Melanie Haumann verlässt das Kinder- und Jugendhaus Zuffenhausen Foto: R. A. Fritzsche

Melanie Haumann hört als Leiterin des Hauses 11 auf.Sie orientiert sich beruflich neu.

Zuffenhausen - Ende August ist alles vorbei: Nach zehn Jahren in der offenen Jugendarbeit, fast vier davon als Leiterin des Kinder- und Jugendhauses Zuffenhausen (Haus 11), geht Melanie Haumann neue Wege. Die Sozialpädagogin wird künftig als Yogalehrerin und systemischer Coach tätig sein; dabei geht es um eine ganzheitliche Beratung, die verschiedene Blickwinkel und Therapieansätze einbezieht.

„Durch ein Praxissemester im Mädchencafé in Reutlingen bin ich zur Jugendarbeit gekommen“, erzählt sie. Zuerst arbeitete sie im Jugendhaus Camp Feuerbach, wechselte dann nach mehr als fünf Jahren ans Haus 11. Seit Oktober 2008 war sie Chefin an der Bartensteiner Straße.

Besonders stolz ist Melanie Haumann auf die Entwicklung im Café 11. „Wir wollten das Café beleben und haben ein Konzept ausgearbeitet, das Hand und Fuß hat.“ Es wird ein Mittagstisch mit frisch gekochten, vegetarischen Speisen angeboten, zu dem nicht nur Schüler, sondern auch Erwachsene kommen. Das Besondere dabei: Der Preis ist variabel, rangiert von 1,50 bis 5 Euro. „Jeder zahlt, so viel er kann und so viel er möchte“, erklärt Haumann. „Es kommen viele Kinder und Jugendliche, die zuhause keine regelmäßigen Mahlzeiten bekommen und die kein oder nur wenig Geld haben.“ Das Konzept geht auf: „Wir legen nicht drauf, es gleicht sich aus.“ Es gebe bereits Anfragen aus anderen Stuttgarter Jugendhäusern, die sich Ähnliches überlegen.

Die Freizeit aktiv gestalten und Stress abbauen

Auch Melanie Haumanns Vision, das Haus 11 mit möglichst viel Leben zu füllen, ist Realität geworden: „Wir haben mehr Untermieter, mehr Gruppen und Cliquen, die sich hier treffen“, sagt sie. Von mittelalterlichen Schwertfechtern über Tanzgarden bis hin zu Kung-Fu-Training ist alles dabei. „Wichtig ist, dass es ein breites Angebot mit vielen Facetten ist“, sagt Haumann.

Zufrieden ist sie auch mit der „Body and Soul“-Mitmachmesse, die jedes Jahr im Oktober stattfindet und in diesem Herbst zum zweiten Mal Abschlussveranstaltung der Zuffenhäuser Sucht- und Gewaltpräventionswoche ist. „Neben Info- und Beratungsständen zeigen wir, wie die Jugendlichen ihre Freizeit aktiv gestalten können, wie man sich selbst etwas Gutes tut, wie man Stress abbauen kann“, erklärt Melanie Haumann. „Ich finde, das ist die beste Prävention überhaupt. Wenn man den Zeigefinger heben und sagen muss, dass Drogen schlecht sind, setzt das schon zu spät an.“

Hier fällt es ihr schwer, loszulassen, ebenso wie bei der Mädchenarbeit, die sie als ihr Steckenpferd bezeichnet. „Gemischte Angebote sind wichtig, da wir nicht getrennt nach Geschlechtern leben“, sagt Haumann. „Geschlechtsspezifische Angebote müssen aber auch sein: Es tut gut, mal ganz unter sich zu sein. Niemand bewertet einen, der Druck ist weg.“ Mädchen und Frauen würden immer noch stark nach ihrem Aussehen beurteilt – sie nennt als Beispiel Angela Merkel: „Ständig wird darüber geschrieben, welche Frisur sie hat, was sie trägt. Bei männlichen Politikern wird nie über das Aussehen berichtet.“

Haumann findet nicht, dass sich die Jugendlichen der vergangenen Jahre verändert haben. „Es ist aber besorgniserregend, dass viele Mädchen Musik mit frauenfeindlichen und sexistischen Texten hören. Das finden sie cool – kritisch wird das nicht gesehen.“ Dabei bilden die Jugendlichen lediglich ab, wohin sich die Gesellschaft als Ganzes entwickeln könnte, meint die Sozialpädagogin: „Sie spiegeln es nur extremer und konzentrierter.“

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