Johannes Götz, Schulsozialarbeiter am Hegel-Gymnasium, Polizeioberkommissarin Silke Stegmaier und Martin Brenken, Lehrer an der Pestalozzischule (von links), erklären den Schülern, was zivilcouragiertes Handeln im Alltag bedeutet. Foto: Sandra Hintermayr

Im Jugendhaus lernen Schüler des Hegel-Gymnasiums und der Pestalozzischule, wie sie mit zivilcouragiertem Handeln die Demokratie stärken können. Dabei bedeutet Zivilcourage nicht, sein eigenes Leben in Gefahr zubringen.

Vaihingen - Keiner verlangt, dass man sich einem bewaffneten Angreifer entgegenstellt und damit sein eigenes Leben in Gefahr bringt. „Aber man kann auf andere Weise einschreiten und sich für die Opfer einsetzen“, erklärte Polizeioberkommissarin Silke Stegmaier vom Referat Prävention im Polizeirevier 4 Balinger Straße. Sich einsetzen heißt nämlich auch, Hilfe zu holen, bei Straftaten etwa die Polizei zu verständigen.

Aber auch im Alltag der Neunt- und Zehntklässler, die am Dienstagvormittag ins Jugendhaus gekommen waren, gibt es Situationen, in denen sich die Schüler mutig einsetzen können. Sich zum Beispiel auf die Seite eines Mitschülers zu stellen, der gemobbt wird. Dabei sei es wichtig, andere gezielt anzusprechen. „Wenn ihr aufsteht, dann tun das auch andere“, sagte Stegmaier. Das gelte auch außerhalb der Schule. „Können Sie im blauen Pullover mir helfen?“ sei dabei wesentlich wirksamer als ein allgemeines „Kann mir jemand helfen?“, bei dem sich niemand angesprochen fühlt.

Auch im Schulalltag ist Zivilcourage gefragt

Mehrmals täglich gebe es an der Schule Situationen, in denen andere in irgendeiner Form angegangen werden, berichtete eine Schülerin. Auch verbale Beleidigungen können mit Zivilcourage unterbunden werden. „Und vielleicht könnt ihr mit eurem Handeln dafür sorgen, dass es eine solche Situation weniger am Tag gibt“, ermutigte Alexandra Epure, eine der Moderatorinnen der Veranstaltung und ebenfalls noch Schülerin, die Jugendlichen.

Zivilcourage bedeutet dabei nicht nur, den Opfern Hilfe anzubieten oder die Täter anzusprechen, sondern auch, sich Tätermerkmale einzuprägen und sich als Zeuge zur Verfügung zu stellen, sagte Stegmaier. Sie rief die Schüler dazu auf, sich mutig für ihre Mitmenschen einzusetzen, wann immer das möglich ist, ohne sich selbst zu gefährden. „Wenn ihr in eine solche Lage kommt, erwartet ihr auch, dass euch jemand hilft“, so die Polizistin.

Einstehen für die eigenen Werte

„Zivilcourage bedeutet, sich mutig für das Gemeinwohl der Bürgerschaft einzusetzen, für die eigenen Werte und die eigene Meinung einzustehen“, sagte Johannes Götz, Schulsozialarbeiter am Hegel-Gymnasium. Das mache auch unsere Demokratie aus. Der „Bürgermut“ könne somit das Gemeinschaftsgefühl stärken. „Jeder ist dazu aufgerufen, mitzumachen. So funktioniert Demokratie“, ergänzte Martin Brenken, Lehrer an der Pestalozzischule. Dieser Einsatz erfordere manchmal Mut, „aber es ist wichtig, sich eine eigene Meinung zu bilden und für seine Überzeugung einzustehen.“ Brenken brachte zudem das Thema Flüchtlinge zur Sprache. Das griffen die Jugendlichen gerne auf. Einzelne Schüler berichteten, dass sie schon mit Flüchtlingskindern gespielt haben oder sich ehrenamtlich in den Unterkünften etwa beim Kleidercafé beteiligt haben. „Das waren alles nette Menschen“, sagte einer der Neuntklässler. Diesen Einsatz lobten die Referenten.

„Auch das Abbauen von Vorurteilen stärkt die Demokratie“, sagte Stegmaier. Es sei wichtig, nicht einfach die Meinung anderer zu übernehmen, sondern sich eine eigene zu bilden. Das sahen auch die Schüler so. „Wenn wir uns nicht für unsere Werte einsetzen, ist unsere Demokratie bald nicht mehr das, was sie heute ist“, sagte ein Jugendlicher. „Bleibt offen, sprecht miteinander. Ihr habt auch im kleinen Kreis viele Möglichkeiten, Dinge zu ändern und zu verbessern“, sagte Alexandra Epure.

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