Seit 50 Jahren gibt es die Jugendfarm Freiberg/Rot. Erst war Fritz Herbert 42 Jahre im Vorstand aktiv und bis heute ist es dessen Tochter ebenso lange. Wie kam es dazu?
Die Jugendfarm Freiberg/Rot am Eschbachwald ist bis heute bei Groß und Klein beliebt. Vor 50 Jahren wurde sie gegründet. Von Anfang an hat das Eva Herbert erlebt. Sie war schon als Kind dort und ist seit 42 Jahren im Vorstand. Ebenso lange war ihr Vater Fritz aktiv. 2010 hat sie den gewählten Vorsitz übernommen und ist in die großen Fußstapfen des Vaters getreten, der 2018 gestorben ist.
Vater und Tochter: 42 Jahre lang im Vorstand
Fritz Herbert war vielfältig sozial engagiert und nicht aus Freiberg wegzudenken – auch nicht auf der Jugendfarm, wo er unermüdlich im Einsatz war. „Mein Vater war von 1976 bis zu seinem Tod 42 Jahre lang durchgehend im Vorstand des Jugendfarmvereins tätig“, sagt Eva Herbert. Allein 19 Jahre lang war er als erster Vorsitzender tätig, von 1976 bis 1981 und von 1997 bis 2009.“ Die letzten zehn Jahre hat er die Farm als Ehrenvorsitzender begleitet. Seine Tochter ist seit ihrem 18. Lebensjahr im Vorstand. Das sind jetzt auch 42 Jahre – von 1988 bis 1998 und seit 2009 als erste Vorsitzende.
Die tierbegeisterte Tochter ermunterte den Vater mitzumachen
Zwei Freiberger, die den Verein von Anfang an unterstützt haben. Eva Herbert war tierbegeistert und zunächst als Farmkind mit dabei. Angesteckt für die Jugendfarm hatte sie der Roter Pfarrer Horst Schulze, als er am Gymnasium Freiberg, dem späteren Eschbach-Gymnasium, für das Projekt der Jugendfarm geworben hat. Für sie war der Aufruf Ansporn, ihren Vater zu überzeugen, beim frisch gegründeten Verein mitzuhelfen. Fritz Herbert hatte noch einige andere Ehrenämter, wie etwa von 1997 bis 2011 als SPD-Mitglied im Bezirksbeirat. Er war auch bei der Sozialen Stadt Freiberg-Mönchfeld aktiv sowie Gründungsmitglied des 2001 gegründeten Bürgervereins Freiberg-Mönchfeld. Mit anderen Freiberger Familien baute er die Jugendfarm am Eschbachwald mit auf und half auch beim Bau des Farmhauses.
Zweifache Mutter sieht Farm als „großes Demokratieprojekt“
Was motiviert heute seine Tochter noch? „Ich liebe die Arbeit mit Menschen und Tieren. Auf der Farm sind das als erstes die Kinder und Jugendlichen, aber auch die Ehrenamtlichen, Eltern und Mitarbeiter liegen mir am Herzen. Deshalb liegt auch ein Teil der Personalführung in meiner Hand“, sagt Eva Herbert. Und die zweifache Mutter erklärt: „Die Jugendfarm ist ein großes Demokratieprojekt.“ Hier werde nichts entschieden, bevor es nicht im großen Kreis diskutiert und Konsens oder eine große Mehrheit gefunden wurde. Die Farmkinder haben zwei Stimmen im Vereinsvorstand. „So sollen sie an demokratische Strukturen herangeführt werden.“
Freiraum und Regeln: Natur und Tiere geben den Rhythmus vor
Das gefällt ihr, denn: „So ist das, was auf der Farm geschieht, immer abhängig von den beteiligten Menschen und damit immer neu und spannend“. Das Besondere an der Farm sei „ihre Lebendigkeit per se. Natur und Tiere geben den Rhythmus vor“, erklärt Herbert. Die elementaren Erfahrungen prägen anders als klassische Bildungserfahrungen. So würden sich Freiraum und Einhalten von Regeln nicht widersprechen, sondern seien in der natürlichen Logik des Lebens erfahrbar. Auf der Jugendfarm wird Kindern und Jugendlichen, egal aus welchen sozialen, wirtschaftlichen, bildungsnah- oder -fernen Elternhäusern, eine lebendige Verbindung zueinander und zu Natur und Tieren ermöglicht. „Die großen und kleinen Tiere als unsere wichtigsten Mitarbeiter in der täglichen Pädagogik zu erleben, ist heute noch genauso faszinierend für mich wie vor 50 Jahren“, sagt Herbert.
Termin Gefeiert wird das Jubiläum auf der Jugendfarm in Freiberg am 5. Juli von 14 bis 16 Uhr mit Livemusik, Vorführungen und Rückblicken und am 6. Juli als Familienfest. Weitere Infos unter www.jugendfarmfreiberg.de .