Ingrid Lotze, heute Geschäftsführerin des Forum 3, war fast von Anfang an dabei, als die kulturelle Institution in Stuttgart gegründet wurde. Foto: Gabriele Metsker

Das Jugend-und Kulturzentrum Forum 3 feiert in diesem Jahr sein 50-jähriges Bestehen. Über die Geschichte des Forums und das Forum Theater, das seit 2008 eigenständig ist und nicht mehr unter dem Dach des Vereins steht.

Genau genommen beginnt die Geschichte des Forum Theater erst 1982, als der heutige Theaterraum eingerichtet wurde. Und trotzdem ist das 50-Jahr-Jubiläum des Forum 3 irgendwie auch das des Theaters. Denn Elke Woitinas, die Intendantin des Theaters, begründete gemeinsam mit ihrem Mann Siegfried das, was eine kulturelle Institution in Stuttgart ist.

Ingrid Lotze, heute Geschäftsführerin des Forum 3, war ebenfalls fast von Anfang an dabei. Sie erinnert sich noch gut daran, wie sie als Schülerin 1970 im Rahmen der damaligen Schülerstreiks erstmals in die Räume des Forum 3 kam und von den dort gelebten Ideen begeistert war. „Nach drei Monaten dachte ich: Jetzt weiß ich, wofür ich mich in diesem Leben einsetzen will.“ Bis heute sind die Gedanken von Rudolf Steiner die Basis dessen, was in den Räumen in der Gymnasiumstraße passiert. Sehr vereinfacht gesagt geht es um die drei Säulen, die eine Gesellschaft tragen, nämlich Kultur, Recht und Wirtschaft. Wenn diese von Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit bestimmt sind, kann gutes Zusammenleben gelingen.

Während der Studentenunruhen 1968 gegründet

„Man kann durch Begegnung und Gespräch mit den anderen lernen, über seinen Egoismus hinauszuwachsen“, fasst Ingrid Lotze zusammen. Diese Gedanken bewegten die jungen Menschen in der Zeit nach den Studentenunruhen 1968. Einige wollten auch etwas tun für diese Ideen, führten inszenierte Straßengespräche mit verteilten Rollen und machten die Passanten neugierig. Wo man sie denn finden und mitdiskutieren könne?

Räume wurden also gesucht, möglichst mittendrin, und die jungen Leute fanden ein Abbruchhaus in der Gymnasiumstraße. Schließlich fiel nur eine Haushälfte der Theodor-Heuss-Straße zum Opfer. Zwei Stockwerke der anderen wurden zunächst für zwei Jahre angemietet. „Jeder machte alles, was notwendig war“, erinnert sich Lotze. So gab es bald Räume für Diskussionen, eine Teestube, aber auch Räume für Mal- und Schauspielkurse. Siegfried und Elke Woitinas, bislang am Esslinger Theater als Regisseur und Schauspielerin fest angestellt, verzichteten auf diese Sicherheit und widmeten sich ausschließlich dem Forum 3. „Sie haben auch persönlich viel hineingegeben“, so Lotze.

Forum 3: Raum für Menschen

Nach und nach platzte das Zentrum jedoch aus allen Nähten, sodass Anfang der Achtziger Anbauten errichtet wurden und der Theatersaal entstand. Der unvergessene Clown Frieder Nögge fand hier ebenso seine Heimat wie die große Theaterfamilie Dimitri, die seit fast 30 Jahren hierherkommt. Sonst geben sie in Deutschland kaum Gastspiele. Das Kursangebot, so Ingrid Lotze, wird nach wie vor sehr nachgefragt. Es soll vor allem jungen Menschen die Möglichkeit bieten, ihre individuellen Fähigkeiten und schöpferischen Kräfte zu entwickeln.

Das Theater hat inzwischen etliche Preise für seine Inszenierungen bekommen, zudem werden die Räume auch von Gästen gerne gebucht. Kein Raum gleicht dem anderen. Gemeinsam ist ihnen nur die wohltuende, zugleich inspirierende und Geborgenheit vermittelnde Atmosphäre. Man spürt, dass sich hier jemand viele Gedanken gemacht hat: die Menschen im Forum 3, wie Ingrid Lotze verrät.

Info: Mehr Infos auf der Homepage des Forums. 

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