Powerfrauen bei der Arbeit: Gudrun Wagner, Tabea Booz und Lindy Kyei traten im Leonberger Jazzclub auf. Foto:  

Zum 30. Konzert in der Leonberger Steinturnhalle zeigt die Band „rePoT“, was mit Stimmen alles möglich ist – und hinterlässt ein glückseliges Publikum.

Vielen Musikfreunden dürfte es noch gar nicht so lange her kommen: Doch es sind tatsächlich schon anderthalb Jahre vergangen, seitdem der Leonberger Jazzclub in der Steinturnhalle eine Art Wiedergeburt gefeiert hat. Im Sommer 2024 räumten an bis dato ungewohntem Ort „Kimi & the Soulmen“ ab: Die stimmgewaltige Sängerin Kim Hofmann und der Grandseigneur der südwestdeutschen Jazzgitarristen, Werner Acker, läuteten die Zukunftsära des Jazzclubs ein – der nach einer Klage eines Nachbarn seines angestammtes Domizil 2023 hatte verlassen müssen.

 

Mit Hilfe der Stadt Leonberg und eines großzügigen Unterstützers fand seinerzeit also Konzert Nummer eins der neuen Zeitrechnung statt. Und Frithjof Gänger, umtriebiger Vorsitzender des Jazzclubs, war sich damals keineswegs sicher, dass die vielseitig genutzte städtische Halle eine Dauerlösung sein könnte.

Jazzclub Leonberg liefert „erfolgreichste Konzertreihe“

Sie wurde es. Die Atmosphäre der leicht nostalgisch anmutenden Örtlichkeit passt. Vor allem aber: Die Resonanz war von Anfang gewaltig. Wollte Gänger anfangs nur einen bestimmten Teil nutzen, so wurde schnell klar, dass der gesamte Saal nötig ist, um dem großen Andrang gerecht zu werden. Die meisten Konzerte waren und sind ausverkauft.

Es war also nicht übertrieben, als der Leonberger Klavierfabrikant und Stadtrat Georg Pfeiffer anlässlich des Jahresauftaktes 2026 mit Dennis Müllers Flow Trio feststellte, dass „der Jazzclub die erfolgreichste Konzertreihe Leonbergs veranstaltet“. Das Jahr ist nun schon wieder sechs Wochen alt, und zum 30. Konzert hat der Jazzclub-Chef ein ganz besonderes Ensemble gewinnen können: „rePoT“.

Andreas Schäfer an der Gitarre und Georg Bomhard am Bass bilden die Basis. Foto: Slotwinski

Hinter diesem Kürzel, das übersetzt für den „wiedergeborenen Puls der Zeit“ steht, verbergen sich drei ohne Übertreibung so fantastische wie unterschiedliche Sängerinnen, die bekannte Lieder der vergangenen 100 Jahre brillant wie kreativ interpretieren. Da mag es ein Zufall sein, dass Tabea Booz, Linda Kyei und Gudrun Wagner ausgerechnet am „Schmotzigen Donnerstag“, in rheinischen Gefilden als Weiberfastnacht bekannt, das Jubiläumskonzert des Jazzclubs gestalteten. Dass dieser Abend im Zeichen der Frauen stand, war offenkundig.

Wobei ihre männlichen Mitspieler, Andreas Schäfer an der Gitarre und Georg Bomhard am Bass, den Sängerinnen in Sachen Qualität in nichts nachstanden. Im Gegenteil: Sie erzeugten für die Frontfrauen einen mal wuchtigen, mal filigranen Klangteppich , so als wäre eine ganze Band zugange. Um den Rest kümmerten sich die Sängerinnen, die neben ihren Stimmen bestens mit Geigen, Synthesizer und diversen Schlagwerken umzugehen wussten.

Von Trude Herr bis Peter Fox: Die Steinturnhalle bebt

Die Leonbergerin Gudrun Wagner und ihre Kolleginnen machten eine musikalische Reise von Aretha Franklin bis Peter Fox, sie begeisterten mit Trude Herrs „Ich will keine Schokolade, ich will lieber einen Mann“ – in den Sechzigern frech, aber gänzlich brav im Vergleich zum verführerischen „Mit Dir“ des Freundeskreises um Joy Denalane und Max Herre aus den Neunzigern.

Beim nostalgischen Fetzer „Bei mir bist du shein“ von den Andrew Sisters gibt es kein Halten mehr: Die Steinturnhalle bebt, die folgenden 30 Konzerte können kommen. Das nächste lockt wieder mit einer Powerfrau: Die Schlagzeugerin Iris Oettinger und ihre Jazzlegenden spielen am 26. Februar in Leonberg.