Mit dem bequemen Outfit bei der Arbeit soll nun Schluss sein. Foto: Brigitte Hess

Die Arbeit im heimischen Büro geht mit Nachlässigkeit einher. Die Jogginghose sieht zwar keiner, und sie ist herrlich bequem. Aber wer etwas erreichen will, sollte sich vielleicht doch mehr Mühe geben.

Fellbach - In langen Jahren als freiberufliche Journalistin hat man gelernt, das Berufsleben zu organisieren. Eine Portion Disziplin und Pünktlichkeit gehören dazu, wenn man im Homeoffice arbeitet. Aber die Wochen und Monate des Lockdowns haben etwas verändert. Mir ist die Kontrolle über mein Leben entglitten. Jedenfalls, wenn es nach Karl Lagerfeld geht. Der Exzentriker unter den Modeschöpfern wird gerne zitiert: „Wer eine Jogginghose trägt, hat die Kontrolle über sein Leben verloren.“ Und ich trage eigentlich nur noch ausgeleierte Jogginghosen und Schlabberpullis. Wenn ich überhaupt so weit komme. Manchmal behalte ich gleich den Schlafanzug an. Lohnt sich ja nicht, sich umzuziehen, wenn man eh nur zu Hause vor irgendeinem Bildschirm rumhängt. Zunächst vor dem Computer, dann vor dem Fernseher.

Für eine kurze Runde um den Block oder den schnellen Einkauf lohnt sich Umziehen nun wirklich nicht, einfach kurz den Mantel überwerfen. Gerade fällt mir auf, dass ich meine Kaffeetasse jetzt den dritten Tag verwende. Ach ja, Haarewaschen wird von mir auch gerne mal aufgeschoben. Man hat eh keine Frisur mehr. Und – es merkt ja keiner.

Ein neuer Dresscode

Die Verwahrlosung greift um sich. Ein kleiner Fleck auf dem T-Shirt, ein Loch in der Socke: alles wurscht. Während ein Teil der Mitmenschen zu Hochform aufläuft, in der ungewohnt vielen freien Zeit die Wohnung ausmistet und renoviert, neue Möbel und Fahrräder kauft, legt sich über andere eine bleierne Glocke.

Keine Lust zu nichts. Der innere Antrieb ist down gelockt. „Reiß dich zusammen“, sagt eine Freundin und erzählt von einem ein Experiment, von dem sie gelesen habe. Wer ungekämmt im Gammellook auf dem Sofa fläzend ein wichtiges Telefongespräch führe, erreiche unter Umständen nicht das, was er sich erhoffte. Der Gesprächspartner sieht den anderen zwar nicht, aber er spüre sozusagen dessen lasche Unaufgeräumtheit, stellten Psychologen fest. Die äußere Haltung formt die innere. Und anders herum?

Hier also der neue Dresscode fürs Homeoffice: lässig, aber nicht nachlässig bei der Videokonferenz. Brille putzen, Haare kämmen. Ich habe mich jetzt übrigens in einen kuscheligen schwarzen Overall gehüllt. Schützt zwar nicht vor Corona, aber das ist jetzt mein „kleines Schwarzes“ für zuhause. Wie sagte Karl Lagerfeld dazu: „Mit Schwarz ist man niemals under- und niemals overdressed.“ Und wenn der bunte Frühling kommt, wird eh alles wieder gut. Versprochen.

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