Foto: Baumann

Der Gablenberger B-Jugendliche Linus Marquardt gibt ein Handspiel zu und bekommt dafür viel Zuspruch – und er äußert sogar Verständnis für Hannovers Profi Leon Andreasen.

Stuttgart - Dass im Fußball meist der Erfolg vor dem Fair Play kommt, hat sich im Bundesligaspiel Hannover 96 gegen den 1. FC Köln gezeigt. Der Ball kommt in den Strafraum zu Leon Andreasen, der ihn mit der Hand ins Tor befördert und damit seiner Mannschaft den 1:0-Sieg beschert.

Eine ähnliche Situation gab es im vergangenen Juli bei einem B-Jugend-Turnier im Spiel SV Fellbach gegen SV Gablenberg: Beim Stand von 1:1 segelt das Leder in den Fellbacher Torraum. Es kommt zum Kopfballduell zwischen Stürmer und Verteidiger, bei dem der Schiedsrichter ein Handspiel eines Fellbacher Spielers gesehen haben will und Elfmeter pfeift. Da kommt der Gablenberger Linus Marquardt und gibt zu, den Ball mit der Hand berührt zu haben – anstatt auf Strafstoß entscheidet der Unparteiische auf Freistoß für die Fellbacher, die die Partie später mit 2:1 gewinnen.

Für seine faire Geste wurde Linus Marquardt für den Fairnesspreis des Württembergischen Fußballverbandes (WFV) im Monat August nominiert. Gewonnen hat er zwar nicht. „Er soll aber an diesem Samstag vom Verband eine Anerkennung bekommen“, sagt sein früherer Trainer und Jugendleiter des Vereins, Michael Dalaker.

„Jeder hat es gesehen. Das nicht zuzugeben wäre komisch gewesen“, beschreibt der Spieler die Situation. Zuschauer hätten Beifall geklatscht, die Gegner sich bedankt. Und auch von den eigenen Mitspielern und dem Trainer habe er für sein Verhalten Zuspruch erhalten. „Ich würde das wieder so machen“, versichert der damalige B-Jugendspieler, der mittlerweile für die A-Junioren des SV Gablenberg kickt.

„Was Linus gemacht hat, werte ich grundsätzlich positiv“, sagt sein damaliger Trainer – auch, wenn die Mannschaft das Spiel letztendlich mitunter deshalb verloren hat. Eine solche Ehrlichkeit gehöre sicherlich nicht zum Alltag. Schließlich gehe es im Fußball darum zu gewinnen – „aber fair“. Daher seien die Verantwortlichen des Vereins bestrebt, den jungen Spielern ein entsprechendes Verhalten beizubringen. Trotzdem will Dalaker den Profi Andreasen nicht dafür verurteilen, dass er sein Handspiel nicht zugegeben hat. „Fairness hin oder her, die Jungs in der Bundesliga stehen auf dem Platz unter enormem Druck.“ Man müsse sich vor Augen führen, dass Hannover gegen den Abstieg spiele. „Da zählt jeder Punkt.“

Laut Heiner Baumeister, Pressesprecher des WFV, bekommt der Verband von Schiedsrichtern, Zuschauern und Vereinsverantwortlichen pro Monat rund 20 Einsendungen fairer Gesten. Daraus wird ein Sieger gewählt.

Damit will der Verband Fairness würdigen. Aber obwohl Baumeister diese als wichtig erachtet, sei es nicht angebracht, mit dem „moralischen Finger“ auf Andreasen zu zeigen. „Hätte er sein Handspiel zugegeben, hätte er garantiert Feuer vom Verein und von den Zuschauern bekommen“, ist der Pressesprecher angesichts der schwierigen Lage des Clubs überzeugt. „Am elegantesten wäre sicherlich gewesen, er hätte seine Hand einfach weggelassen.“ Wo Menschen am Werk seien, gebe es Fehler, fügt Dalaker hinzu – und zwar seitens der Spieler, aber auch der Schiedsrichter; „von der Kreisklasse bis hoch in die Bundesliga“.

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