In der 1-2-3-Sporthalle fand die erste Fellbacher Jugendkonferenz mit dem Ersten Bürgermeister Johannes Berner statt. Foto: Gottfried Stoppel

Mehr Licht, sichere Wege, neue Treffpunkte: Im Gespräch mit Bürgermeister Johannes Berner wird deutlich, was in der Stadt Fellbach aus Sicht der Jugendlichen gut läuft – und was nicht.

Kreuz und quer liegen die Rucksäcke im Gang, ein Durchkommen scheint fast unmöglich. Wer es schafft, sich den Weg zu bahnen, steigt über eine Treppe hinunter in die Sporthalle. Es ist laut und lebendig, aber an Aufmerksamkeit fehlt es dennoch nicht: Viele Jugendliche sagen hier zum ersten Mal, was ihnen in Fellbach wichtig ist – und was ihnen Sorgen macht.

 

Mehr als 200 Jugendliche haben jetzt in der 1-2-3-Sporthalle in Schmiden an der ersten Jugendkonferenz der Stadt teilgenommen. Eingeladen waren Schüler der Klassenstufen fünf bis zwölf. Das Ziel: herausfinden, was Jugendlichen in ihrer Stadt wichtig ist – und was ihnen fehlt.

Jugendkonferenz in Fellbach als Raum für junge Stimmen

„Wir wollen den Jugendlichen zeigen, dass ihre Meinung zählt“, sagt Yara D’addeo. Sie ist die Vorsitzende des Jugendgemeinderats in Fellbach und hat die Konferenz mitorganisiert – unterstützt von Jugendhaus, Stadtwerken sowie der mobilen Jugend- und Kinderarbeit.

In drei Runden konnten die Jugendlichen ihre Meinung zu sechs unterschiedlichen Themen loswerden und ihre Gedanken auf bunten Zetteln festhalten. Schwerpunkte waren fehlende Treffpunkte, Mobilität, die Planungen für die Neue Mitte Fellbach, aber auch Angsträume, in denen man sich nicht sicher fühlt. „Jede und jeder hat etwas zu sagen – und hier wird auch wirklich zugehört“, sagt D’addeo.

„Angsträume“: Orte, an denen sich Jugendliche unwohl fühlen

Besonders viele Rückmeldungen gibt es zu Orten, die Jugendliche als unsicher empfinden. Häufig genannt werden dunkle Wege und stark befahrene Kreuzungen. „Die Autofahrer sind oft total rücksichtslos und fahren viel zu schnell“, beklagt die elfjährige Malia.

Auch Situationen, in denen Jugendliche unangenehm angesprochen worden sind, spielen eine Rolle. Einige haben Angst, wenn sie sich in der Nähe der U-Bahn oder manchen Einkaufsarealen aufhalten. „Dort passieren schlimme Sachen“, sagt die zehnjährige Tamina, ohne konkrete Beispiele zu nennen. Die Jugendlichen wünschen sich, dass die Polizei stärker kontrolliert. Sie fordern mehr Licht und ein Alkoholverbot auf den Straßen.

„Vieles von dem, was hier genannt wird, deckt sich mit dem, was wir bereits wahrnehmen“, sagt Fellbachs Erster Bürgermeister Johannes Berner. Er erinnert an die sogenannten Felli-Inseln – gekennzeichnete Orte, an denen Kinder und Jugendliche Unterstützung bekommen, wenn sie Angst haben. Mitarbeitende in diesen Einrichtungen oder Geschäften sind sensibilisiert, Kindern in Notlagen zu helfen. Als er fragt, wer von diesem Projekt wisse, hebt fast niemand die Hand. „Dann müssen wir das noch sichtbarer machen“, sagt er.

Treffpunkte: Wo Jugendliche sich aufhalten können

Ein weiteres großes Thema: Treffpunkte im öffentlichen Raum. Viele Jugendliche sagen, dass sie sich in Fellbach grundsätzlich wohlfühlen – ihnen aber Aufenthaltsorte fehlen. „Wir treffen uns oft in Einkaufsläden oder beim Drogeriemarkt, da kann man aber nicht ewig bleiben“, sagt der elfjährige Yasin. Fehlen würden außerdem Bänke, freie WLAN-Zugänge und ein Kiosk neben der Schule.

Bürgermeister Berner betont, dass Treffpunkte sehr vom Alter abhängen. „Was 11- bis 13-Jährige brauchen, unterscheidet sich stark von den Bedürfnissen der 16-Jährigen“, sagt er. Die Gemeinde müsse vor allem die Jüngeren im Blick haben, weil sie im Gegensatz zu den Älteren nicht ohne Weiteres nach Stuttgart ausweichen könnten. „Wir werden gemeinsam mit dem Jugendgemeinderat schauen, wo etwas fehlt“, sagt der Bürgermeister.

Angebote: Viel da – aber nicht immer sichtbar

Beim Thema Freizeit wünschen sich die Jugendlichen mehr Sportangebote, Kurse für Kunst oder Musik und öffentliche Partys, etwa zu Halloween. Berner verweist darauf, dass es in Fellbach mehr als 20 Vereine mit eigenen Jugendangeboten gibt. „Kaum eine Stadt unserer Größe bietet so eine Bandbreite“, sagt er – und verweist bezüglich der Partys aufs Jugendhaus, das mindestens einmal im Monat solche veranstaltet.

Die Jugendlichen wünschen sich mehr Partys in Fellbach. Foto: Gottfried Stoppel

Mobilität: Zu wenig Zebrastreifen und verspätete Busse

Auch die Mobilität beschäftigt viele. Kritisiert werden verspätete Busse, fehlende Radwege und zu wenige Querungsmöglichkeiten. „Wir wünschen uns eine autofreie Innenstadt und mehr Zebrastreifen“, sagt die zehnjährige Lisa.

Für die Gestaltung der Neuen Mitte Fellbach bringen die Jugendlichen ihre Ideen ein. Sie wünschen sich mehr Aufenthaltsmöglichkeiten, mehr Läden und ein stärkeres „Innenstadt-Feeling“. Auch ein neuer Kiosk wird mehrfach genannt. 

Berner gibt Einblicke in die Planungen: Die Endhaltestelle der Stadtbahn werde für 15 Millionen Euro verlegt. Zwischen der Lutherkirche und der Stadtbücherei seien mehr Aufenthaltsplätze und weniger Autos geplant. Auch ein neues Gebäude mit Handelsplätzen soll es in der Zukunft geben. „Einige eurer Wünsche sind bereits berücksichtigt – das ist eine gute Nachricht“, sagt er.

Jugend und Wirtschaft: Interesse an Jobs und Einkaufsmöglichkeiten

Weitere Themen sind der lokale Handel – und die Forderung nach Läden mit Trend-Textilien oder Standorten für Drogeriemarkt-Ketten. Auch Minijobs und Ausbildungsangebote haben viele Jugendlichen auf der Wunschliste. Die Klage über das angeblich fehlende Sprungbrett für den Berufseinstieg ruft allerdings Yara D’addeo vom Jugendgemeinderat auf den Plan – die auf die eigens erstellte Praktikabroschüre verweist. „Wir haben festgehalten, welche beruflichen Möglichkeiten vor Ort bestehen“, betont sie.

Unterm Strich aber zieht der Jugendgemeinderat ein positives Fazit. „Ich finde es toll, dass wir die Chance haben, mitzubestimmen“, sagt der elfjährige Yunis. Die Konferenz habe gezeigt, wie viele Ideen und Perspektiven in Fellbachs Jugend stecken, so Yara D’addeo. Sie sagt: „Wir nehmen alles mit – und wir werden es in den nächsten zwei Jahren in die Politik tragen.“

Jugendkonferenz-Termin

Weitere Termine
Die nächste Jugendkonferenz findet am 28. November von 13 bis 17 Uhr in der Maicklerhalle Fellbach statt. Dort können Schüler der Klassen fünf bis zwölf erneut ihre Wünsche für die Stadt einbringen.