Der Vorsitzende der Rotary-Stiftung Stuttgart, Jürgen D. Kruse-Jarres, mit Elvira Pfleiderer (Mitte) und Regine Appel vom Kinder- und Jugendhospiz Foto: Lichtgut/Julian Rettig

Die elf Stuttgarter Rotarier-Clubs unterstützen seit 50 Jahre über ihre Stiftung vielfältige Projekte und Menschen, die unverschuldet in Not geraten sind. Beim Festakt anlässlich des Stiftungsjubiläums erhiet das neue Kinder-und Jugendhospiz einen Scheck über 100 000 Euro.

Stuttgart - „Selbstlos anderen zu dienen“ lautet das Motto der weltweit agierenden Rotarier-Clubs. Allein in Stuttgart handeln elf von ihnen nach diesem Grundsatz. Alle Clubs unterstützen soziale Projekte. Aber nicht nur das: Die hiesigen Rotarier gehen einen Schritt weiter und spenden darüber hinaus noch in eine Stiftung. „Das ist ein Novum in Deutschland. Die Stiftung ist wie eine Klammer für die einzelnen Club“, erklärt dazu der Sitftungsvorsitzende Jürgen D. Kruse-Jarres. Vor 50 Jahren wurde sie von den damals vier Stuttgarter Clubs gegründet. Den runden Geburtstag feierten die gut 700 Clubmitglieder nun mit einem Festakt im Wilhelma-Theater. Und es wäre kein Rotarier-Stiftungs-Jubiläum, wenn dabei nicht auch eine großzügige Spende überreicht worden wäre. Elvira Pfleiderer, Projektleiterin des soeben fertig gestellten Kinder- und Jugendhospiz, nahm einen Scheck in Höhe von 100 000 Euro in Empfang.

Unbürokratische Hilfe für Menschen in Not

Seit der Gründung der Stiftung zahlten die elf Stuttgarter Clubs mehr als fünf Millionen Euro in die Stiftung ein, die für soziale Zwecke verwendet wurden. Das Spektrum reicht von der Sprachförderung im Kindergarten über die Drogenprävention, die Integration von jungen Flüchtlingen, über finanzielle Beihilfen für ausländischen Studenten, die Unterstützung in der Palliativ-Versorgung bis zu Förderprogrammen für Menschen mit einer Behinderung.

Darüber hinaus unterstützt die Stiftung Menschen, die unverschuldet in Not geraten sind. Zwischen 10 000 und 15 000 Euro verteilt sie auf unbürokratische Weise über die karitativen Einrichtungen. „Diese Einzelfallhilfen sind uns besonders wichtig“, so Kruse-Jarres. Aber die Rotarier packen auch immer wieder selbst mit an – sei es beim Bau eines Spielplatzes und während der Vesperkirche ist es schon Tradition, dass sie einen Tag lang die Essensausgabe übernehmen.

Finanzspritze für Studenten

In Zusammenarbeit mit dem städtischen Jugendamt fördert die Stiftung die Integration von unbegleiteten jugendlichen Flüchtlingen. Dies geschieht über Sprachkurse, vor allem aber durch die Vermittlung von Berufspraktika sowie über sportliche und kulturelle Aktivitäten. „Das Projekt läuft sehr erfolgreich seit 2015“, so Kruse-Jarres. 150 000 Euro wurden dafür bis 2018 veranschlagt. Angesichts der rückläufigen Flüchtlingszahlen sei dies sehr großzügig gerechnet, sagt der Vorstandsvorsitzende. Sollte Geld übrig bleiben, würden die Rotarier problemlos andere wohltätige Verwendungszwecke finden.

Auch besonders begabte und engagierte ausländische Studierende können sich bei der Stiftung um eine finanzielle Unterstützung bewerben. Wer die Kriterien erfüllt, kann mit einem Zuschuss von 1500 Euro pro Semester rechnen. Allein für Studenten an der Musikhochschule und der dazugehörenden Schauspielschule hat die Stiftung in den zurückliegenden 17 Jahren 150 000 Euro gespendet. Ensprechend gaben die jungen Mimen beim Festakt eine Kostprobe.

Mitglieder werden ernannt

Mit dem Anspruch, Not vor Ort zu lindern, hat die Stiftung heute acht Schwerpunkte bei den Projekten, die sie unterstützt. Es sind die Einzelfall-und Soforthilfe, die Sozial-und Jugendarbeit, die Unterstützung von Menschen mit Behinderung, die Palliativ Pflege, die Hospizarbeit, die Drogenprävention und Suchthilfe, die Flüchtlingsarbeit und die Studienbeihilfen.

Rotarier-Mitglieder werden aus den eigenen Reihen vorgeschlagen. Sie werden dann in einem Auswahlverfahren geprüft. Ein wichtiges Kriterium ist der Beruf, denn die Rotarier wollen die Gesellschaft abbilden. Und seit vielen Jahren sind auch Frauen in den Clubs dabei – zumindest in Stuttgart.

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