In würfelförmigen Räumen können die Gäste demnächst drei bis vier Meter über dem Boden schlafen. Foto: Ines Rudel

Die Jugendherberge in Hohenstaufen soll Mitte Mai wiedereröffnet werden. Neben der umfassenden Sanierung des Bestandsgebäudes hat das Jugendherbergswerk acht sogenannte Baumhäuser zum Übernachten gebaut.

Göppingen - Beim Blick auf die Kaiserberge kommt Karl Rosner gar nicht mehr heraus aus dem Schwärmen. In acht sogenannten Baumhäusern können Besucher der Jugendherberge Hohenstaufen ab Mitte Mai in Holzboxen drei bis vier Meter über dem Boden und mit einer weiten Aussicht auf das Albvorland übernachten. „Es ist ein einzigartiges Projekt“, sagt der Geschäftsführer des baden-württembergischen Jugendherbergswerks.

Zwei Rutschen führen nach unten

Unter den 47 Jugendherbergen in Baden-Württemberg gibt es bisher nichts Vergleichbares. Die Übernachtungsboxen wurden auf viele dicke Metallstangen gebaut. In den Räumen sollen einmal vier beziehungsweise zwei Gäste schlafen können. Verbunden sind die Holzboxen auf zwei Ebenen über einen Steg und Treppen. Zwischen den Zimmern gibt es kleine Plätze, wo sich die Besucher zukünftig wie auf einer Piazza aufhalten können. Ein Zugang ist über das Erdgeschoss des Hauptgebäudes oder vom Boden aus möglich. Über zwei Rutschen sollen die Besucher außerdem einmal schwungvoll von oben auf den Boden gelangen.

In der sanierten Herberge sollen vor allem Kinder und Jugendliche die Natur und die Umwelt kennenlernen. „Für Stadtkinder ist es ideal“, sagt Rosner. Den Besuchern soll das Leben auf den heimischen Wiesen, Wäldern und in den Gewässern nahegebracht werden. Entsprechende Programmvorschläge für die Besucher werden noch erarbeitet. Die Umgebung in Hohenstaufen lädt auf verschiedenen Wanderwegen durch die Natur dazu ein, Flora und Fauna zu erkunden. Die Außenanlagen der Jugendherberge sollen außerdem Bienen- und Insektenfreundlich gestaltet werden. „Wenn hier im Frühjahr die Wiesen blühen, ist es ein Biotop“, erklärt Rosner.

Die Natur und die Umwelt sind die bestimmenden Themen

Neben den naturnah gestalteten Außenanlagen werde der Strom von einem Anbieter bezogen, der die Energie aus nachhaltigen Quellen gewinnt, erklärt der Geschäftsführer. Ferner können Besucher 20 Cent pro Nacht spenden, um damit Solarkocher in Bolivien und Paraguay zu finanzieren. Die Lebensmittel sollen außerdem zumindest zum Teil aus biologischem und regionalem Anbau stammen. So könne der Apfelsaft zum Beispiel aus den Streuobstwiesen der Umgebung gewonnen werden, erklärte Rosner.

Im April soll das Haus wiedereröffnet werden, nachdem dort seit dem November des Jahres 2017 saniert und modernisiert wurde. Die Kosten sind seit vergangenen Sommer erneut von 4,3 Millionen Euro auf 4,7 Millionen Euro gestiegen. Ursprünglich war geplant, das Haus für 3,7 Millionen Euro zu erneuern. Der Fünfzigerjahrebau wartete allerdings mit einigen Überraschungen auf. Unter anderem musste das Dach neu gemacht werden. Zuletzt sorgte der Boden hinter dem Haupthaus für eine Kostensteigerung. Weil der Hang drohte, ins Rutschen zu kommen, mussten 30 Zentimeter abgetragen werden. Der Geschäftsführer Rosner betont, dass das Jugendherbergswerk nicht wie es ihm zuweilen vorgeworfen werde, nur noch in großen Städten investiere, sondern auch in ländlichen Regionen. „Wir bekennen uns zum ländlichen Raum. Wir sind nicht nur in den großen Städten“, stellte der Geschäftsführer Rosner klar. So werde in Freudenstadt ebenfalls eine neue Jugendherberge gebaut.

Derzeit arbeiten die Handwerker unter anderem an der Verlegung des Bodens, der Elektroinstallation und am Streichen der Wände. Über den Haupteingang gelangen die Besucher zukünftig durch die Lobby und die Rezeption auf insgesamt drei Stockwerke mit 134 Betten, davon 28 in den Baumhäusern, sowie in die Gemeinschaftsräume und den Speisesaal – natürlich mit Blick auf die Kaiserberge. Vor der Sanierung verfügte die Jugendherberge in Hohenstaufen über 116 Betten.

Nach der Wiedereröffnung hofft das Jugendherbergswerk auf 15 000 bis 20 000 Besucher pro Jahr. Vor der Sanierung waren es rund 10 000 Übernachtungen pro Jahr, was einer Auslastung von 24 Prozent entsprach. „Wir mussten etwas tun“, erinnert sich der Geschäftsführer. Insbesondere wegen der neuen Baumhäuser hofft er auf weitere Gäste. Der Plan scheint aufzugehen. „Wir haben für 2019 bereits 6000 Buchungen“, freut sich Rosner.

Die drei Stockwerke der Jugendherberge sind über einen neuen Aufzug erreichbar. Für Rollstuhlfahrer gibt es zwei Zimmer mit insgesamt vier Betten, größeren Bädern und breiteren Türrahmen. Eine Ebene der Baumhäuser ist über das Erdgeschoss mit einem Rollstuhl zu erreichen.

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