Manchmal braucht es auch schweres Gerät: Die Waldbahn-Strecke wird für die vorerst verschobene Saisoneröffnung auf Vordermann gebracht Foto: Gottfried Stoppel

80 000 Arbeitsstunden wurden in die Pflege der Strecke investiert: Seit 20 Jahren engagiert sich ein Förderverein dafür, dass die Schwäbische Waldbahn fahren kann. Ob das Jubiläum im Mai gefeiert wird, ist jedoch ungewiss.

Welzheim - Anfang April wäre es „allerhöchste Eisenbahn“ gewesen: Unter dieser Überschrift sollte die Veranstaltung „Theater im Zug“ stehen, mit dem die Schwäbische Waldbahn zwischen Schorndorf und Welzheim (Rems-Murr-Kreis) in die Saison gestartet wäre. Wie so vieles in diesen Tagen bleibt es beim Konjunktiv: Wegen des Coronavirus’ und den damit einhergehenden Beschränkungen soll der Fahrbetrieb nun frühestens am 13. Juni losgehen.

Bürgerinitiative Wiederaufnahme des Zugverkehrs

In den Sternen steht damit auch das Jubiläumsfest im Mai. Seit zehn Jahren nämlich ist die landschaftlich reizvolle Strecke nach Welzheim reaktiviert, erfreuen sich kleine und große Bahnfreunde daran, mit der nostalgischen Dampflok in den Schwäbischen Wald zu fahren. Was viele Fahrgäste nicht wissen: Um die Strecke zwischen Rudersberg-Oberndorf und Welzheim kümmern sich seit 20 Jahren Ehrenamtliche.

Einer von ihnen ist Johannes Friz – Gründungsmitglied des Fördervereins Welzheimer Bahn und von Anfang an dessen Vorsitzender. Die Ehrenamtlichen fanden über eine Bürgerinitiative zueinander, die für eine Wiederaufnahme des Zugverkehrs nach Welzheim kämpfte. Neuen Auftrieb bekamen die Bahnfreunde durch die Aussage eines Gutachtens, dass sich der Tourismuszugverkehr nach Welzheim lohnen könnte. Dieser war nach einer Erdrutschung 1988 endgültig eingestellt worden. „Die Strecke hat einfach einen so großen Wert, die muss erhalten werden“, sagt Johannes Friz, der sich deswegen dem Förderverein anschloss: „Steilstrecken gibt es in dieser Form nicht mehr. Deswegen ist diese 1992 zum Kulturdenkmal geworden.“

Sechs Bahnübergänge zwischen Rudersberg und Welzheim

Motiviert begannen die Ehrenamtlichen um die Jahrtausendwende damit, die Gleise freizuschneiden. „Wir hätten damals nicht gedacht, dass es noch zehn Jahre dauern würde, bis der erste Zug fährt“, sagt Johannes Friz. Etliche rechtliche, finanzielle, politische Hindernisse mussten bewältigt werden, bevor die Strecke wiedereröffnet werden konnte. „Es stellte sich zum Beispiel heraus, dass jeder Bahnübergang technisch gesichert werden muss“, sagt Friz. Sechs solcher Übergänge waren zu präparieren, und das für jeweils 150 000 Euro.

Die großen Baustellen überließ der Förderverein den Profis. So musste zum Beispiel der abgerutschte Hang kurz hinter Oberndorf gesichert werden. Auch sonst blieb genug zu tun: nach der Stilllegung hatte die Natur das Gleisbett in Windeseile erobert. Bilder aus den Gründungsjahren zeigen die Vereinsmitglieder vor einer grünen Wand, die mit jedem Dschungel mithalten könnte.

Elf Kilometer Strecke wurden hergerichtet

„Wir dachten, wir bekommen die gesamte Strecke schnell frei – und sind dann an einem Tag gerade einmal 300 Meter weit gekommen“, sagt Johannes Friz und lacht. Etwa elf Kilometer lang ist die Strecke, die der Förderverein betreut. Über den Gleisen hatte sich teilweise schon eine richtige Erdschicht gebildet, Bäume und Büsche waren gewuchert. Jeden Samstag arbeiteten die Ehrenamtlichen – lange Zeit nicht wissend, ob sich ihr Einsatz überhaupt lohnen würde – bis in die Dunkelheit hinein.

Und das unter teils abenteuerlichen Bedingungen: Dass die Strecke landschaftlich so einmalig ist, bringt mit sich, dass viele Stellen schlecht erreichbar sind. Material kann eigentlich nur über die Schiene oder per Hand transportiert werden. Die selbst ernannte Tiefbautruppe des Vereins hat im Lauf der Jahre 52 Durchlässe unter dem Gleisbett instandgesetzt. Funktionieren diese nicht richtig, kann sich Wasser am Bahndamm ansammeln und großen Schaden anrichten. Ein großes Glück sei es, meint Johannes Friz, dass Stahlschwellen verbaut worden sind, „die sind quasi unkaputtbar.“

Ohne Förderverein gäbe es keine Waldbahn

Mittlerweile ist die Arbeit leichter geworden. Weil der Förderverein kontinuierlich die Böschungen freihält, sind diese gut zu pflegen. Zudem haben die Ehrenamtlichen verschiedene Maschinen wie einen Zweiwegebagger gespendet bekommen. Der älteste Mitstreiter ist stolze 92 Jahre alt, er Jüngste 15. Von den 200 Mitgliedern arbeiten etwa 20 aktiv mit – sommers wie winters.

Rund 80 000 Arbeitsstunden hat der Verein im Laufe der Jahre investiert. Dass sich jede gelohnt hat, davon ist Johannes Friz nach wie vor überzeugt: „Es ist ein Kleinod.“ Das sagt auch Reinhold Kasian: „Die Schwäbische Waldbahn ist nicht mehr wegzudenken und hat Welzheim viel gebracht“, sagt der Geschäftsführer der Schwäbischen Waldbahn GmbH. Er habe einen riesigen Respekt vor dem Engagement und der körperlichen Arbeit. „Ohne den Förderverein würde es die Schwäbische Waldbahn nicht geben“, betont er.

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: