Auch beim Arrest werden Betroffene weggeschlossen, aber nur kurzfristig Foto: dpa

Der Jugendarrest im badischen Landesteil wird nur noch in einer zentralen Anstalt vollzogen.

Rastatt - Seit 1. Oktober wird der Jugendarrest im badischen Landesteil in einer zentralen Anstalt in Rastatt vollzogen, anstatt wie bisher an zwei Standorten in Müllheim und Wiesloch. Am meisten hadern die Müllheimer mit der Zusammenlegung.

Die ersten Arrestanten sind in Rastatt bereits Mitte September eingetroffen. Die neue Jugendarrestanstalt war zuvor eine Außenstelle der Haftanstalt in Karlsruhe, wo jugendliche Untersuchungshäftlinge einsaßen. Mit der neuen zentralen Einrichtung in Rastatt beträgt die Zahl der Arrestplätze im Badischen nun 51 - eine deutliche Steigerung gegenüber zuvor, standen in Müllheim und Wiesloch zusammen doch höchstens 40 Plätze zur Verfügung. In beiden Arrestanstalten war die Doppelbelegung von Zellen üblich.

Bei einer größeren zentralen Einrichtung ließen sich die Belegungen besser planen, die Strafen schneller umsetzen, und die Arrestanten könnten die Zelle alleine bewohnen, fasst ein Sprecher des Justizministeriums die Vorteile zusammen. Zudem stünden modernere und größere Werk- und Sportstätten zur Verfügung.

Mitarbeiter wussten lange nicht, wo sie künftig arbeiten

So erkennt auch Andreas Schlett, der frühere Leiter der Jugendarrestanstalt Wiesloch, an: "Räumlich können wir mit Rastatt nicht mithalten." Sowohl in Müllheim als auch in Wiesloch wurde der Jugendarrest in Gebäuden vollzogen, die in der Kaiserzeit als Amtsgerichtsgefängnisse errichtet worden waren, mit wenig Raum für die sozialen und erzieherischen Anforderungen eines zeitgenössischen Vollzugs.

Dennoch sieht man an den beiden bisherigen Standorten in Nord- und Südbaden gewachsene und bewährte Netzwerke im Jugendarrest verloren gehen. Beide Einrichtungen bestanden seit rund 50 Jahren. In Wiesloch ermöglichte ein Verein, durch Spenden zusätzliches Betreuungspersonal für die Freizeitangebote zu beschäftigen. In Müllheim bestand ein Netzwerk aus externen Sozialarbeitern, Drogen- und Suchtberatungsstellen, Agenturen für Arbeit, Unternehmen und Ehrenamtlichen. "Hier geht ein riesiger Erfahrungsschatz verloren, der in Rastatt erst wieder aufgebaut werden muss", sagt Martin Graf, Direktor des Müllheimer Amtsgerichtes. Graf wurde erst im Frühjahr als Leiter berufen. Die Aufgabe seiner fünfmonatigen Amtszeit besteht darin, die Arrestanstalt abzuwickeln. Für Graf ist das eine "persönliche Enttäuschung", wie er sagt. Er bleibt dabei: "Jugendarrest muss dezentral vollstreckt werden, nahe am Wohnort der Jugendlichen, um Angehörigen die Besuche zu erleichtern." Graf bezweifelt auch, ob in einer großen zentralen Anstalt mit 50 Plätzen so intensiv wie bisher auf die Jugendlichen eingegangen werden kann. In der Neuregelung sieht er keine Vorteile. Der Müllheimer Richter hätte sich zudem gewünscht, dass die Einrichtung zumindest noch bis Ende des Jahres fortbesteht, um Rastatt in der Anfangsphase zu entlasten: "Aber dieser Vorschlag wurde bedauerlicherweise nicht aufgegriffen."

Graf zufolge ist das Schließungsdatum 30. September zu kurzfristig festgesetzt worden. Jugendliche seien noch nach Müllheim bestellt worden und müssten jetzt nach Rastatt umdirigiert werden. Außerdem hätten die Mitarbeiter lange nicht gewusst, wo sie künftig arbeiten werden. Der Großteil wird in Müllheim wie in Wiesloch in den Erwachsenenvollzug wechseln.

Von einer kurzfristigen Entscheidung könne keine Rede sein, heißt es aus dem Justizministerium in Stuttgart. Die Schließung beider Anstalten sei bereits seit Mitte 2008 geplant. Das Land hat für die jetzt frei gewordenen Gebäude in Müllheim und Wiesloch selbst allerdings keine Verwendung. Sie sollen verkauft werden, was sich schwierig gestalten dürfte, stehen doch beide unter Denkmalschutz.

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