen Rollstuhl hat er dafür mit einer Ablagefläche versehen lassen. Foto: Kreissparkasse

Das Jobcoach-Projekt hilft Bodelschwingh-Schülern bei der Arbeitssuche. Die Jugendstiftung der Göppinger Kreissparkasse hat die Maßnahme nicht nur finanziert. Benjamin Schmidt hat sogar einen Arbeitsplatz in dem Geldinstitut gefunden.

Göppingen - Der Aufzug hält im ersten Stock der Kreissparkassen-Hauptstelle in der Göppinger Marktstraße. Benjamin Schmidt steigt aus und fährt mit seinem Rollstuhl in Richtung Besprechungsraum. Einem jungen Mann, der auf den Lift gewartet hat, wirft er ein freundliches „Guten Morgen, Kollege“ entgegen. Dieser erwidert den Gruß und entschwindet mit einem breiten Lächeln hinter der Fahrstuhltür. Schmidts Fröhlichkeit wirkt ansteckend. Wo auch immer der 23-Jährige in dem Geldinstitut auftaucht, geht das Stimmungsbarometer nach oben.

Und Benjamin Schmidt, den alle Welt Benni nennt, kommt rum im Haus. Der Wäschenbeurener, der wegen einer Spastik auf den Rollstuhl angewiesen ist, arbeitet im Bereich Druck und Logistik. Einmal pro Woche ist er für die Postverteilung zuständig, packt die Koffer aus, die von den Filialen kommen, sortiert die Unterlagen und bringt sie zu den richtigen Stellen. „Das macht mir Spaß und sorgt für Abwechslung“, sagt Schmidt, der an den anderen Werktagen in der Werkstatt der Lebenshilfe in Eschenbach beschäftigt ist.

Rollstuhl-Umbau für „ausgelagerten Arbeitsplatz“

Bei der Kreissparkasse besetzt er einen, wie es im Fachjargon heißt, ausgelagerten Arbeitsplatz. Nach zwei Praktika ist es so weit gewesen, dass Schmidt einen unbefristeten Vertrag unterschreiben konnte. Tina Häberle von der Personalabteilung schildert den Entwicklungsprozess: „Zu Beginn war Benni im Bereich Controlling und Finanzen beschäftigt. Dann hat das zweite Praktikum gezeigt, dass ihm die Poststelle mehr zusagt.“ Deshalb sei das Hineinschnuppern ja so wichtig, weil man dann sehe, wo es nicht funktioniere, ergänzt sie.

Damit es richtig funktioniert, ließ Benjamin Schmidt für seine „ausgelagerte Tätigkeit“ seinen Rollstuhl umbauen. „Ich nehme die Sachen für zwei Stellen immer auf einmal mit. Das ist ziemlich schwer, deshalb habe ich eine Ablagefläche gebraucht“, sagt er. So komme die Post bei der Sparkasse einmal pro Woche auf einem rollenden Servierbrett, fügt er mit einem breiten Grinsen hinzu. Und was Schmidt ganz besonders freut: „Ich werde hier als normaler Mitarbeiter gesehen und nicht als Behinderter.“ Das sei in der Werkstatt manchmal anders, was ihn ganz schön ärgere.

Ein neuer Förderer wird dringend gesucht

Ob andere junge Leute, die ebenfalls bei der Lebenshilfe tätig sind, eine ähnliche Chance wie Benjamin Schmidt bekommen, ist im Moment schwer zu sagen. Denn die Basis für seinen ausgelagerten Arbeitsplatz wurde während seiner Zeit an der Göppinger Bodelschwingh-Schule gelegt. Mit finanzieller Unterstützung der Kreissparkasse war dort 2013 das Projekt „Jobcoach“ installiert worden. Die Sozialpädagogin Mareike Weiler konnte zehn Stunden pro Woche dafür aufwenden, Kontakte zu potenziellen Arbeitgebern zu knüpfen, nach Stellen zu suchen und die behinderten Schülerinnen und Schüler bei Bedarf auch zu begleiten. Alles lief rund, so dass alljährlich etwa ein Dutzend Jugendliche vermittelt werden konnten.

Ende des vergangenen Jahres lief die Projektzeit allerdings aus, „so dass uns dieses Sprungbrett für nachschulische Maßnahmen jetzt verloren zu gehen droht“, wie Rainer Scheel, der Rektor der Bodelschwingh-Schule betont. Im Moment könne Marietta Stephan, die Nachfolgerin von Mareike Weiler, zwar noch ein Minimalprogramm fahren, weil ein Antrag bei der Spendenaktion Gute Taten erfolgreich gewesen sei. „Einen neuen Förderer, der hier richtig einsteigt, haben wir aber leider noch nicht gefunden“, klagt Scheel. Die Unternehmen hielten sich, wie er im Laufe seiner Akquisebemühungen festgestellt habe, da doch sehr zurück, fährt er fort.

„Natürlich sind unsere Schüler auf Unterstützung und auf Wohlwollen angewiesen, und es ist die Ausnahme, dass einer den direkten Weg in den ersten Arbeitsmarkt schafft. Aber: das gibt es“, sagt der Rektor. Saskia Wagner von der Jugendstiftung der Kreissparkasse bestätigt diese Einschätzung: „Wir waren alle positiv überrascht, mit welcher Offenheit und Freundlichkeit die Bodelschwingh-Schüler die Sache angehen. Das bereichert die Atmosphäre beim Arbeiten auf jeden Fall.“

David-Preis für Job-Projekt

Eine große Anerkennung für ihr vergleichsweise kleines Projekt „Jobcoach für Schülerinnen und Schüler mit Behinderung“ gab es jüngst für die Jugendstiftung der Göppinger Kreissparkasse. In Berlin wurde den Verantwortlichen der David-Preis in der Kategorie „Gefördertes/Kooperatives Projekt“ überreicht. Mit dem Preis des Deutschen Sparkassen- und Giroverbands werden besonders wirkungsvolle Initiativen und Aktionen der bundesweit rund 740 Sparkassenstiftungen ausgezeichnet.

Drei Jahre lang hat die Jugendstiftung der Kreissparkasse das Projekt „Jobcoach“ bis Ende 2015 mit insgesamt fast 60 000 Euro finanziert. Übergangsweise ist jetzt die Benefizaktion „Gute Taten“ eingesprungen. Die Bodelschwingh-Schule sucht allerdings nach wie vor händeringend nach einem neuen Förderer, der sich dauerhaft engagiert. „Wir wollen unseren Schülerinnen und Schülern weiterhin ermöglichen, passende Praktikumsplätze zu finden“, sagt der Rektor Rainer Scheel.