Rems-Murr-Kreis So können Jugendliche mitentscheiden

Von Holger Niederberger 

Die Sonnenliegen haben einzelne Jugendgemeinderäte  letzten Sommer bereits zusammengebaut. Jetzt fordern sie kostenloses Internet im neuen Bürgerpark. Foto: Gottfried Stoppel
Die Sonnenliegen haben einzelne Jugendgemeinderäte letzten Sommer bereits zusammengebaut. Jetzt fordern sie kostenloses Internet im neuen Bürgerpark. Foto: Gottfried Stoppel

Viele Städte und Gemeinden im Landkreis ermöglichen jungen Menschen, ihr Umfeld aktiv mitzugestalten. Doch welche Rechte Jugendgemeinderäte haben – und wie erfolgreich sie sind – unterscheidet sich von Ort zu Ort.

Rems-Murr-Kreis - Sie wollen mitreden und mit gutem Beispiel voran gehen, die Weinstädter Mitglieder des Jugendgemeinderats. Die 13 ehrenamtlichen Ratsmitglieder treffen sich alle drei Monate zu einer förmlichen Sitzung, um die Themen, die sie direkt betreffen, zu diskutieren und dabei eine gemeinsame Position gegenüber der Stadtverwaltung zu finden.

Die Jugendinitiative Schorndorf (JIS) fungiert als Interessensvertretung

In welcher Art und Weise die 14 bis 18-jährigen in die Stadtentwicklung eingebunden werden, variiert jedoch von Kommune zu Kommune. So schaffte sich in Schorndorf der letzte gewählte Jugendgemeinderat vor einiger Zeit quasi selbst ab, da immer weniger gewählte Ratsmitglieder zu den regelmäßigen Sitzungen kamen. Dabei waren die Jugendvertreter zuvor in einem aufwendigen Verfahren schulübergreifend gewählt worden. Der SPD-Stadtrat Marcel Kühnert forderte damals, dass eine Neueinrichtung des Gremiums „nicht ohne einen erwachsenen Ansprechpartner“ möglich sei. Kühnert war zuvor selbst Jugendgemeinderat und hatte mehr Tempo von seinen Kollegen gefordert. Alle Fraktionen hätten vor der Kommunalwahl versprochen, sich für das Jugendgremium zu engagieren und trotzdem habe sich dies über zwei Jahre hingezogen. Momentan fungiert die Jugendinitiative Schorndorf (JIS) als Interessensvertretung der städtischen Jugend. In dieser Woche nun wird die SPD-Fraktion im Gemeinderat einen Antrag einbringen, der sowohl den Senioren, als auch der Jugend „eine angemessene Mitwirkung“ sowie eine „thematische Einbindung im Vorfeld der Gremienberatungen“ sichern soll.

Ehrenamtsentschädigung als Wertschätzung

In Waiblingen gibt es wie auch in Winnenden bereits seit 1994 einen Jugendgemeinderat, dessen auf zwei Jahre gewählte Mitglieder vor allem als Kommunikatoren zwischen Jugendlichen und der Stadtverwaltung agieren. Die Stadt Winnenden zahlt ihren Jugendratsmitgliedern seit dem letzten Jahr zudem eine Ehrenamtsentschädigung, um damit den persönlichen Einsatz jedes Einzelnen anzuerkennen.

Über mangelnde Unterstützung können sich die Jugendgemeinderäte in Weinstadt derweil nicht beklagen. Hatte doch der Oberbürgermeister Michael Scharmann in diesem Jahr gemeinsam mit ihnen zu einem Neujahrsempfang ausschließlich für junge Weinstädter eingeladen. In seiner jüngsten Sitzung bilanzierte der Jugendgemeinderat denn auch die Veranstaltung durchweg positiv, jedoch „mit Luft nach oben“. Dass der Gemeinderat das Jugendgremium durchaus ernst nimmt, unterstrichen die beiden Ratsmitglieder Theo Bachteler von der SPD und Tibor Randler von den Freien Wählern mit ihrer Anwesenheit. Neben erklärenden Wortbeiträgen lobten sie auch die Arbeit der Jugendvertreter.

Jugendgemeinderat will mit gutem Beispiel voran gehen

Auf die konkrete Anfrage des Fischereivereins, ob sich die Jugendvertreter um das Thema Müll entlang der Rems kümmern könnten, forderten einige Jugendgemeinderäte, einfach einen Mülleimer aufzustellen, wo hingegen andere zu bedenken gaben, dass mit dieser Maßnahme bislang nicht legale Plätze zu legitimen Treffpunkten aufgewertet werden könnten. Als Kompromiss beschloss man schließlich, sich an der Weinstadt-Putzete mit einer öffentlichkeitswirksamen Aktion zu beteiligen und mit gutem Beispiel voran zu gehen. Ein Anliegen, das mehrfach an die Jugendvertreter herangetragen worden war, sei der Wunsch nach mehr kostenlosem Internet in der Stadt. Dabei fordern die Vertreter WLAN-Hotspots im Beutelsbacher Freibad sowie im künftigen Mitmachpark „Grüne Mitte“. „Wir müssen zeigen, dass wir die Interessen der jungen Weinstädter aktiv vertreten“, betont der Vorsitzende des Jugendgemeinderats Daniel Widmayer. Wer Verantwortung übertragen bekäme, müsse auch was daraus machen. Je ernster man seine Aufgabe nähme, umso ernster würde man selbst genommen.

Lesen Sie jetzt