Spanien: Eine Abdankung von König Juan Carlos galt lange als ausgeschlossen. Doch Gesundheit und Skandale machten dem Monarchen offenbar doch zu schaffen. Jetzt übergibt er das Zepter an seinen Sohn Felipe. Foto: dpa

Drei königliche Rücktritte in 14 Monaten, erst in den Niederlanden, dann in Belgien, nun in Spanien. Ziehen Margrethe von Dänemark, Harald von Norwegen oder Carl Gustaf von Schweden bald nach?

Drei königliche Rücktritte in 14 Monaten, erst in den Niederlanden, dann in Belgien, nun in Spanien. Ziehen Margrethe von Dänemark, Harald von Norwegen oder Carl Gustaf von Schweden bald nach?

London/Oslo - Die Queen schweigt: Die Königin von England, Elizabeth II., kommentierte nicht, was in Spanien geschah. Das musste sie auch gar nicht. Denn dass die Abdankungswelle unter Europas Monarchen über den Kanal schwappen könnte, glaubt in England sowieso niemand.

Drei königliche Rücktritte in 14 Monaten, erst in den Niederlanden, dann in Belgien, nun in Spanien. Königin Beatrix, König Albert II. und Juan Carlos waren jünger als die Queen und hatten weniger Zeit auf dem Thron verbracht.

Auch in Skandinavien sind die Herrscher inzwischen in einem Alter, in dem Lehrer oder Ärzte längst im Ruhestand wären. Doch im schwedischen, norwegischen und dänischen Königshaus kommt ein freiwilliger Rückzug ebenfalls nicht in Betracht - wenigstens offiziell. Weder im Vereinigten Königreich noch in Nordeuropa wollen die Alten weichen, obwohl sie vorzeigbare Thronfolger herangezogen haben.

"Man ist so lange König, wie man lebt"

„Man ist so lange König, wie man lebt“, sagte etwa der 77-jährige norwegische König Harald V. erst vor einem Jahr, obwohl sein Sohn, Kronprinz Haakon (40), schon früh begonnen hat, royale Aufgaben zu übernehmen.

Ganz ähnlich äußerte sich die 74-jährige dänische Königin Margarethe II. im Jahr 2012 nach 40 Jahren auf dem Thron: „Ich war immer der Meinung, dass es eine Verpflichtung für das Leben ist.“ Ihr Sohn Frederik (46) ist an der Seite seiner tadellosen Frau Mary inzwischen zum würdigen Nachfolger herangereift.

Weniger klar war die Lage zwischenzeitlich in Schweden. König Carl XVI. war so unbeliebt, dass man damit rechnete, dass er den Staffelstab an seine älteste Tochter Victoria (36) weiterreicht. Doch die Krise scheint überstanden. „Ich werde jetzt nicht in Rente gehen“, sagte der 68-Jährige im Herbst in einer TV-Dokumentation.

In Belgien und den Niederlanden, wo der Generationenwechsel bereits vollzogen ist, kommen die neuen Königspaare recht gut an. Willem-Alexander und Máxima seien lockerer als Beatrix, ergaben Umfragen in den Niederlanden. Philippe von Belgien hat in Flandern traditionell einen schweren Stand, aber seine Frau Mathilde zieht mit ihrem strahlenden Lächeln und eleganten Outfits die Blicke auf sich.

Thronfolger haben es nicht eilig

Gern stellt man sich vor, dass die Thronfolger in den anderen Monarchien ungeduldig mit den Hufen scharren - vor allem, wenn es um Prinz Charles geht, der mit seinen 65 Jahren inzwischen selbst das Rentenalter erreicht hat. Doch sowohl Charles und Camilla als auch die Thronfolger in Skandinavien scheinen eher ihre Freiheiten oder das Familienleben zu genießen, statt auf den Thron zu schielen. Königin Silvia (70), die Frau von Carl XVI., sagte denn auch im Februar, als Mutter wolle sie Tochter Victoria noch eine schöne Zeit mit ihrer kleinen Familie geben.

Doch das allein erklärt noch nicht, warum die Monarchen im Nordwesten beim Rücktritts-Domino nicht mitmachen wollen. „Es gibt keine nordische Tradition des Abdankens“, sagt der Adelsexperte Tor Bomann-Larsen dem Sender NRK, „und Traditionen sind sehr wichtig in einem Königshaus.“ Beatrix dagegen war in den Niederlanden die dritte Königin in Folge, die zugunsten der nächsten Generation abdankte.

In Großbritannien verweisen Experten gern auf das Pflichtgefühl der Queen. „Erstens hat sie 1947 versprochen, ihr ganzes Leben dem Dienst zu widmen, und das hat sie immer und auch gern getan“, sagte der britische Adelsexperte und Royal-Biograf Hugo Vickers.

Einen Tipp, wer von der älteren Generation als nächstes den Thron übergibt, will Vickers nicht abgeben. Und fordert stattdessen mit Blick auf weitere prominente Rücktritte im Vatikan und beim Fußballverein Manchester United: „Überlassen wir das Abdanken doch den Niederlanden, Belgien, Spanien, dem Papst und Sir Alex Ferguson.“

In unserer Bildergalerie stellen wir Ihnen die dienstältesten Monarchen und ihre Nachfolger im Wartestand vor!

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