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Die deutsche Jugend musiziert in den nächsten Tagen wieder - und zwar zum ersten Mal in Stuttgart.

Stuttgart - Die deutsche Jugend musiziert wieder - und zwar zum ersten Mal in Baden-Württembergs Landeshauptstadt: 2300 junge Talente wetteifern von Freitag an in Stuttgart um die Gunst der Zuhörer. Gut 5000 Gäste werden erwartet. Der Bundeswettbewerb „Jugend musiziert“ 2012 ist quasi ein Geschenk zum 60. Landesgeburtstag. „Die Anwesenheit von Deutschlands besten Nachwuchsmusikern wird hier neue Impulse auslösen und sich positiv auf die Musikszene auswirken“, sagte Oberbürgermeister Wolfgang Schuster laut Mitteilung.

Philharmoniker spielen zum Auftakt

Die Teilnehmer, die in den meisten Kategorien nicht älter als 21 Jahre sein dürfen, treten in 1500 Wertungsspielen an. Sie präsentieren jeweils ein viertel- bis halbstündiges Programm mit Musik aus verschiedenen Epochen, die sie selbst zusammenstellen. Qualifizieren konnte sich nur, wer zunächst bei einem von 160 Regionalwettbewerben und danach bei einem der 16 Landeswettbewerb einen 1. Preis gewonnen hat.

Offiziell eröffnet wird der Wettbewerb an diesem Samstag mit einem Konzert der Stuttgarter Philharmoniker. Sonntag spielen preisgekrönte Musiker aus ganz Europa bei einer Soiree. Der Wettbewerb endet am 1. Juni mit einem Festakt.

Musikalischer Erfolg fällt nicht vom Himmel

Der Leiter der städtischen Musikschule, Friedrich-Koh Dolge, wies darauf hin, dass musikalische Glanzleistungen nicht aus dem Blauen kommen. „Nur durch die kontinuierliche Förderung des musikalischen Nachwuchses an der Basis werden Spitzenleistungen wie im Wettbewerb überhaupt möglich.“ Der Landesverband der Musikschulen sieht hier auch das Land in der Pflicht. Es sei wichtig, dass die Kinder und Jugendlichen neben dem Schulstress noch ausreichend Zeit finden, ein Instrument zu lernen, sagte Geschäftsstellenleiter Heinrich Korthöber.

Seinen Angaben zufolge machen die 238 öffentlichen Musikschulen im Land jährlich 190 Millionen Euro Gesamtumsatz. Den größten Batzen, nämlich allein 170 Millionen Euro, machten die Personalkosten aus. Die Gesamtkosten würden knapp zur Hälfte von den Eltern getragen, zu rund 35 Prozent von den Kommunen und zu 8,3 Prozent vom Land. Der Rest stamme aus anderen Einkünften wie Spenden.

Auch der Schwäbische Chorverband hofft auf Unterstützung vom Land: Er forderte, das Fach Musik an Grundschulen wieder einzuführen und Experten der Laienmusik stärker in den Unterricht einzubinden. Der nach eigenen Antworten zweitgrößte Chorverband in Deutschland hat von 2010 auf 2011 46 der zunächst 2973 Chöre verloren. Die Zahl der aktiven Mitglieder sank im gleichen Zeitraum um mehr als 1100 auf gut 75350. Das lag vor allem an dem Verlust an erwachsenen Sängern (minus 750) und an jugendlichen Sängern (minus 720).

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