Gelb-Schwarz – Banner der Ludwigsburger Barock Pirates Foto: Baumann/Alexander Keppler

Das Bad Boy-Image haben sie abgelegt, zehn Jahre nach der Gründung sind die Barock Pirates der größte Fanclub der MHP Riesen Ludwigsburg. Obwohl der Draht zum Verein gut ist, weisen die aktiven Fans immer wieder auf Missstände hin.

Piratenmusik, ein großes Banner und viel Konfetti. Die organisierten Fans der MHP Riesen Ludwigsburg haben vor dem Heimspiel am vergangenen Samstag mit einer Choreo ihr Zehn-Jahr-Jubiläum gefeiert. Die Barock Pirates sind der mitgliederstärkste Riesen-Fanclub und haben sich vom Rüpel-Image zu einem angesehenen Teil des Vereins gemausert. Trotz dieser Entwicklung fühlen sich die Pirates aber immer noch nicht ernst genommen.

 

Die Geschichte des Fan-Clubs beginnt während eines Auswärtsspiels 2014. Die Gründer um den heutigen Vorsitzenden Markus Schultz sind da noch Mitglied eines anderen Fan-Clubs. Die jungen Fans fühlen sich in dieser Gruppe aber eingeengt, wollen ihr eigenes Ding machen. Auf der Rückfahrt von der Derby-Niederlage in Ulm bespricht die Gruppe eine Abspaltung – schon bald wird der neue Verein gegründet.

Wilde Piraten verändern ihren Kurs

„Nach einem Jahr waren wir 35 Mitglieder, hatten eigene Trommler und ein besonderes Steckenpferd“, blickt Markus Schultz zurück. Da damals viele Fans keine Möglichkeit hatten, Auswärtsspiele zu gucken, veranstalteten die Pirates regelmäßig ein „Fan Viewing“. „Wir haben damals Basketballfans zusammengebracht“, so Schultz.

Über die nächsten Jahre stagniert jedoch die Mitgliederzahl, was wohl auch mit dem Ruf der Pirates zu tun hat. Die Gruppe ist jung, feiert viel und orientiert sich in ihrem Auftreten an Ultra-Gruppen aus dem Fußball. „Wir galten als Bad Boys, teilweise zu Recht, in anderen Fällen wurde das aber auch hochstilisiert“, sagt Schultz.

2021 verändern die Pirates ihren Kurs, die Kommunikation wird behutsamer, die Zahl kritischer Äußerungen geht herunter und der Fan-Club verabschiedet sich von der Getränke-Flatrate auf Auswärtsfahrten. Die Pirates wollen zugänglicher für die breite Masse an Fans sein, und das wirkt. In den darauffolgenden Jahren schießt die Mitgliederzahl auf fast 200. Riesen-Vorsitzender Alexander Reil bewundert die Entwicklung des Fan-Clubs: „Sie sind ein ganz wichtiger Bestandteil des Vereins, in der Halle und außerhalb.“

Obwohl die Pirates nun in ruhigeren Gewässern schippern, versteht sich der Club immer noch als kritische Stimme der Fans. Vor einem halben Jahr protestierte der Fan-Club beispielsweise gegen Ticketpreise in Ulm und rollte ein Banner mit einem Stinkefinger aus – sogar die Bild-Zeitung berichtete. Im Jahr zuvor stritten sich die Pirates mit der Riesen-Vereinsführung um das Recht auf ein Megafon. Oberbürgermeister Matthias Knecht musste schlichten.

Die Stimmung in der Halle leidet

Die Zusammenarbeit mit der Riesen-Führung verbessere sich zwar, es gibt aber noch immer Differenzen, sagt Markus Schultz. Unter anderem kritisiert der Fan-Club die „Preisspirale“ bei Heimspielen. Ticket- und Getränkepreise seien so stark gestiegen, dass das Basketballerlebnis für einige Fans kaum noch erschwinglich ist.

Die Pirates haben aber auch Probleme mit der Ausrichtung der Riesen. Die Vereinsführung würde Besucher immer noch als Kunden verstehen. Es gelte: Hauptsache die Halle wird voll, Fans langfristig an den Verein zu binden sei zweitrangig, kritisiert Schultz. Darunter leide die Stimmung in der Halle.

Alexander Reil kennt die Kritik und entgegnet: „Wir müssen zwischen den Interessen des Fan-Clubs, der Allgemeinheit der Fans und Zuschauer, der Sponsoren sowie der Mannschaft abwägen.“ Er verstehe, dass das bei den organisierten Fans zu Frust führt, es sei sein Anspruch, den Austausch mit dem Fanclub zu verbessern. „Denn ich weiß sehr wohl, was das für ein riesen Aufwand ist, den die Fans da betreiben.“