Von Problemen mit randalierendem Nachwuchs auch die Stadt Ludwigsburg ein Lied singen. Sie fand Lösungen, um die Situation auf dem Akademiehof zu entschärfen. Foto: Simon Granville

In Kornwestheim machen bis zu 100 Jugendliche regelmäßig Krawall in der Stadtbücherei. Schnelle Lösungen gibt es nicht.

Paukenschlag in Kornwestheim. Die Stadtbücherei macht über Mittag eine Stunde lang die Luken dicht. Nicht, weil zwischen den Bücherregalen nichts los ist. Im Gegenteil: In der Mittagspause wird die Bücherei überrannt – allerdings nicht von wissbegierigen Kornwestheimern und Kornwestheimerinnen, sondern von randalierenden, pöbelnden Jugendlichen. Die Schließung ist die Konsequenz aus monatelangen Krawallen. Teilweise bis zu 100 junge Chaoten sind in Kornwestheim auf Stress aus. Sie zerschlagen seit mehr als einem Jahr in der örtlichen Bücherei Mobiliar, beleidigen Mitarbeiter, hinterlassen Müll, zerstören Toiletten.

 

Kommunikation statt Repression

Von Problemen mit randalierendem Nachwuchs können viele Kommunen ein Lied singen. Im Marbacher Stadtteil Rielingshausen treibt eine Gang Minderjähriger ihr Unwesen. Die Stadt Ludwigsburg griff 2021 nach Ausschreitungen und wilden Partys auf dem Akademiehof zu einem drastischen Mittel – einem Verweilverbot. Mehrmals wurde der Platz mitten in der Stadt auch geräumt. Doch dann wurde statt auf Verbote auf Angebote auf dem Platz gesetzt. Statt auf Repression auf Kommunikation. Und der Plan ging weitestgehend auf.

Auch die Stadt Kornwestheim hat schon einiges versucht. Die Schulsozialarbeit wurde ebenso einbezogen wie die Mobile Jugendarbeit, Eltern wurden informiert, es gab einen Runden Tisch, die Kriminalprävention hat die Kommune beraten, Platz- und Hausverweise wurden ausgesprochen. Das alles sind wichtige Schritte, doch sie reichen, wie man sieht, nicht aus.

Angebote müssen auf den Prüfstand

Die Schließzeit wird ebenfalls nicht die Ultima Ratio sein, denn Jugendliche lassen sich nicht wegschieben oder ausschließen. Wenn man ihnen ein Angebot macht, das dem bloßen, gelangweilten Rumhängen etwas entgegensetzt, dann ist das eine gute Strategie, um Eskalationen zu vermeiden, ist Albert Scherr, der Leiter des Institutes für Soziologie an der Pädagogischen Hochschule Freiburg, überzeugt. Scherr forscht unter anderem zum Thema Jugend.

Die Schließung der Bücherei kann nur ein Versuch sein. Denn die auf Stress gepolten Randalierer werden sich in der Stadt vermutlich andere Orte suchen, um ihrem Frust ein Ventil zu geben. Stadtverwaltung und Gemeinderat müssen sich ehrlich machen und die Angebote für junge Menschen in der Stadt auf den Prüfstand stellen. Ja, Kornwestheim hat ein Jugendzentrum. Ja, es gibt einen Skaterpark und einen BMX-Track. Doch reicht das aus? Und vor allem trifft das die Bedürfnisse derer, die sich nur treffen wollen? Ohne Sport zu machen. Ohne unter Aufsicht zu sein.

Es wird ein Zugehen auf die Jugendszene brauchen – im Sinne von Dialogangeboten. Und einen langen Atem.