Mehr als zwei Stunden halten sich Heranwachsende im Schnitt in den Kinder- und Jugendhäusern in Stuttgart auf – das hat eine Befragung unter rund 950 Jugendlichen ergeben. Foto: Torsten Ströbele

Viele Teenager besuchen das Jugendhaus täglich und wollen mitgestalten. Das hat eine Umfrage ergeben. Dabei gibt es auch Spitzenwerte.

Stuttgart - Was treibt die Jugend von heute eigentlich so in ihrer Freizeit? Und vor allem: Wo genau trifft man sich? Diesen Fragen wollte die Stuttgarter Jugendhaus-Gesellschaft auf den Grund gehen und hat einfach diejenigen befragt, die es wohl am Besten wissen: die Jugendlichen selbst. Das Ergebnis: Fast die Hälfte der Befragten besucht täglich eine der insgesamt 41 Kinder- und Jugendhäuser in Stuttgart – so viele wie seit Langem nicht mehr. Dabei verweilen die Jugendlichen im Schnitt mehr als zwei Stunden dort – ein weiterer Spitzenwert.

Rund 80 Prozent besuchen ihr Jugendhaus wöchentlich

„Viele kommen direkt nach der Schule zu uns – um Luft zu holen und Freunde zu treffen“, weiß Sieghard Kelle. Dem Geschäftsführer der Stuttgarter Jugendhaus-Gesellschaft ist es besonders wichtig zu wissen, wie die Jugendlichen ticken. Auch deshalb lässt sich der Träger seit zehn Jahren regelmäßig selbst befragen.

„Wir haben insgesamt 950 Jugendliche online und vor Ort auch zum Thema Mitbestimmung befragt“, berichtet Michael Dalaker. Dabei hat sich der Sozialforscher im Auftrag der Jugendhaus-Gesellschaft 14 Einrichtungen, darunter alle Innenstadthäuser außer das im Westen, als repräsentative Stichproben ausgesucht und betont: Die Ergebnisse schwanken extrem von Haus zu Haus. So gebe es etwa in Degerloch einen hohen Mädchenanteil, der auf die dortige Zirkusschule zurückzuführen sei. In Stuttgarter Norden dagegen würden viele Mädchen das Jugendhaus oft gegen 18 Uhr verlassen. Auch sei das Interesse der Eltern enorm gestiegen, die sich oft vor Ort informieren. Trotz lokaler Unterschiede zeigt sich in der Befragung: Rund 80 Prozent besuchen ihr Jugendhaus wöchentlich und haben eine enge Bindung zur Einrichtung. Wer aber sind diese Jugendlichen, die regelmäßig von den Häusern angezogen werden? „Ein Großteil hat einen Migrationshintergrund, aber wir haben auch viele junge Flüchtlinge bei uns“, erklärt Kelle. Allerdings gebe es bewusst keine Sonderregelung für die Geflüchteten, vielmehr sollen sie durch Gleichbehandlung im deutschen Alltag ankommen, so das Konzept.

Gesunde Mischung aus Neuzugängen und Stammgästen

Grundsätzlich gibt es in den Jugendhäusern eine gesunde Mischung aus Stammpublikum und Neuzugängen. Ein weitere Erkenntnis, die der Sozialforscher gewonnen hat: Für mehr als die Hälfte der jungen Stuttgarter ist das Jugendhaus wichtiger Treffpunkt und erste Anlaufstelle im eigenen Stadtteil. Trotzdem glaubt jeder Zweite, dass es in seinem Kiez noch vieles, besonders für Jugendliche, zu verbessern gäbe.

50 Prozent geben an, eigene Projekte starten zu wollen, wenn sie finanziell von der Stadt und den Jugendhäusern unterstützt würden. Die Idee, der Jugend durch eigene Projekte mehr Mitbestimmung einzuräumen, hatte der Träger schon vor der Befragung. „Die Antworten haben unsere Idee bestätigt“, so Iris Ripsam, Vorsitzende der Jugendhaus-Gesellschaft. Damit soll eine Alternative zum Jugendrat geschaffen werden. Das Besondere: Jeder darf mitmachen, Vorgaben soll es keine geben.

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