Joris ist am Mittwoch in Stuttgart aufgetreten Foto: Leif Piechowski

„Feuerwesen in Stuttgarts Nacht“: Der Musiker Joris trotzt bei seinem Konzert am Stuttgarter Flughafen dem Unwetter und verbreitet gute Stimmung.

Stuttgart - Ein schöner klarer Regenbogen ist am Mittwochabend rechts neben der Bühne auf dem Parkfeld P 0 am Flughafen Stuttgart zu sehen. Schon seit einer Weile bauen sich malerisch Wolkentürme in spektakulären Farben am Himmel auf. Die ersten Konzertgäste sind aus ihren Autos ausgestiegen und machen es sich, natürlich unter Einhaltung der Sicherheitsregeln, gemütlich, etwa mit Sekt und Snacks, das Autodach dient als Abstellfläche, der offene Kofferraum als Sitzgelegenheit.

Wer will, kann sich bei einer Promo-Aktion die Windschutzscheibe reinigen lassen, und ein bekannter Bierhersteller hat schon bei der Einfahrt Kostenloses verteilt, alkoholfrei versteht sich. Ab und zu sieht man einen Flieger starten. Eigentlich ganz gemütlich, so ein Autokonzert im Sommer 2020, wäre da nicht – und Joris wird es später noch ein paar Mal sagen – dieses komische Gefühl in einer sehr verrückten Zeit.

Die Stuttgarterin Kim singt im Vorprogramm

Als Support an diesem Abend tritt gegen 21 Uhr die 28-jährige Stuttgarterin Kim auf. Erst vor ein paar Tagen hatte die Popsängerin den Newcomer-Wettbewerb, den unsere Zeitung gemeinsam mit Joris ausgeschrieben hatte, gewonnen. Mitgebracht hat Kim den Song „Polaroidmoment“ und einige Stücke, die sie heute zum ersten Mal live spielt. Belohnt wird sie mit lautem Hupenapplaus. Als Joris gegen 21.45 Uhr auf die Bühne kommt, hat sich das Gewitter fortgeschritten zusammengebraut und ist bedrohlich nahegekommen. Es blitzt und donnert. Dennoch beginnt er mit rauchiger Stimme zu singen, die Bühne in grünem Licht. „Sommerregen“, heißt der Song treffend, und Joris bittet um liebevolles Hupen, weil das Konzert im Radio übertragen wird.

Komisch fühle es sich an, mit all den Autos, sagt der 30-Jährige. Aber er genießt es, will, dass sein Publikum sich wohlfühlt und entspannt ist. Und das ist es auch. Einige stehen neben ihrem Wagen und tanzen. Andere sind kreativ, haben Lichterketten über ihr Auto gespannt und Wunderkerzen angezündet. Dann wieder Scheinwerfer- und Hupenapplaus. Dazu singt Joris „Feuerwesen in Stuttgarts Nacht“ und wechselt dann zu „Singin‘ in the Rain“, als es tatsächlich zu regnen anfängt. Er will dem Wetter trotzen, doch um 22.20 Uhr schaltet sich der Veranstalter ein und unterbricht für eine Viertelstunde, Gefahr des Blitzeinschlags, alle müssen im Auto bleiben. Die Warnung kam direkt vom Tower. So machen es sich die Konzertgäste für eine Weile in ihren mobilen Wohnzimmern gemütlich.

Auch ein Song von Death Cab for Cutie hat er im Programm

Eigentlich spiele er keine Cover, sagt Joris, als das Unwetter vorbei ist, doch dieses Lied hat es ihm angetan – und er gibt „I will follow you into the Dark“ von Death Cab for Cutie zum Besten. Bis kurz nach elf legt der Musikallrounder noch mal drauf, ob an dem Klavier, der Gitarre oder dem Schlagzeug. Zum Ende hin dann sein aktueller Song „Nur die Musik“, der vermutlich eine von Joris‘ wichtigsten Botschaften enthält: Musik für ein gutes entspanntes Leben. Im Song heißt es: „I don’t give a f-, heut’ kann mit keiner was, und in meinem Kopf nur die Musik“. Eine sicher gute Botschaft in unruhigen Zeiten.

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