Das Esslinger Podium Festival muss einen neuen künstlerischen Leiter suchen. Joosten Ellée, der das Festival erfolgreich geleitet hat, sucht eine neue Herausforderung.
Dem Podium Festival steht ein Wechsel an der Spitze bevor: Joosten Ellée, der im Herbst 2021 die künstlerische Leitung übernommen und dem Festival seither eindrucksvoll seinen kreativen Stempel aufgedrückt hatte, verabschiedet sich Ende 2026. Doch zuvor möchte der profilierte Festivalleiter vom 30. April bis 10. Mai ein Podium präsentieren, das nochmals zeigt, was den besonderen Reiz dieses Festivals ausmacht. Unterdessen hat die Suche nach einer Nachfolge begonnen, die dem bundesweit geschätzten Profil Rechnung trägt und offen ist für neue Akzente. Die Stelle der künstlerischen Leitung für die Zeit ab 2027 ist bereits ausgeschrieben worden.
Brigitte Russ-Scherer, die Vorsitzende der Podium Musikstiftung, macht keinen Hehl daraus, dass sie Joosten Ellée gerne noch länger an der Spitze gesehen hätte. Doch sie hat auch Verständnis dafür, dass der künstlerische Leiter, der sich durch seine engagierte Arbeit hohes Ansehen erworben hat, eine neue Herausforderung annehmen will. „Aufbruch und Veränderung sind integrale Bestandteile unseres Selbstverständnisses“, betont Russ-Scherer. „Wir sind überzeugt, dass Joosten Ellée seine erfolgreiche Arbeit bis zuletzt mit ganzer Kraft weiterführen wird. Das Publikum darf ein besonderes Festival 2026 erwarten.“
Warum gibt Joosten Ellée die Podiums-Leitung auf?
Joosten Ellée räumt ein, dass er sich lang überlegt hat, das Angebot einer Vertragsverlängerung um zwei weitere Jahre anzunehmen. „Ich bin aber dann doch zum Schluss gekommen, dass es nach fünf Jahren intensiver künstlerischer Gestaltung bei Podium wieder Zeit für eine Erneuerung ist“, erklärt er. „Ich will bewusst Platz machen für neue kreative Köpfe, sodass neue Ideen die tollen Räume dieser tollen Stadt fluten können. Und es reizt mich auch, mich neuen künstlerischen Herausforderungen zu stellen.“ Der künstlerische Leiter zeigt sich dankbar für den großen Gestaltungsspielraum, den ihm das Festival in den vergangenen vier Jahren geboten hat.
Der aktuelle Festival-Chef freut sich darauf, 2026 unter dem Motto „Music for Aliens“ einige spannende Akzente setzen zu können, die ihm am Herzen liegen – von der Musiktheaterproduktion „Rave“, die sich mit Techno, Chopin und dem Thema Zeit auseinandersetzt über die Neuauflage der Klangausstellung „Musikalische Mahnmale“ bis hin zum Abschlusskonzert mit dem Ensemble Reflektor mit zwei Uraufführungen von Yuri Umemoto und Georgia Koumará. „Es geht um nichts Geringeres als um das Leben, das Universum und den ganzen Rest“, sagt Ellée. „Und es geht darum, mich mit diesem speziellen Festival-Programm würdig und angemessen zu verabschieden von einem der spannendsten Orte in der Szene überhaupt.” Das vollständige Programm wird am 1. März in einem Prolog im Komma vorgestellt.
Wechsel auch in der Geschäftsführung
„Für die Nachfolge von Joosten Ellée wird wieder eine überzeugende Künstlerpersönlichkeit gesucht, die anknüpfend an das Selbstverständnis von Podium kreativ und mutig die Erfolgsgeschichte des Festivals weiterschreibt“, sagt Brigitte Russ-Scherer. Die Stelle der künstlerischen Leitung ist als Teil einer Doppelspitze ausgeschrieben, die Bewerbungsfrist läuft bis 3. Februar. Anfang April soll die Personalie dann entschieden werden. Die neue künstlerische Leitung soll gemeinsam mit der Musikwissenschaftlerin und Kulturmanagerin Janina Rinck ab 2027 die Verantwortung für das Podium-Programm tragen.
Janina Rinck, die bislang beim Mahler Chamber Orchestra beschäftigt ist, startet im Frühjahr 2026 als Nachfolgerin von Selma Brauns, die neben ihrer Rolle als Geschäftsführerin des Lüneburger Kammerorchesters Ensemble Reflektor als Podium-Geschäftsführerin seit 2022 mit Joosten Ellée für die vielfältigen Aktivitäten des Esslinger Festivals verantwortlich ist. Um einen reibungslosen Übergang zu ermöglichen, soll Selma Brauns bis Herbst 2026 gemeinsam mit Janina Rinck als Geschäftsführerin fungieren.