Am Wochenende fand in Sindelfingen wieder der Regionalwettbewerb für Jugend musiziert statt. Die Teilnehmerzahlen sind laut dem Organisator stabil – doch die Musik erfährt in den Zeitplänen junger Menschen längst große Konkurrenz.
Auf den Gesichtern jener, die ihr Vorspiel gemeistert haben, zeichnet sich die Erleichterung ab. Von Samstagvormittag bis Sonntagabend wechseln sich in der Schule für Musik, Theater und Tanz in Sindelfingen die jungen Musikerinnen und Musiker ab. Rund 170 Wertungen wird es beim 62. Regionalwettbewerb für Jugend musiziert geben.
Einer der Teilnehmer ist Takumi Scharpf aus Nufringen, der ein Horn spielt und im Duo mit Jeremy Straub aus Böblingen am Klavier in der Altersklasse III Stücke von Charles Gounod („Sis Mélodies pour le cor à pistons“) und Ronald Hammer („Suite für Horn“) vorträgt. „Ich war das erste Mal dabei“, sagt er. „Das war ein sehr interessantes Gefühl. Am Ende war ich glücklich, dass alles vorbei war.“
Viel los in der Musikschule
Im Foyer der Musikschule herrscht Kommen und Gehen von Schülern, Eltern, Lehrern. Musikinstrumente werden aus Futteralen geholt oder in sie gelegt. Solisten und Ensembles aus dem gesamten Kreisgebiet spielen auf, hinzu kommen einige Teilnehmer aus umliegenden Regionen, die beim Termin in der eigenen Region verhindert waren.
Den Wettbewerb in Sindelfingen findet Takumi Scharpf sehr eindrucksvoll, die Atmosphäre in der Musikschule sehr gut. Mit 20 Punkten erreicht das Duo einen zweiten Platz beim Regionalwettbewerb.
Zina Wessels Perelo und Frida Wessels Perelo, Schwestern aus Herrenberg, nahmen als Duo an Posaune und Klavier teil, warten nun auf ihre Wertungen. Da endlich schreitet Christoph-Rin Dolge, Leiter der Musikschule Renningen und Jury-Koordinator des Regionalwettbewerbs, eine Treppe herab und verkündet: Einen ersten Preis mit 22 Punkten erhalten die Schwestern für ihren Vortrag. Valentin Marquard, Trompete, und Ilya Tyulyukovskiy, Klavier, beide aus Stuttgart, bereiten sich indes noch auf ihr Spiel vor.
Lange Historie in Sindelfingen
2025 findet der Wettbewerb Jugend musiziert zum 62. Mal statt. Seit rund 30 Jahren – mit kleinen Unterbrechungen – gibt es ihn im Landkreis Böblingen. Zunächst an der Musikschule Böblingens, seit 28 Jahren nun an der Schule für Musik, Theater und Tanz in Sindelfingen, die hinsichtlich ihrer Lage und Ausstattung vorzüglich hierzu geeignet ist.
Siegfried Pöllmann, Geigenlehrer aus Böblingen, hat den Regionalwettbewerb in Sindelfingen über viele Jahre hin organisiert. Er zieht sich nun von dieser Aufgabe zurück. „Das Interesse am Wettbewerb ist ungebrochen groß“, sagt Pöllmann. „Die Teilnehmerzahlen sind stabil und das freut uns.“ Von Jahr zu Jahr wird der Wettbewerb mit neuen thematischen Schwerpunkten veranstaltet – vor allem in den Bereichen Streicher solo, begleitet von erwachsenen Korrepetitoren, und Klavier solo treffen sehr viele Anmeldungen ein. Ein Schwerpunkt liegt 2025 auf dem Zusammenspiel von Klavier und einem Bläser, jeweils besetzt mit jugendlichen Musikern.
Große Konkurrenz für die Musik
Den stabilen Zahlen zum Trotz beobachtet Pöllmann vor allem in den höheren Altersgruppen einen Teilnehmerschwund. „Die jungen Leute kommen heute nicht mehr ausreichend zum Üben“, sagt er. „Wenn man große, virtuose Literatur spielen möchte, dann muss man schon zumindest ein bis zwei Stunden täglich darin investieren. Musik kann schnall sportlich werden, wenn es um den Trainingsaufwand geht.“
Im Zeitplan junger Menschen erfährt die Musik längst schon große Konkurrenz. Nicht zuletzt G8, das achtjährige Gymnasium, spielt hier eine Rolle. „Die Schüler haben sehr verdichtete Zeitpläne. Sie sind bis 17 Uhr in der Schule, kommen nach Hause, essen, erledigen ihre Hausaufgaben und haben dann vielleicht keine Lust mehr, noch eine Stunde Klavier zu üben. Das Musizieren wird mehr und mehr zu einer Frage der Lebensplanung.“ Dass digitale Medien junge Menschen locken, ein Computerspiel kurzfristig vielleicht größeres Vergnügen bereitet als ein Musikinstrument, kommt hinzu. Nur ein 16-jähriger Geiger meldete sich 2025 an – und er zog sich späterhin zurück, sodass der Wettbewerb nun ohne Streicher seiner Altersklasse stattfindet.
Preisträger-Konzert am 23. Februar
Mit den Leistungen jener, die dabei sind, ist Siegfried Pöllmann jedoch sehr zufrieden: „In allen Themen haben wir hervorragende Leistungen.“ Viele Musikschüler, sagt er, erreichten mit Punkteständen zwischen 23 und 25 einen ersten Platz. „Uns geht es nicht darum, immer den Besten zu finden, sondern jemanden, der den Anforderungen genügt.“ Und das sind nicht wenige: 76 Bewerber, Ensembles oder Solisten, erreichen in Sindelfingen den ersten Platz des Regionalwettbewerbs, 44 von ihnen mit Weiterleitung zum Landeswettbewerb.
Am 23. Februar wird das Konzert der Preisträger im Böblinger Albert-Einstein-Gymnasium stattfinden. Im Oktober wird Landrat Roland Bernhard, Schirmherr des Regionalwettbewerbs, die Teilnehmer des Landes- und Bundeswettbewerbs „Jugend musiziert“ aus dem Kreis Böblingen ehren.