Gallery-Walk mit der Kommunalpolitik: Jugendliche erklären Baubürgermeister Klaus Brenner (mit Handy) und Salz-Stadtrat Frank Albrecht, was sie sich wünschen. Foto: Simon Granville

200 Anmeldungen, mehr ging nicht. Beim Jugendforum in der Leonberger Stadthalle arbeiten junge Menschen an Projekten für sich und die Stadt. Auch Vertreter aus der Kommunalpolitik schauen sich das an.

Es hat den Anschein, als gäbe es in der Leonberger Stadthalle ein großes Konzert: Junge Menschen stehen in Scharen – und geordnet in einer Schlange bis zur Römerstraße – auf dem Bürgerplatz und warten auf Einlass. Doch mit Musik hat die Veranstaltung am Dienstagvormittag nichts oder nur wenig zu tun. Beim Jugendforum geht es um Projekte, die sich die Jugendlichen für ihre Stadt wünschen und vorstellen können. Und an denen sie mitarbeiten wollen.

 

Riesiger Andrang, das Anmeldetool muss abgeschaltet werden

Den riesigen Andrang merken auch die Organisatorinnen und Organisatoren von Jugendausschuss und Stadtverwaltung. „Vorab musste das Online-Anmeldetool abgeschaltet werden, weil bei 200 Teilnehmenden die Obergrenze erreicht war“, sagt Jugendreferent Lars Schoppe, dessen Geburtstag in diesem Jahr mit dem Jugendforum zusammenfällt. „Es war ein sehr großes Interesse da“, bestätigt Susanne Bär, Schulsozialarbeiterin an der Gerhart-Hauptmann-Realschule und beim Jugendforum zuständig für die Projektgruppe „Fitness & Sports“.

Auch Oberbürgermeister Martin Georg Cohn schaut vorbei – gleich zweimal. Am Vormittag lässt er die Jugendlichen wissen: „Leonberg braucht euch! Die Demokratie braucht euch! Ihr seid die Zukunft.“ Die Bevölkerung werde immer älter. „Und vielleicht braucht sie einen Impuls von der Jugend.“ Am Nachmittag schaut er sich gemeinsam mit Mitgliedern des Gemeinderats beim großen „Gallery-Walk“ an, was die jungen Menschen zuvor erarbeitet haben.

Begrüßung vom OB: Martin Georg Cohn heißt die Jugendlichen willkommen. Foto: Marius Venturini

Im Anschluss an des OBs Willkommensrede sowie der einleitenden Worte der Jugendausschuss-Sprecherinnen Aliya Obermann, Eha Sadeque und Deborah Yonas teilen sich die Gruppen auf. Und schon vorab ist stellenweise ziemlich klar, was die Jugendlichen haben möchten. In Susanne Bärs „Fitness & Sports“-Gruppe zum Beispiel machen Malte Frille und Felix Ronnenberg mit, beide 15 Jahre alt. Und beim Brainstorming notieren sie auf ihre Zettel – wie gefühlt zwei Drittel der anderen auch – die Forderung nach frei zugänglichen, guten Fußballplätzen. „Das ist eigentlich das, weswegen wir hier sind“, sagen sie. „Es gibt oft Dinge, die eine Weile dauern, weil es um große Projekte geht“, merkt Susanne Bär an. Dass die Gruppe so gefragt ist, liege vielleicht auch daran, „dass man hier auch kleinere, machbarere Projekte umsetzen kann“.

Sport sowie Events sind gefragt bei den Jugendlichen

Neben der Sport-Gruppe ist das Interesse für den Bereich „Events und Freizeit“ am größten. 60 Personen tragen hier ihre Ideen zusammen, im abgetrennten Teil des großen Stadthallensaals. „Feiern, Jugenddisco, ein festlicher Ball, das steht immer hoch im Kurs“, weiß Constantin Bismark, Sozialarbeiter im Leonberger Jugendhaus.

Und immer wieder Fußball. Petrit Rexhaj hat sich in die Gruppe „Meine Idee für Leonberg“ eingetragen, die im Stadthallenforum von Viktoria Würsig, Schulsozialarbeiterin an der Pestalozzischule, betreut wird. Dort bringt der 16-Jährige ein, dass die frei zugänglichen Fußballplätze nicht alle in gutem Zustand seien. Der 13-jährige Laurent Stockmaier hingegen wünscht sich, dass die Fußgängerampeln im Stadtgebiet die Zeit anzeigen, die noch zum Überqueren der Straße bleibt. Die 18-jährige Mais Alawad und ihre Freundinnen sprechen von zwei bis drei Tagen pro Woche, an denen im Leobad ausschließlich Frauen schwimmen dürfen.

Ein paar Meter weiter trifft sich die Projektgruppe „Umwelt und Nachhaltigkeit“ – ein Thema, für das sich die 13-jährigen Jakob Bosch, Ole Kasper, Marta Hein und Sofia Mpellos entschieden haben. Und aus der Runde kommen schon ziemlich konkrete Ideen: ein Nachhaltigkeitskurs für Schülerinnen und Schüler der fünften Klassen, eine erneute Müllsammelaktion mit Fokus auf der Glems oder Mülleimer mit lustiger Gestaltung, um die Menschen aufzufordern, ihren Müll auch wirklich darin zu entsorgen.

„Gallery-Walk“ schließt eine erfolgreiche Veranstaltung ab

Nach der Mittagspause und einer weiteren Projektphase ist es Zeit für die Präsentation – beim „Gallery-Walk“ im großen Saal. Stadträtinnen und -räte haben sich eingefunden. Sie sollen den einzelnen Gruppen in Zukunft als Patinnen und Paten zur Seite stehen. Außerdem dabei: Vertreterinnen und Vertreter der einzelnen Ämter bei der Stadtverwaltung, von Polizei, Feuerwehr und Katastrophenschutz, zudem der OB und Baubürgermeister Klaus Brenner. Denn nach dem Jugendforum ist es keineswegs vorbei – es fängt erst an. Die Projektgruppen wählen Sprecherinnen oder Sprecher, die die Anliegen in Zukunft im Jugendausschuss und damit auch im Gemeinderat vertreten.

„Es war sehr produktiv“, berichtet Lars Schoppe schließlich am Nachmittag. Mit der Resonanz ist er mehr als zufrieden, sowohl bei den Jugendlichen der Stadt als auch bei den Rats- und Verwaltungsmitgliedern. „Das ist ein wichtiges Zeichen der Wertschätzung für die Arbeit des Jugendausschusses“, sagt Schoppe, der einen anstrengenden, aber durchaus erfolgreichen Geburtstag hinter sich gebracht hat.