In Stuttgart-Bad Cannstatt wurde 1999 das erste Haus des Jugendrechts eröffnet. Auch in Ludwigsburg soll eine solche Einrichtung entstehen. Foto: picture alliance/dpa

Der Umbau des Gebäudes in der Alt-Württemberg-Allee hat sich in den vergangenen Jahren erheblich verzögert. Eine Eröffnung erscheint derzeit frühestens Mitte 2027 möglich.

Bereits im Juli 2019 ist der Beschluss gefallen, im Kreis Ludwigsburg ein Haus des Jugendrechts einzurichten. Solche Institutionen gibt es bereits in zahlreichen anderen Städten im Land. Die Idee dahinter ist, Polizei, Staatsanwaltschaft und Jugendhilfe unter einem Dach zu vereinen, um schnell auf Straftaten junger Menschen reagieren zu können. Doch wann in Ludwigsburg das Haus des Jugendrechts eröffnet, ist fraglich.

 

Während die inhaltlichen Vorbereitungen längst fertig sind, haben sich die Baumaßnahmen in den vergangenen Jahren erheblich verzögert. Das Haus des Jugendrechts soll in das Gebäude in der Alt-Württemberg-Allee 42 einziehen. Aktuell geht das zuständige Amt für Vermögen und Bau von einer Fertigstellung im Jahr 2027 aus – „sofern keine größeren Störungen im Bauablauf auftreten“. Solche Störungen gab es jedoch schon einige.

Erster Bauabschnitt hinkt Zeitplan hinterher

In das ehemalige Kasernengebäude soll neben dem Haus des Jugendrechts auch das Referat für Prävention des Polizeipräsidiums Ludwigsburg seinen Platz finden. Die Sanierungsmaßnahmen waren in zwei Abschnitte eingeteilt: Zuerst das Erdgeschoss für das Präventionsreferat, anschließend die beiden Obergeschosse für das Haus des Jugendrechts.

Doch entgegen der ursprünglichen Planung wurde das Erdgeschoss nicht bereits Ende 2024 fertig. Wegen „zusätzlich erforderlicher, im Vorfeld nicht abschätzbarer Maßnahmen“ habe sich das Bauvorhaben um einige Monate verzögert, erklärt Amtsleiterin Corinna Bosch. Während der Arbeiten habe sich etwa herausgestellt, dass die Decken teils nicht den Brandschutzanforderungen entsprachen. Auch Schäden am Tragwerk wurden sichtbar.

Projektleitung muss nachbesetzt werden

Das Erdgeschoss wurde deswegen erst im Herbst dieses Jahres fertig. An diesem Freitag fand die Übergabe an die Polizei statt. Die Räume für das Haus des Jugendrechts können deswegen erst jetzt umgebaut werden – eigentlich. Denn im Moment gebe es eine personelle Veränderung, erklärt Bosch. „Wir müssen die Projektleitung nachbesetzen und hoffen, die Baumaßnahmen im Bereich der Obergeschosse Mitte 2026 fortsetzen zu können.“

Das Amt für Vermögen und Bau geht davon aus, dass der Umbau der beiden Obergeschosse etwa ein Jahr in Anspruch nehmen wird. Das Haus des Jugendrechts wird also frühestens im Laufe des Jahres 2027 fertig sein.

Haus des Jugendrechts

Entstehung
Die Idee für ein Haus des Jugendrechts stammt aus den 1990er-Jahren, als die Jugendkriminalität in Deutschland besonders hoch war. 1999 wurde in Stuttgart-Bad Cannstatt das erste seiner Art eröffnet, weitere folgten in den vergangenen Jahren im ganzen Land.

Ziele
Die enge Zusammenarbeit von Polizei, Staatsanwaltschaft und Jugendhilfe soll es ermöglichen, zeitnah auf Straftaten von Kinder, Jugendlichen und Heranwachsender zu reagieren. Anders als im Strafrecht für Erwachsene steht im Jugendstrafrecht der Erziehungsgedanke im Mittelpunkt: Jugendliche sollen in ihrer Entwicklung gefördert und vor weiterem Fehlverhalten bewahrt werden.