Die Journalistin Sara Schurmann aus Berlin hat sich auf Klimathemen spezialisiert. Hier erklärt sie, wie man Sprache so einsetzen kann, damit auf Worte auch Taten folgen.
Stuttgart - Frau Schurmann, über die Klimakrise wird viel geredet, aber es wird wenig dagegen getan. Wie kann man den Menschen besser klarmachen, wie dramatisch die Lage ist?
Ich glaube, dass Medienschaffende, Wissenschaftlerinnen und alle anderen, die Klimafragen kommunizieren, gut daran tun, so konkret wie möglich klarzumachen, was die Klimakrise mit dem Leben von uns allen zu tun hat. Sie betrifft alle unsere längerfristigen Pläne, Hauskauf, Rente, Kinderwunsch. Und dass man auch besonders klar und konkret darüber redet, was gute Lösungen sind. Ich glaube, das würde helfen, damit mehr Leute anfangen, die Dringlichkeit zu sehen, aber auch die Lösungen zu verstehen.
Sprechen Sie angesichts der dramatischen Situation noch von einem Klimawandel?
Ich spreche hauptsächlich von der Klimakrise. Ich sehe den Klimawandel als einen langsamen Prozess, den es auch vor den menschengemachten Klimaveränderungen gab. 13 000 Wissenschaftler haben einen offenen Brief unterstützt, in dem sie klarmachen, dass wir uns im Climate Emergency, also im Klimanotfall befinden.
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Manche sprechen sogar schon von Klimakatastrophe. Zu Recht?
Ich würde es so sehen, dass die Katastrophe das ist, was kommt, wenn wir die derzeitige Krise nicht sehen und nicht entschlossen handeln. Es ist aber auf jeden Fall so, dass die Katastrophe für viele schon real ist. Für Menschen im Ahrtal, aber auch für viele im globalen Süden. Wir werden aus dem instabilen Klima nicht mehr rauskommen, aber wenn wir jetzt anfangen, die Notlage zu sehen, wenn wir die Krise weniger verdrängen, können wir das Schlimmste verhindern, uns besser vorbereiten und besser leben.
Spricht irgendjemand in der Politik eine so deutliche Sprache?
Ich kann von manchen Politikerinnen und Politikern gar nicht erwarten, dass sie Klartext reden, wenn sie die Dringlichkeit selbst noch nicht sehen. Ich würde mir aber wünschen, dass die Politikerinnen und Politiker, die die Dringlichkeit sehen, mit einer sehr klaren Sprache und mit dem Fokus auf Lösungen auftreten. Das hat Robert Habeck im Vorfeld der Wahl relativ gut getan. Indem er einfach Klartext darüber geredet hat, wo wir stehen und was wir jetzt machen müssen. Ich habe das Gefühl, dass viele Politikerinnen und Politiker manche Dinge weicher formulieren, weil man mit allen Kompromisse finden muss. Aber solange wir keine gemeinsame Analyse davon haben, wie groß und dringend dieses Problem ist, werden zwangsläufig auch die Lösungen zu klein ausfallen.
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Worauf kann jeder achten, wenn er über die Klimakrise und das Klima redet?
Katherine Hayhow, eine Klimawissenschaftlerin aus den USA, die tolle Erklärvideos macht, sagt immer: Das Wichtigste, was man tun kann, ist, drüber zu reden. Das Wichtigste, was wir brauchen, ist ein noch größerer Bewusstseinswandel für die Dringlichkeit der Situation. Jeder kennt wahrscheinlich diese unangenehme Stille, die aufkommt, wenn das Thema Klima im Freundes- oder Bekanntenkreis angesprochen wird. Ich glaube, es hilft, auf eine sehr persönliche Art über Klima zu reden. Also gar nicht unbedingt Leute großartig mit Fakten überzeugen zu wollen. Vielleicht lieber zu erzählen, warum man sich Sorgen macht, was man sich wünscht und welche Lösungen man sieht.